
Wer seinen Hund liebt, wer mit ihm lebt, beobachtet ihn genau und wird sehr früh Störungen feststellen, wenn da eine ist.So auch wir bei Timo.
Timo ist inzwischen mehr als 16½ Jahre alt –ein Methusalem unter den Hunden –, aber normalerweise noch agil, fröhlich, fix und ein lieber Kerl mit seinen mitgebrachten Macken.So kommentiert er gerne lautstark und stellt seine Forderungen, die wir auch sofort zu erfüllen haben.
Da ist er hartnäckig (Futter, Gassi gehen, Leckerchen etc.).Irgendwann, vor weit mehr als einem Jahr, begann er zu husten.Klar, auch ein Hund kann sich erkälten. Und wenn er mit offenem Maul rennt und immer etwas zu sagen hat – wen wundert es, wenn es auch ihn mal erwischt?Was tut ein verantwortungsbewusster Tierhalter?Er geht mit seinem Vierbeiner zum Tierarzt.Der Hund bekommt seine Standardtherapie. Normalerweise sollte es gut sein: Schal um den Hals, warmer Liegeplatz, natürlich zugfrei, und Medikamente.Und was passiert? Normalerweise ist so etwas schnell ausgestanden.
Bei Timo nicht. Es blieb ein Husten, der aber weniger von den Bronchien als vom Kehlkopf zu kommen schien. Der Husten war therapieresistent. Es blieb nicht bei einer Therapie, und keine schlug wirklich an.Da wir schon immer mal herzkranke Hunde hatten, kam meine Frage an den Tierarzt:„Kann der Hund ein Problem mit dem Herzen haben?“„Nein, keine auffallenden Herzgeräusche. Wir sollten ihn sicherheitshalber mal einer Tierkardiologin vorstellen, Herzultraschall machen lassen.“Gesagt, getan – und auch der Befund war: kein krankes Herz!Inzwischen probierten wir homöopathische Mittel mit mehr oder weniger Erfolg aus.Dieser Mai wurde auffallend warm. Der Husten nahm zu. Wir hatten kein Auto, konnten unsere gewohnten Runden im Wald nicht gehen, und auf einmal wurde Timo so langsam. Er ging mühsam, sein Atem ging schnell und angestrengt.Verdammt, das musste doch einen Grund haben. Beim Spaziergang im Ort brach er quasi zusammen. Laufen wollte er nicht mehr.Eine gute Freundin von uns, ebenfalls Tierärztin, hörte ihn ab und sagte:„Geht morgen sofort zu eurer Tierärztin und bittet sie, die Lunge zu röntgen – den Brustkorb.“
Genau das taten wir, und siehe da: Ein Lungenemphysem war deutlich zu erkennen und viel Wasser in der Lunge.Es war inzwischen ein Zustand, bei dem wir uns fragten:„Ist ihm noch zu helfen, oder müssen wir uns verabschieden?“Die Tierärztin gab sofort Herzmittel und entwässernde Mittel. Nach zwei Tagen war er fast wieder der Alte, wollte beim Spaziergang nicht mehr in den Hundewagen. Gepieselt hat er reichlich und oft. Und plötzlich war der Husten weg.Er war fast wieder der fröhliche, fordernde Hund, den wir so kannten.Was dann folgte, war weniger schön: Er begann trotz häufiger Runden im Freien in der Wohnung, speziell im Wohnzimmer, zu pinkeln.Zuerst die Pfützen, die nassen Stellen im Teppich und am Tischbein.Irgendwann halfen kein Auswaschen und Einsprühen mehr. Der Teppich flog raus, wurde gewaschen, und zum Glück haben wir Steinböden – die kann man wischen. Es ist zwar ungemütlich und fußkalt, aber so ging es nicht weiter.
Dann wurde die Therapie nach dem Befund der Blutuntersuchung verändert.Medikamente wurden deutlich reduziert. Prompt hustet er wieder. Nun müssen wir mit den Medikamenten jonglieren – in Abstimmung mit der Tierärztin.Zwar schläft der alte Herr etwas mehr, aber ansonsten scheint es ihm nicht so schlecht zu gehen. Der Husten ist wieder mehr geworden.Nun, ewig wird der Hund nicht mehr leben. Der Gedanke daran macht uns heute schon traurig.
Er ist uns ein lieber, vertrauter, langjähriger Begleiter – ein Stück Familie.Es ist gut, dass wir ihm für eine Weile noch einmal eine anständige Lebensqualität schenken können. Quälen scheint er sich derzeit nicht.Schauen wir, was wird.
© **Karin Oehl**
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