„Ein aufregender Tag aus Sicht von zwei Hunden“

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Nun, der Tag ging eigentlich normal los: Löserunde, Frühstück und dann Verdauungsschläfchen. Frauchen war etwas sehr agil und flott unterwegs, und sie packte Taschen mit Essen und Trinken für sich und Herrchen. Wir wurden nicht vergessen: faltbare Näpfe, unsere Trinkflasche mit Wasser, Kotbeutel, Haushaltsrolle – alles wurde in eine Hundetasche gepackt. Und dann ging es schon morgens mit dem Auto los.

Haben die es nicht gehört? Der Ton unseres Autos war etwas anders. Es nagelte so. Nicht schlimm, aber wir Hunde haben es eher wahrgenommen als unsere Leute. Und während der Fahrt ging die Öl‑Kontrollleuchte an. Herrchen war gerade in einem langen Stau auf einer viel befahrenen Umleitungsstrecke. Nix mit Umkehren. Aber er hat sich Sorgen gemacht, das haben wir aus seinem Ton gehört.

Irgendwo an einer Tankstelle kaufte Herrchen Öl fürs Auto, goss es nach – und dann? Nein, die Leuchte ging nicht aus. Was sollte das wohl geben?

Angekommen sind wir dort, wohin wir wollten, noch gut. Wir bekamen unser Trinkwasser. Während Frauchen mit einigen Leuten am Tisch einen Quatsch hielt, ist Herrchen mit uns spazieren gegangen. Wir konnten uns lösen. Später, es war sehr warm, ist Herrchen mit uns in den Raum gegangen, wo auch Frauchen war. Weit ab haben wir uns hingesetzt. Es war schön kühl, und Herrchen hat seine Zeitung gelesen und etwas gegessen. Wir bekamen unser Wasser.

Früher als erwartet war die Sitzung mit Frauchen beendet. Herrchen hatte im Auto an einem schönen Schattenplatz noch ein Nickerchen gemacht, und wir waren auf dem Heimweg.Herrchen war besorgt, denn obwohl er dem Auto Öl gegeben hatte, ging die Lampe nicht aus. Später merkte er, dass der Wagen nicht mehr so zog wie sonst.Und dann geschah es: noch ein komischer Ton, und das Auto rollte aus. Nichts ging mehr. Verdammt – wir waren doch erst auf halbem Wege auf der Autobahn.

Herrchen und Frauchen machten das Blinklicht an, zogen sich diese komischen bunten Westen an, und Herrchen kramte das Warndreieck raus. Frauchen telefonierte. Es war schrecklich laut um uns herum und es stank. Nein, das war kein Stopp in unserem Wald! Wir mussten im Käfig im Auto bleiben. Dann stiegen die beiden auch noch hinter die Leitplanke, und es kam die Polizei. Wir konnten sie vor Lärm nicht hören, und sehen konnten wir sie auch nicht wirklich.Tja, und wir konnten nicht mal mit denen allen reden. Es war so aufregend.Und dann kam ein ganz großes Lastauto. Unser Käfig wurde zugemacht und die Klappe im Auto auch. Wir haben gemerkt, dass wir hochgezogen wurden. Wir hatten Angst und haben nix mehr gesagt, nur gehechelt. Frauchen und Herrchen mussten hoch in das große Auto steigen, und dann ging es ab.

Herrje, was das nun wieder war!Irgendwann hielt das große Auto, nachdem es noch ein paar Mal hin und her geschaukelt war. Die Rampe wurde runtergemacht, und da stand unser Auto. Herrchen musste mit in ein Büro. Frauchen räumte das Auto aus. Wir waren so aufgeregt. Sie gab uns erst mal in unserem Näpfchen Wasser. Das war gut so. Dann gingen wir auf ein angrenzendes Feld, da konnten wir unsere Angstbächlein erst mal loswerden. Es roch alles so anders als auf unseren bekannten Spazierwegen, es sah so ganz anders aus.

Dann kam ein fremdes Auto, lud Frauchens Rollator und unsere Taschen ein, und wir mussten mit Frauchen hinten einsteigen. Unser Käfig und unser vertrautes Auto blieben zurück.

Im Auto war es warm. Ein fremder Mann mit ruhiger Stimme sprach mit Herrchen. Der stieg vorne ein, und dann ging es wieder kreuz und quer irgendwohin. Da sollte Herrchen ein Auto bekommen und mit uns nach Hause fahren. Pustekuchen! Der Laden war zu. Es war ja Samstagnachmittag. Unser Fahrer rief dort an, und wir hätten irgendwo im Nirgendwo ohne Schatten mehr als eine Stunde stehen und warten müssen.

Herrchen und Frauchen waren so fertig – und wir auch. Herrchen entschied, auch wenn es teuer wird, das Taxi sollte uns ganz nach Hause bringen.Zwar war es in dem Auto nicht so bequem wie in unserem Hundekäfig. Der dicke Timo hat es wieder geschafft, sich auf Frauchens Schoß zu setzen und damit einen Fensterplatz zu haben. Ich, der liebe kleine Spitzemann, lag im Fußraum – unbequem, sage ich euch. Dieses Auto roch auch nicht so wie unser Auto.

Irgendwann habe ich es auch noch geschafft, auf Frauchens Schoß zu kommen. Da lagen wir dann zu zweit und haben aus dem Fenster geschaut.Der Fahrer fuhr ruhig, und irgendwann waren wir zuhause. Puh, das war was! Zuhause bekamen wir erst mal unser Futter, und dann sind wir schlafen gegangen. Wir haben noch im Traum gezuckt und von dem Abenteuer geträumt.

Nee, das brauchen wir alten Hunde nicht noch mal – und ich glaube, unsere Leute auch nicht. Wer weiß, ob und wie und wo wir unser Auto wiedersehen und ob wir noch einmal damit fahren können in unseren geliebten Wald. Herrchen wird viel Geld bezahlen müssen und nun viele Wege ohne Auto besorgen müssen. Sicher dürfen wir dorthin nicht mit.

Vielleicht bekommt er noch ein wenig Geld zurück, was er dem Fahrer geben musste. Und ob wir für eine Weile einen geliehenen Wagen bekommen? Herrchens Gesicht hat sich fast in Dackelfalten gelegt. Das von Frauchen sah auch zerknittert aus.

Menschsein kann so anstrengend sein – und Hundsein auch!

© Karin Oehl

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