Einmal Igel.. immer Igel

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Igel – sie begleiten mich durch mein ganzes Leben. Fünfzig Jahre führte ich eine stark frequentierte Hilfsstation für verletzte, kranke Igel und verwaiste Igelsäuglinge.Aus Alters- und Gesundheitsgründen musste ich die Station leider aufgeben.Aber Igel – es sind so faszinierende Tiere.

Die Arbeit am meist durch menschliche Einwirkung leidenden Individuum ist leider nur ein Teil der Arbeit, die Igelschützer leisten müssen. Es muss aufgeklärt werden über Lebensart, Lebensraum, Gefahren, Nahrung, Verhalten und vieles mehr.So ein kleines Tier – und so viel gibt es darüber zu lernen. Es ist nicht nur der süße Stachler, der Sympathieträger, nach dem Schulklassen und Kindergartengruppen benannt werden.

Genau zu helfen und zu lehren, das habe ich viele Jahre getan. Danach habe ich noch viele Leute, die sich ebenfalls für Igel interessierten, auf die Sachkundeprüfung vor dem Veterinäramt vorbereitet.Ich gehöre einem bundesweit arbeitenden Verein für Igelschutz an.Aber irgendwann wurden die körperlichen Signale zu stark – ich musste aufhören. Dennoch gehören mein Interesse und meine Zuneigung noch immer diesen stacheligen, nicht immer freundlichen Tieren, die so gar keine Kuscheltiere sind.

Während eines heißen Sommertages waren wir mit den Hunden im Wald. Gerade kamen wir vom Waldparkplatz herunter; es liefen viele Leute mit Hunden und Kindern, und Radfahrer waren unterwegs. Und was sehe ich? Ein kleiner Igel am helllichten Tag läuft auf dem Weg. Ehe es viele Leute überhaupt bemerkt hatten, nahm ich ihn auf. Am helllichten Tag, in der Trockenheit, ein Igelkind von etwas über 100 g – das war ein deutliches Signal. Dieses Tier brauchte Hilfe, und zwar sofort.

Wir fuhren direkt zu meiner Freundin, die von mir gelernt hat und viele Dinge aus meiner Station übernommen hat. Sie machte die Erstversorgung.Erst einmal gab sie dem kleinen Igeljungen mit einer Pipette Wasser, das er schnell und gut aufnahm.Fürs Futter interessierte er sich nicht. Er bekam ein probates Stärkungsmittel in der Pipette – das schlabberte er genussvoll.

Am Abend saß er bei mir im Käfig und interessierte sich für einen in Wasser ohne Salz gekochten Hähnchenflügel. Na prima, wenigstens etwas!Wir fuhren noch einmal mit Plastikschalen und einem Kanister Wasser in den Wald. Dort hatten sicher noch viele Tiere Durst: Vögel, Insekten, bodenlebende Tiere wie Igel, Mäuse, Eichhörnchen. Viel Wasser kann ich nicht tragen, aber mein Rollator macht den Transport möglich. Ein wenig kann ich die Not einiger Tiere so lindern. Andere Leute tun es auch.

In den nächsten Tagen hatte ich viele Sorgen um den kleinen Kerl. Zusätzlich kam noch ein ebenso kleines Igelmädchen durch eine Bekannte zu mir.Alles ging gut.Als die Igelkinder ein propperes Gewicht hatten, kamen sie in getrennte Auswilderungsgehege. Ihr trockenes Schlafhaus bekamen sie mit. Und sie haben sich benommen, wie es sich für Igel gehört: Sie haben gegraben und sicher schon Würmchen und andere Insekten gefunden.

Nun haben wir sie ausgewildert – mit Schlafhaus, natürlich jeder für sich. Dort gibt es keinen Verkehr, wohl aber am Tag Hunde. Aber Igel sind ja dämmerungs- und nachtaktiv, und wenn Hunde normal sozialisiert und gut geführt sind, sollten sie dort, wo wir die Igel ausgewildert haben, nicht aufstöbern.

Dort wurden auch Obstbäume gepflanzt, wie auf einer Streuobstwiese. Am Fallobst sind sicher viele Maden und Insekten zu finden für die noch unerfahrenen Igelkinder. Die Grundstücksbesitzerin füttert die Igelkinder abends zusätzlich.Die Dame, die mir das Igelmädchen brachte, hat dort ein Grundstück für ihre Pferde – herrlich wild und naturbelassen, abseits von großen Straßen.Gespritzt wird dort nicht. Es sind so viele Unterschlüpfe vorhanden. Wenn die kleinen stacheligen Gesellen sich nicht zu dusselig anstellen, können sie dort gut und relativ sicher leben.

© Karin Oehl

 

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