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Vor wenigen Wochen rief mich eine Frau an, die einen schwer verletzten Igel gefunden hatte. Sie ließ ihn behandeln, er wurde heil und gesund, wollte aber nicht winterschlafen und sie bat mich, ihn für ihre Urlaubszeit im Februar in Pflege zu nehmen.

Das versprach ich.

Vorgestern –abends nach 21 Uhr rief sie mich an und meinte, sie wisse nicht, ob der Igel tot ist, sie hätte ihn bewegungslos an seinem Futterplatz im Gehege gefunden oder ob er im Winterschlaf wäre. Morgens rief ich sie zurück.

Wir sprachen darüber, dass es durchaus sein könnte, dass er tot ist, denn so verhält sich kein Igel, der im Winterschlaf ist.

Sie bat mich, ihn mir anzuschauen, war natürlich sehr traurig und weil sie mir so verunsichert erschien, wollte ich ihr helfen. Wir vereinbarten, dass sie zwischen 17 u. 19 Uhr zu mir kommen sollte. Ggf. würde ich den Igel dann entsorgen, weil sie keine Möglichkeit hätte.

Wer nicht kam, war diese Dame.

Um 15 Minuten nach 21 Uhr schellte es. Ich war bereits im Bad und im Hausanzug und hatte mich hingelegt. Mein Mann wollte was fernsehen –Nein, wir sind am Tag gern für Menschen und Notfälle da, aber irgendwann haben wir auch einen Anspruch auf ein Privatleben. Wir waren beide sauer und sind nicht mehr an die Tür gegangen.

Nach einer Weile schellte es noch mal, und fast gleichzeitig bei unserer Mieterin.

Gutwillig wie sie ist, kam sie runter und dann ging das Palaver los. Sie erzählte und unsere Mieterin ging wohl nach oben Schreibzeug holen Ich war dickfellig genug, mich nicht zu erheben. Mein Mann wollte schon wütend rausgehen und sie des Hauses verweisen. Ich bat ihn, still sitzen zu bleiben, Wir waren beide sowas von sauer!

Endlich ging sie.

Als ich heute Morgen die Zeitung reinholen wollte, roch es im Flur merkwürdig.

Da stand ein Kasten mit Zettel: sie hätte mich gern persönlich gesprochen, aber leider mich nicht angetroffen. Ihr Igel wäre wohl tot und sie hätte keine Möglichkeit ihn zu begraben.

Damit hatte ich fast gerechnet.

Was denken sich Menschen eigentlich?

Es war kein Notfall, haben Igelhelfer einfach keinen Anspruch mal ab einer gewissen Zeit am Tag auf ein Privatleben?

Die vielen Stunden, die wir täglich für Mensch und Tier da sind, sind wohl noch nicht genug?

Wie ausgeprägt müssen der Egoismus und die Rücksichtslosigkeit in unserer Gesellschaft eigentlich sein?

Wir sind dermaßen eingesäuert

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© Karin Oehl 08.02.2019

amanfang 2 270

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