Samstag vor Muttertag

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Guter Dinge fuhren wir Richtung Münster. Auf dem Weg: Sperrungen, Umleitungen, Staus ohne Ende. Wir waren früh genug losgefahren und kamen doch mit Verspätung an.Irgendwann machte das Auto seltsame Geräusche, und die Ölanzeige meldete sich. Wir fuhren eine Tankstelle an (finde mal in einer fremden Stadt eine!) und füllten Öl auf. Die Lampe brannte weiter.Wenn das mal gutgeht! Hoffentlich kommen wir heil nach Hause.

Auf der Rückfahrt von Telgte sind wir hinter Dortmund, vor Schwerte, mit Motorschaden auf der A1 liegen geblieben. Im Auto, in ihrer Box, unsere zwei Hunde, die die Welt nicht mehr verstanden. Der ADAC war telefonisch nicht erreichbar – die Nummer auf unseren Papieren galt nicht mehr. „Rufen Sie die Auskunft an!“ Wie denn, als alter, nicht handyaffiner Mensch?Also riefen wir die Polizei an. Die gaben uns eine andere ADAC‑Nummer, die wieder nicht erreichbar war. Also riefen wir erneut die Polizei an, und diesmal schickten sie einen Abschlepper.

Die Polizisten, die dann zu uns kamen, waren freundlich und hilfreich. Zuvor war schon das Steigen über den Begrenzungszaun für uns ein Problem. Dann ging auch noch das Warndreieck kaputt. Während der Polizist an der Dienststelle nicht nur begriffsstutzig und unfreundlich war, waren die zwei Polizisten, die dann bei uns vorbeikamen, wirkliche Freunde und Helfer – und noch so jung.

Rund um den Pudding ging es mit dem großen, abenteuerlichen Abschlepper, in den wir mühsam hineinklettern mussten. Zunächst waren die Hunde noch in ihrer Box im Auto, dann mussten wir mit den Hunden – denn die Hundebox blieb ja in unserer Schrottkiste – mit einem Taxi vom Hof des Abschleppdienstes rund um Dortmund nach Aplerbeck zu einer Stelle fahren, wo Leihwagen zu holen wären.

Pustekuchen. Tor zu, Firma zu. (Es war ja Samstagnachmittag.) Der Taxifahrer rief dort an. Wir hätten ohne Sitzmöglichkeit, ohne Schatten, mit den Hunden mehr als eine Stunde vor dem Tor stehen bleiben sollen. Irgendwo im Nirgendwo.

Mein Mann war nach dem Schrecken nicht mehr fähig, ein fremdes Fahrzeug in völlig unbekanntem Gelände zu fahren. Also blieben wir im Taxi und ließen uns von Dortmund nach Pulheim fahren. Der Taxifahrer rief den Unternehmer an: Leihwagen würde nicht mehr benötigt.Rollator, Gepäck und ich mit den Hunden hinten rein ins Taxi, mein Mann vorne. Wir waren so fertig, dass wir den Taxifahrer baten, uns bis nach Hause zu fahren. Der Mann war Spitze.

Dann das Gedankenkarussell – – – – –

Neues Auto? In unserem Alter? Wir ohne Auto? Teure Reparatur? Gebrauchtfahrzeug? Geld? Wenn du denkst, du hast ’n, dann hüppt er aus dem Kasten – hätte jetzt meine Mutter gesagt.Kommt Zeit, kommt Rat. Erst einmal wird der Wagen irgendwann vom ADAC zu unserer Werkstatt gefahren, dann kommt der Kostenvoranschlag und dann die Entscheidung – – – – Hop oder Top.

Wir werden sehen. Nicht heute, nicht morgen. (Ohne Auto ist eine Katastrophe, denn Ärzte, Autowerkstatt etc. sind alle an anderen Enden der Stadt, und mein Mann ist nicht mehr fähig, so weit zu Fuß zu gehen.) Was ist mit der Kiste Wasser? Was mit den schweren Hundefutterdosen? Und, und, und.Gut, zur Not gibt es Lieferdienste – aber wann, wo, wie viel teurer?

Morgen werden wir mal beim ADAC auf der Matte stehen. (Wer weiß, wo wir eine Geschäftsstelle finden und wie wir hinkommen.) Der Kundendienst ist saumäßig geworden: kein persönlicher Ansprechpartner mehr, alles nur noch per App und so’n Scheiß, mit dem wir Ollen nicht fertig werden. Selbst der ganz handyfitte Taxifahrer war mehr als angepisst.

© Karin Oehl

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Kommentar Karin Oehl
Liebe Karin, man spürt in jeder Zeile, wie anstrengend und nervenaufreibend dieser Tag für euch gewesen ist. Du hast da wirklich eine kleine Odyssee hinter dir – voller Pannen, Unsicherheiten, Warten, falscher Nummern,...
Kommentar Karin Oehl
Liebe Karin, man spürt in jeder Zeile, wie anstrengend und nervenaufreibend dieser Tag für euch gewesen ist. Du hast da wirklich eine kleine Odyssee hinter dir – voller Pannen, Unsicherheiten, Warten, falscher Nummern, hilfloser Momente und Entscheidungen, die man eigentlich niemandem wünscht. Und trotzdem hast du alles irgendwie geschafft, Schritt für Schritt, mit den Hunden, mit deinem Mann, mit all dem Gepäck und der Sorge im Nacken.
Besonders berührt hat mich, wie du trotz Stress und Erschöpfung die Menschen wahrnimmst, die euch geholfen haben – die jungen Polizisten, der geduldige Taxifahrer. Das zeigt, wie viel Herz du selbst in solchen Situationen behältst.
Ich wünsche dir sehr, dass sich die Autogeschichte bald klärt und ihr wieder ein Stück Sicherheit zurückbekommt. So ein Tag bleibt einem in den Knochen – aber du hast ihn gemeistert. Und das liest man deutlich.
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Joachim Laß
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