Zwei Seelen, leicht von der Dunkelheit berührt,
sie schauen nicht zurück und nicht voraus.
Der Leib wird müde, doch das Herz berührt
den Punkt, an dem aus Schmerz ein Leuchten wächst.
Wie jene Anna, die einst ohne Fragen
dem Himmel nahte, still und ungezwungen —
so gehen auch sie durch ihre Schattentage
und tragen Trost in eine müde Welt.
Ihr Schritt ist leise, schwer geworden ihr Atem,
doch wiegt ihr Lachen tausend Sorgen auf.
Sie sehen unser Bangen, unser Weinen —
und halten still den Lauf des Schicksals aus.
„Schau her“, so flüstern sie, „der Morgen taut.
Die Nacht bewahrt noch ihren letzten Glanz.
Wer nur dem Morgen seine Hoffnung leiht,
verpasst den Augenblick — den leisen Tanz.“
Sie pflücken Blumen selbst im Sturm der Zeiten,
wo andre hastig durch das Leben ziehen.
Sie lehren uns, dass Angst nicht mit uns schreiten muss —
wenn wir den Augenblick noch blühen sehn.
Denn jene Tiefe, die uns ganz durchdringt,
wenn Kraft sich löst und langsam von uns geht,
ist wie ein stummes Lied, das weiterklingt —
und selbst im Schmerz noch leisen Frieden sät.
An alle Herzen, die im Dunkel fragen,
bedrückt von einem Los, das sie umfängt:
Ihr müsst die Angst nicht wie ein Eisen tragen —
der Mut ist es, der selbst das Eis zersprengt.
Erst später, wenn die Stille einkehrt,
begreift man, was sie einem hinterlassen:
nicht Trauer — sondern das Erstaunen,
dass Liebe größer ist als das Vergessen.
Und wenn die beiden Mädchen einst entgleiten,
wie Atem, den der Abendwind verweht —
wird keine Klage an ihr Grab sich legen,
weil das, was sie uns gaben,
in uns weiterlebt.
Ein helles Leuchten wird im Raume stehen,
ein feines Netz aus Licht, das uns umfängt.
Wer ihnen einmal wirklich durfte begegnen,
trägt fort, was ihre stille Liebe schenkt.
Und wenn die Zeit auch ihre Spuren zieht
und manches Bild im Dämmerlicht versinkt —
bleibt doch in uns, was niemals von uns flieht:
ein Licht, das selbst durch dunkle Jahre klingt.
Wer sie erlebte, wird für immer wissen:
Es gibt ein Leuchten, das kein Ende kennt.
Man kann ein Leben aus den Händen geben —
doch keine Liebe, die der Tod trennt.
Die Liebe bleibt.
Sie braucht die Dauer nicht.
Über dieses Gedicht
Als ich achtzehn Jahre alt war, lernte ich zwei Mädchen kennen, die an Krebs erkrankt waren.Was mich bis heute nicht losgelassen hat: Sie haben mir Wärme gegeben — nicht ich ihnen.Trotz ihrer schweren Krankheit haben sie so viel Liebe und Licht ausgestrahlt,dass ich als gesunder junger Mann beschämt und gleichzeitig bereichert zurückblieb.Anna — die im Gedicht erwähnt wird — ist die Figur aus dem Buch „Hallo Mr. Gott, hier spricht Anna“ von Fynn. Ein kleines Mädchen das Gott begegnete ohne Angst, ohne Fragen — einfach offen.Genau wie die beiden Mädchen die ich damals kennenlernen durfte.Diese Begegnung hat sich bis heute in mein Gedächtnis eingebrannt.Ihre Liebe zu den Menschen — trotz schwerster Krankheit —ist das Beeindruckendste was ich je erlebt habe.Dieses Gedicht und dieser Song sind für sie. ❤️
Joachim Laß | Abenteuer-Literatur
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