Herbstliches

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Herbstliches Karin Oehl

Die Sommertage sind für dieses Jahr unwiderruflich vorbei.Noch blühen im Garten einige Rosen – sie geben nicht auf.Der Gärtner hat die große Hecke und die riesige Rose geschnitten. Kleine Arbeiten haben wir nach und nach selbst übernommen.Im Garten zu werkeln ist so entspannend. Aber wenn Rücken und Knie schmerzen, sind Pausen angesagt.Das Laub fällt, Pilze wachsen – nicht alle sind essbar, aber wunderschön.Für mich als Rollatorfahrerin ist es im Wald mühsam und rumpelig geworden, denn großzügig verteilen die Bäume ihre Früchte: Bucheckern, Eicheln. Das Laub fällt, leise gehen ist nicht mehr möglich; es raschelt unter den Füßen und unter den Rädern. Hier und da liegt ein dicker Ast, vom Wind heruntergeweht.Wie unendlich großzügig doch die Natur mit ihrer Nachkommenschaft ist.Deutlich kürzer sind die Tage geworden, und vor allem: es ist kühl geworden.Ja, in den Häusern ist die Heizung angesprungen – und das ist auch nötig.Ich musste schon wieder zu leichten Handschuhen und einem Ohrenschutz greifen, denn der Wind ist tageweise heftig geworden.In meinem Heimatort ist jetzt die große Kirmes angesagt.Als Kinder gingen wir über den Platz, sobald die ersten Wagen ankamen. Wir rätselten, welches Karussell, welche Bude wohl aufgebaut würde. Auf den Pfützen lag oft schon das erste Eis – es wurde Zeit für die Winterkleidung.Nun ist es hier so viel milder, als ich diesen Monat aus meiner Kinderzeit kenne.Schon als Kind mochte ich den Wind am Kopf nicht.Dickere Jacken sind aus dem Schrank geholt und auch angezogen worden.

Irgendwo muss ich langsam auch die Hundemäntel wieder hervorholen. Unser alter Pinscher, der so gar keine Unterwolle hat, wird sein Mäntelchen bald brauchen.In den Häusern findet man jetzt häufig herbstliche Dekorationen.Es macht mir so viel Spaß, meine Fundstücke aus dem Wald schön zu drapieren.Unsere Pflanzen sind in die Wohnung geholt worden – die Kakteen, die sich im Sommer draußen so wohlgefühlt und so herrlich geblüht haben.


Heute wird der Herr des Hauses sein Zelt aufbauen für die Pflanzen, die zwar draußen bleiben können, aber vor Frost geschützt werden müssen.Hänsel und sein Weibchen, die Eichhörnchen, sind schon wieder in Hausnähe und erwarten täglich ihre Nüsse. Es ist zu possierlich, ihnen zuzuschauen. Viele Nüsse werden verbuddelt, und so manchen Nussbaum musste ich auch in diesem Jahr wieder aus den Blumentrögen entfernen.Einige Tage kam das Bussardweibchen zum Fressen, aber derzeit hat sie wohl andere Futterquellen – sie lässt sich im Moment nicht sehen.Das Mittagessen sieht im Herbst auch anders aus als im Hochsommer, wo leichte Kost und viele Salate auf den Tisch kamen.Der erste Grünkohl ist gekauft und wird in der nächsten Woche verarbeitet, aber auch ein Kürbis wartet auf seine Verwendung.Nein, dieses gruselige Fest, das in Kürze gefeiert wird, machen wir nicht mit.

Sind wir sonst um diese Zeit nach Westfalen gefahren und haben uns mit heimatlichen Spezialitäten eingedeckt, die es nur dort und nur im Winter gibt, dann haben wir sie diesmal online bestellt. Die weite Fahrt mag sich mein Mann nicht mehr zumuten.Und es fällt mir etwas auf: Die Todesanzeigen in der Tageszeitung nehmen zu. Unsere Altersklasse ist übermäßig vertreten.In wenigen Tagen ist Allerheiligen, und da wird der Verstorbenen gedacht – wie am nächsten Tag Allerseelen.Bald ist Volkstrauertag und dann Totensonntag, und ehe man es sich versieht, ist Advent, die Zeit der Erwartung.Das heißt auch, dass es Zeit wird, sich Gedanken um die Weihnachtswünsche unserer Enkel zu machen.Und es beginnt wieder die Zeit der Kerzen.Was gibt es Schöneres, als den Tag bei Kerzenschein, einem guten Gespräch und einem guten Glas Wein ausklingen zu lassen?

Zu den Gräbern unserer Angehörigen kommen wir nicht mehr hin, aber wir haben daran gedacht und den Friedhofsgärtner gebeten, ein Gesteck auf die Gräber zu legen.Friedhöfe – Stätten der Erinnerung und ein Kulturgut.Es soll ja kein Taj Mahal sein, aber gepflegt und ordentlich.Eine Stätte, die nicht die Gefühle anderer Trauernder verletzt.An diesem Wochenende wird wieder die Zeit umgestellt.So ein kompletter Blödsinn.Mehr als 80 % aller Bürger wollen es nicht, aber so flott die Politiker damals damit zu Potte kamen, als diese Sache eingeführt wurde, so schwer tun sie sich, dem Willen der Menschen zu entsprechen und diesen Unsinn wieder abzuschaffen – und sich auf die mitteleuropäische Zeit zu einigen.Ach, die Armen haben ja auch so viele andere Sorgen!Dass Menschen und Tiere unter dieser Zeitumstellung leiden, ist den Herrschaften wohl egal.Mir graut davor, noch früher mit dem alten Hund raus zu müssen – und das womöglich bei Kälte und Nässe. Brrrrrrr!

Gern teile ich meine Gedanken mit Euch./ © Karin Oehl




 

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