Wir sind Alt geworden

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Sunny
Nein, wir wollten keinen neuen Hund mehr, wir sind alt geworden. Gelegentlich schaue ich immer noch auf die Seite meiner Tierschutzfreundin, und da war sie, die Geschichte von Sunny. Ein alter Mann war dement und wohl ein Messi; man holte ihn aus der Wohnung, und der kleine verkommene Hund wurde zum Weitertransport ins Tierheim bei einer städtischen Einrichtung (Fuhrhof) abgegeben. Da sah ihn eine andere Tierschützerin, erkannte sofort den elenden Zustand des Hundes und nahm ihn mit. Sein Fell war total verfilzt, und er juckte sich schrecklich, die Haut war blutig gekratzt, er hatte Probleme beim Kotabsatz, und die Ohren waren total verdreckt, verpilzt und voller Milben. Der Hund stank fürchterlich, sie verpasste ihm erst einmal ein Bad, was den Juckreiz milderte und ihn von lästigen Mitbewohnern befreite, und dann kam der Tierarzt zum Zuge.
 
Der Hund wurde geschoren, die Ohren gereinigt, die Analdrüsen entleert – sie waren vereitert –, was muss der kleine Kerl gelitten haben, und zu mager war er außerdem. Die Haut wurde behandelt, der Hund mehrfach gebadet, sein Fell sah aus, als hätten Motten daran gefressen, stellenweise war er kahl. Dann stellte sich noch heraus, dass er Steine in der Blase und in der Harnröhre hatte, zwei Operationen waren fällig. Sunny wurde geimpft und bekam Spezialfutter, der vorhandene Herzfehler wurde da zunächst völlig vergessen. Als wir von ihm erfuhren, konnten wir nicht anders; ein Telefonat mit meiner Tierschutzfreundin, und wir fuhren hin.
 
Sunny hatte bisher alles klaglos mitgemacht, war ruhig und wohl zufrieden, erst einmal bei ihr zu sein, er begann sehr anhänglich zu werden – und dann kamen wir. Wir packten beide Hunde in Boxen und fuhren los, die letzte fällige Impfung wollten wir übernehmen, und wir zahlten auch die Adoptionsgebühr, denn Sunny war dem Verein inzwischen sehr teuer geworden. Als wir zu dem Impftermin zu unserer Tierärztin fuhren, machte sie ein sehr bedenkliches Gesicht: „Hat euch die vermittelnde Stelle von seiner gruseligen Herzgeschichte erzählt?“ fragte sie. Nein, das hatte sie nicht, denn auch ihr war diese Info von den Tierärzten nicht gegeben worden.
 
        
 
Also war der nächste Termin beim Tierkardiologen. Sunny ist uns lieb und teuer: Röntgen, Herzultraschall, Medikamente, Sonderfutter wegen der Steine – aber wir haben A gesagt, und wir sagen B. Er dankt es uns mit Anhänglichkeit und viel, viel Liebe, er hat sich so toll an uns gewöhnt. Allerdings werden er und Timo keine dicken Freunde, auch der Kater wird mit gebührendem Respekt behandelt und ihm ausgewichen. Eine inzwischen erfolgte Kontrolle seines Herzens ergab keine Verschlechterung. Fellpflege allerdings lehnt er von uns strikt ab, aber eine Hundefriseurin hat wohl die richtige Art, mit ihm die Sache gut und liebevoll zu regeln. Auf dem zweiten Bild ist Sunny zu sehen, wie er jetzt aussieht: ein selbstbewusster Hund, der auch mit seinen inzwischen zehn Jahren in unserem Zuhause angekommen ist. Wir möchten ihn absolut nicht mehr missen und hoffen sehr, ihn noch bis zum Ende begleiten zu dürfen.
 
© Karin Oehl
 
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