Wünsche..Wünsche...Wünsche

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So mancher schwimmt im Überfluss,
hat Haus und Hof und Geld,
und ist doch immer voll Verdruss
und freut sich nicht der Welt.
Je mehr er hat, je mehr er will,
nie schweigen seine Klagen still

Eine Strophe aus dem Lied
Was frag ich vielnach Geld und Gut, wenn ich zufrieden bin.

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Wünsche...Wünsche...Wünsche

Da war er wieder, der Satz: „Wohin wollen wir fahren?“Die Antwort: „Ach Schatz, fahr los. Es ist nicht mehr so früh am Tag, die Hunde müssen laufen! Das Wetter ist nicht ideal usw.“Wir fahren in den Wald, den wir so gut kennen. Alle Büsche und Bäume sagen uns persönlich guten Tag. Es ist alles gut. Da reifen noch Schlehen oder Wildkirschen. Wir ernten, was uns die Natur kostenlos schenkt. Wir machen etwas daraus – für lange Winterabende bei Kerzenschein.Irgendwann in einer ruhigen Stunde wird das Gespräch vom Mittag vor der nachmittäglichen Hunderunde wieder aufgegriffen.Natürlich habe ich Wünsche über Wünsche und Ideen, wohin ich mal fahren, welche Gegenden ich so gerne wieder sehen würde.Da sind Kloster Maria Laach und der Laacher See, den ich heute sicher mit anderen Augen und Gefühlen sehen würde. Das Ahrtal, was nach der Katastrophe wieder geworden ist. Das Weserbergland, das wir so gerne durchwandert haben im Urlaub, die Heimat meines Vaters. Die Kanutouren auf Werra und Weser, die alte Stadt Hannoversch Münden, der Weserstein, Reinhardswald, Habichtswald, die vielen historischen Stätten, auch Kloster Corvey. Die Weser entlang mit der Münchhausen-Route, die Feuersalamander, die eierlegende Weinbergschnecke, die Blindschleichen, die Hirschkäfer, die wir fanden.Pflanzen und Blumen, die es nicht überall gab und gibt. Ob es sie dort noch gibt, z. B. wilde Orchideen? (Sie sind im Ortswappen des Dorfes Lippoldshausen verewigt.)

Mein Vater wie meine Mutter haben uns Kindern so viel gezeigt, was wir wieder weitergeben konnten.
Die Spaziergänge in Baden-Württemberg mit der Familie des Schwagers. Die Schwägerin ruht für immer, schon drei Jahre, auf „Küsters Kamp“.Der Schwager ist alt geworden, und genau wie bei uns haben die Kinder ihre eigenen Familien, ihr eigenes Leben, ihre Partner, ihre eigenen Interessen.Ideen gehen mir nicht aus. Da ist das Münsterland, wo ich groß geworden bin: die Wälder, Blaubeeren, Pilze sammeln, wilden Knoblauch entdecken, auf der Ems paddeln, die Fossilien, die wir suchten – übrigens auch später bei Eichstätt an der Altmühl, wo in einem Fossilienmuseum der Urvogel ausgestellt ist. Dort fand ich viele Fossilien, bestimmte sie und konnte viele mitnehmen.

An der Ems auf Paddeltouren in einer Dackelgarage (kleines Zelt) schlafen, von grasenden Kühen geweckt werden, mal kurz duschen auf Campingplätzen nahe am Fluss, angeln und Fische zubereiten, die Tierwelt beobachten. Wo wir im Emsland ein Wochenendhaus hatten, von dort aus so viel Schönes erfahren und erlaufen haben, die alten Mühlen am Mühlentag (2. Pfingsttag). Nein, das Ferienhaus ist abgehakt. Es hat sich so viel verändert, nicht zum Besten. Das wiederzusehen tut eher weh.

Aber es gibt Orte, die sich nicht verändert haben, an deren Geruch und Bild und Natur ich mich zu gerne erinnere. Bäche, an denen ich als Kind gespielt habe mit meinen Cousins, an die Rindenboote, die Großvater uns schnitzte, an die kleinen Katzen, die es gab und die ich mit Babywäsche bekleidete und im Kinderwagen fuhr – und so viel mehr. Die alten Städte mit ihren Geschichten und Gesichtern. Auch in der Schweiz die Wanderungen mit unserer Tochter, die Kristalle, die ich fand, die Blumen- und Pflanzenwelt – alles hat mich so fasziniert.

Im Laufe der vielen Lebensjahre konnten wir so viele Erlebnisse und Eindrücke sammeln, von denen wir jetzt zehren. Bewusst blende ich die Erlebnisse aus, die belastend und unschön waren und sind. Sie sind Fakt, gehören dazu.Es kommt wohl niemand im Leben davon, der in dem Füllhorn seiner Lebenszeit nur Naschwerk gefunden hat, sondern auch Belastendes.

Und jetzt, wo das Lebensmaßband immer kürzer wird, die Einschränkungen spürbar sind, ist es ein Schatz, auf so viele tolle Erlebnisse zurückblicken zu dürfen. Teils hat man sie als Kind erfahren, später mit dem Partner, den eigenen Kindern. Es ist eine Gnade, dass der Geist noch klar ist. Sich erinnern zu können ist ein unglaublicher Schatz.

Es mussten nie die Flüge in ferne Länder sein, müssten es auch heute nicht sein. Und da ist dann die Realität: das Alter mit seinen Einschränkungen von Kraft, von Reaktionsfähigkeit, die immens angestiegenen Spritpreise. Lange Märsche, Wanderungen sind nicht mehr möglich. Die kürzer gewordenen Gehstrecken erfordern schon immer wieder Sitzpausen.Die Herzen sind nicht mehr so leistungsfähig. Aber was nützt alles Jammern und Klagen? Es ist ein vorgezeichneter Weg, und ich stehe dazu.

Auch wenn es keine Fernreisen waren – auch unser Land ist schön. Wir können aus dem Paradies unserer Erinnerungen nicht vertrieben werden.
Wenn es sich ergibt – gut! Dann sehen wir diverse Orte noch einmal wieder. Wenn nicht, zehren wir von den Pfunden unserer Erinnerungen und bescheiden uns damit.

© Karin Oehl

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