Die letzten Gedanken

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Was für ein Wetter, nass und kalt,
Im grau des Himmels schwinden Bäume…
Der Morgen kommt nicht allzu bald,
Der Donner wie Kanonen hallt,
Ich hoffe nur, dass ich nicht träume.

Das Trommelfeuer auf dem Dach;
Der Regen scheint hinein zu wollen,
Um die zu holen, die sind wach,
Verrückt zu machen, nach und nach,
Um die zu finden, die verschollen.

Im Schrein’ des Windes schwinden wir,
Und ich, versunken in Gedanken…
Es wird vergehn’, nie wieder hier,
Nur jetzt und niemals mehr mit dir;
Die Zeit uns zieht mit ihren Ranken.

Ich wünschte nur, ich hätte Zeit,
Doch sie drängt uns fortwährend weiter,
Die Gegenwart ist nun so weit
In der Vergangenheit, bereit
Zur Zukunft, stürmend wie ein Reiter

Uns bringt zurück in unsre Welt,
Die Welt voll Schmerz, Verfall und Tod,
Die dich in ihren Klauen hält,
Dein Lebenssinn in Frage stellt,
Dir nimmt dein ein und letztes Brot.

Die Welt voll Lügen und Verrat,
Intrigen, Schweigen, Hohn und Streit,
Die setzt der Zweifel stille Saat
Und hinterlässt nur eine Naht;
Die Narbe der Verschwiegenheit.

Die Welt von menschlicher Gestalt,
Von der Natur der unsren gleichend
In Form und Art und der Gewalt,
Die prägt uns jetzt und tötet bald;
Zum Leben völlig unzureichend.

Das Leben… Was ist denn sein Sinn?
Und was heißt es denn wirklich zu leben?
Lebt man nur um zu machen Gewinn,
Oder einfach dem Tod zu entrinn’?
Sicherlich nicht allein um zu streben

Nach dem Etwas, das wir niemals sehn’,
Das wir wollen, begehren und suchen.
Doch das eine wir müssen gestehn’;
Dass wir leben allein um zu gehen’
Aus dem Leben, das wir so verfluchen.

Denn der Tod uns verschlingt irgendwann,
Alle Wege uns führen zum einen
Und dem einzigen ewigen Bann,
Den kein Mensch jemals bändigen kann;
Tod ist allgegenwärtig derweilen.

Ein erfrischender Wind in der Wüste,
Kaltes Wasser im Flammenden Sand.
Wer sein Leben sich nahm, niemals büßte,
Weil es ihn von der Liebe erlöste,
Von dem blutroten, dornigen Band,

Das uns hält, auch wenn wir es nicht wollen,
Uns verbindet, zu trotz unsrer Wehr,
In dem Staub unsrer Seele verschollen
Und der Herzschlag; ein donnerndes Grollen,
In den Rippen ein blutiger Speer,

Denn wie Märtyrer leiden wir selber
Für ein Etwas, das uns niemals glich.
Für die Liebe wir sterben wie Kälber;
Wie das Schicksal ist sie unerklärbar.
Den’, die brauchen sie, sie entwich,

Und die andren’, die wollten sie meiden,
Fielen wehleidig vor ihr zu Knie.
Oh, wie könnte man sie bloß beneiden,
Oh, welch’ Qualen sie mussten erleiden,
Es war Liebe, die tötete sie.

Aber Selbstmord… Was soll es bewegen?
Soll es anderen zeigen das Leid?
Denn wenn ja, wird sich niemand mehr regen
Wenn man tot ist, und hilft es deswegen
Nicht zu sterben; es führt nicht sehr weit.

Wenn man tot ist verändern sich viele;
Nicht für dich, denn dann ist man ja tot,
Und deswegen bleibt einzig der Wille
Nicht zu schweigen, zu brechen die Stille,
Zu verhindern im Leben die Not,

Die dich zwingt in die Knie, zum sterben,
Doch steh auf und erhebe dein Haupt,
Lass dich nicht zur Verzweiflung werben,
Lass die Stärke in die nicht verderben…
Nicht zu handeln die Lebenslust raubt.

Doch sie bleibt trotzdem fortan bestehen,
Schiere Lust; das Begehren vom Leib,
Dass wir nicht zu Beziehungen gehen,
Dass wir Frauen als Lustobjekt sehen;
Nicht als Frau, sondern eher als Weib.

Doch die Lust ist ein Irrweg der Seele,
Voller Steine, uneben und rau.
Gehst du ihn, spürst du bald an der kehle
Ein Gefühlt, als wenn jemand dich quäle
Wenn du schaust hinterher einer Frau.

Und die Frauen dann ihrerseits wissen
Wie man Männern die Herzen umwirbt.
Ach wie lieben wir dies zu genießen,
Auch wenn Tränen und Blut dadurch fließen,
Weil der Zweifel an Liebesglück stirbt.

Doch was würden wir tun ohne Frauen?
Unsre Hälften; viel besser als wir.
Fehlten sie, denk ich dann voller Grauen,
Könnten wir dann ein Leben erbauen?
Wir allein, niemals jetzt, nirgends hier.

Doch auch wir sind nicht ganz ohne Nutzen,
Denn ein jeder ist irgendwas wert.
Sollten wir unser Ego zwar stutzen,
Aber uns sollte man nicht benutzen
Ehe man unsren Zorn gen sich fährt.

Doch was uns unterscheidet, ist wahrlich ein Wert;
Männerfreundschaft geht über Jahre.
Wer dafür allem andren den Rücken zukehrt,
Gegen Spott und Verrat von den anderen währt,
Den die Freundschaft auf Ewig bewahre.

Denn sie ist wie ein Engel, sie wacht über uns,
Sie beschützt uns vor scheinwahren Leuten.
Und zu wahren die Freundschaft ist eine Kunst,
Sie zu leben für sich, für die geistige Gunst,
Sie zu schätzen, sie nicht auszubeuten.

Wahre Freundschaft ist selten, vor allem zur Zeit;
Wer die „Freunde“ nicht mag, sucht sich neue…
Hat man jedoch Probleme, sind sie nicht bereit
Dir zu helfen. Dazu ist die Freundschaft nicht weit;
Heute fehlt es der Freundschaft an Treue.

Auch was Treue angeht, ist sie selten wie nie,
Scheint veraltet, von vielen vergessen.
In Beziehungen oft wird vernachlässigt sie,
Wenn von Lügen umgeben nach Freiheit sie schrie,
Doch wir warten von Hochmut besessen.

Und wenn einer sie bricht, ohne Rücksicht und Reu’,
Ohne Fragen und ohne Bedenken,
Sie sich wandelt aus Blüten zu nutzlosem Heu,
Trennt das wertvolle Weizen von wertlosem Spreu,
Lässt dich nicht deine Stimmungen lenken,

Führt zu Eifersucht, Hass, Suizid oder Mord,
Dich verdirbt und zerreißt deine Seele.
Wenn die Eifersucht lebt, hilft kein segnendes Wort,
Du bist körperlich da, aber seelisch bist fort,
Und erneut dieser Griff an der Kehle.

Denn wer Eifersucht folgt, wird verliern’ den Verstand,
Wird benebelt von rauschenden Qualen.
Weil die Eifersucht ist mit „nicht mögen“ verwandt,
Ist sie auch unter Namen wie „Hass“ uns bekannt,
Über den wir noch niemals befahlen.

Er befahl über uns, Hand in Hand mit der Wut,
Kontrollierte uns, machte besessen,
Überstieg unser Denken und gleich einer Flut
Drang zum wallen das schäumende, kochende Blut,
Das uns hat unsre Herzen zerfressen.

Nun ist Hass keinen Groschen mehr wert,
Viel zu oft wir begegnen ihm nun.
Es gibt fast kein Gefühl, das auf Dauer währt
So wie Hass, der uns Grausamkeit lehrt,
Wo auch immer wir sind, was wir tun…

In der Tat, kann ich euch noch sehr vieles erzählen,
Über Sehnsucht und Hoffnung und Trauer…
Es sind alles Gefühle, man kann sie nicht wählen,
Ohne sie unsrem Leben der Sinn würde fehlen,
Und die Lebenslust schwindet auf Dauer,

Denn Gefühle sind Leben, so schmerzhaft sie sind,
So verletzend sie und auch erfüllen…
Wer nicht leiden gelernt hat, doch glaubte blind,
Dass sein leben verfiel wie die Asche im Wind,
Wird das wahre Glück niemals enthüllen.

Sie bereiten uns Schmerzen, sie lehren uns Leid
Und sie lehren uns auch zu begreifen,
Was wir haben zu schätzen, zu danken bereit
Für die erste bedenkliche Kleinigkeit,
Lehren uns für die Zukunft zu reifen.

Flüchtet niemals vor ihnen; sie holen euch ein,
Gebt euch hin; ohne sie ist es schlimmer.
Ohne Leid keine Freude, so wird’s immer sein,
Doch dafür ist die Freude so unendlich rein,
Wie der kaum wahrzunehmende Schimmer

In den Sternen, den spiegelt der Regen in sich,
Voller Trauer, mir schauen entgegen…
Es ist kalt. Und der Regen, versammelt um mich
Nimmt mich mit, wie er einst mir auch raubte dich,
Führt mich zu dir, auf heiligen Wegen.

Einst hast du mich gelehrt, was das Leben bewegt,
Kurz darauf bist du von mir gegangen.
Ich ging weiter, von deiner Vernunft angeregt,
Doch nun habe auch ich mich zur Ruhe gelegt,
Und wie Tränen der Tau auf den Wangen…

Es ist kalt. Selbst im Tod sind Gefühle präsent,
Doch dies eine ist schön, ohne Frage.
Dieser Schmerz, als der Tod hat uns beide getrennt,
Doch nun sehen wir uns; welch ein freudiges End’,
Nun liegt wieder gerade die Waage.

Es ist kalt. Und der Donner zum Abschied mir singt,
Und der Regen, wie tausend Tränen,
Jeder Baum mir zum Abschied mit Trauer winkt
Und der Wind mir ein letztes Mal Gänsehaut bringt,
Als würd’ er sich zu meinem Grab lehnen…

Es ist kalt… Und die Stille scheint mich zu umhüllen,
„Es ist kalt“, war mein letzter Gedanke…
Ich verlasse die Welt von unendlich Gefühlen,
Wohin Tod ist die einzige Schranke.

amanfang 2 270

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