**Fridolin, die kleine Maus**
*Karin Oehl*
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Erstmals sahen wir sie vor Jahren, wie sie vor unserem Terrassenfenster Männchen machte. Damals hatten wir noch vier Katzen, und die regten sich fürchterlich auf, als sie den unerschrockenen kleinen Mäusekerl vor unserem bodennahen Fenster herumturnen sahen – als wollte er den Katzen eine Nase drehen.Hach, war das aufregend für die Katzen. Sie konnten nicht, wie sie so gerne wollten.Der wievielte Fridolin danach kam, kann ich nicht sagen. Es sind mehrere gewesen – und sicher manches Fridelchen dazu.
Einmal, im Schnee, liefen sie in Gängen darunter her, schauten mal kurz durch ein Loch im Schnee, schnupperten – ja, wo ist denn das leckere, fettige Vogelfutter?Jetzt haben sie die Vogelfutterdose mit den Sonnenblumenkernen auf der Ablage an unserem Balkontisch entdeckt. Flink schaffen sie es, über die schrägen Tischbeine zu laufen, den Zwischenboden zu erreichen. In die Dose haben sie ein Loch geknabbert und sind hineingelangt in die gefüllte Kiste.
Dort halten sie täglich ihr Festmahl. Inzwischen haben auch die Eichhörnchen die Futterquelle entdeckt, und sie helfen den Mäusen, den Deckel immer wieder von der Dose anzuheben.Vom Zwischenboden springen sie auf die Terrasse – schön immer nachts oder im frühen Morgengrauen. Sie hinterlassen eine sehr eigene Ordnung, man glaubt es kaum. Immer wieder muss ich die leeren Spelzen entfernen.
Nachbars Freigängerkatzen haben sicherlich den einen oder anderen kleinen Fridolin längst erwischt. Aber neue rücken nach.Bis ins Haus hinein hat es fast keiner geschafft, aber auf dem Dachboden waren sie schon. Hoch am Efeu, und irgendwie haben sie es geschafft. Wir haben sie knabbern gehört und ihre Hinterlassenschaften gefunden.Nein, da will ich die Gesellschaft nicht haben – also Lebendfallen, und raus mit ihnen in die Freiheit.Schlagfallen, die töten, gibt es in unserem Haus nicht.
Frech wie sie sind, scheinen sie unserem verbliebenen Kater und den Hunden förmlich den Vogel zu zeigen, wenn die sie sehen und sich aufregen. Draußen dürfen sie ihr Leben leben, und die paar Sonnenblumenkerne seien ihnen von Herzen gegönnt.
© **Karin Oehl**
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