So viel Nacht

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Spuren der Nacht

 So viel Nacht,
in der man im Schatten trockener Felder flüstert,
in der das Tor zur Nacht
nur ein dunkler Spalt ist,
in der unzähmbare Gedanken
Fragen werfen,
die keine Antwort bindet —
Fragen zum Zustand
des Lebens.

 

Fragte man mich, was schön sei
im Universum,
ich sagte ohne Zögern: die Jugend —
ein Feuer, das noch nicht weiß,
dass es einmal Asche wird.
Ich fühlte, wie es brannte,
spürte seine Kraft
tief in der Brust.

 

Fragte man mich, was das Licht sei
im Universum,
ich sagte: dieses Licht
ist die Jugend.

 

Fragte man mich, was die Angst sei,
ich sagte: ein Kind,
das nie aufhörte, in mir zu wohnen.
Sie kapselt das Leben ab,
stiehlt den Lungen den Atem,
löscht den Körper,
löst die Seele.
Sie nährt sich von Enttäuschung,
von zerschmetterter Liebe,
brennt im Blut
und verteilt ihre Asche im Herzen —
dieselbe Asche, die einst Jugend war.
Die Angst gehorcht nur sich selbst.

Und doch: wer durch sie hindurchging,
kehrt heim
zu dem, der er immer war.

 

Fragte man mich, was die Liebe sei,
ich sagte: ein kosmisches Gesetz.
Und trotzdem —

im Namen der Liebe
verschenken wir das Herz.
Ich verblute.

Im Namen der Liebe
rauben wir uns den Atem.
Ich ersticke.

Im Namen der Liebe
schreiben wir einen fremden Namen
über den eigenen.

In Zeiten der Liebe
sind die Augen geschlossen.
Sie öffnen sich erst mit dem Hass —
und lassen sich nicht mehr schließen.
Sie sehen, was die Liebe
nie sehen wollte.

 

Lasst uns leben.
Wir sprechen die falschen Wörter,
tanzen im falschen Takt,
setzen die falschen Gesten —

und selbst das Falsche
trägt uns weiter,
Schritt für Schritt,
näher an das Richtige,
das wir nicht kennen,
aber ahnen,
so wie man ein Licht ahnt,
lange bevor man es sieht.

© J.Laß

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 Über den Text

Dieses Gedicht ist eine Reise durch das, was uns alle im Innersten bewegt — geschrieben in einer jener Nächte, in denen die Gedanken keine Ruhe geben und die großen Fragen des Lebens plötzlich sehr laut werden.Der Text stellt drei Fragen — nach der Jugend, nach der Angst und nach der Liebe. Und er antwortet ehrlich. Ohne Beschönigung.Die Jugend erscheint als leuchtendes Feuer — schön, kraftvoll, und doch unwissend darüber, dass es einmal Asche wird. Wir alle kennen dieses Gefühl: den Moment, in dem wir begreifen, dass das Strahlen des Anfangs nicht ewig währt.

Die Angst wird als ein Kind beschrieben, das nie aufgehört hat, in uns zu wohnen. Sie stiehlt den Atem, löscht die Kraft — und nährt sich ausgerechnet von dem, was uns am meisten schmerzte: zerbrochene Träume, verlorene Liebe. Und doch — wer durch sie hindurchgeht, findet sich selbst wieder.

Die Liebe schließlich ist kein Märchen. Sie verblutet, erstickt, überschreibt den eigenen Namen mit einem fremden. Erst wenn sie geht, öffnen sich die Augen — und sehen, was sie nie sehen wollten.

Und trotzdem endet das Gedicht nicht in der Dunkelheit. Es endet mit einer leisen, fast zarten Hoffnung: Auch wenn wir die falschen Worte sprechen und im falschen Takt tanzen — wir werden trotzdem getragen. Schritt für Schritt näher an das Richtige, das wir noch nicht kennen, aber bereits ahnen.Wie ein Licht, das man spürt, lange bevor man es sieht.Viel Spaß mit dem Text, den es auch als Song gibt direkt auf meiner Seite oder auf YouTube.

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