Ein Sommer, der zu früh alt wird

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Wir gehen, gehen gemeinsam und mal mit Unterhaltung, mal ohne, unsere Wege durch den Wald. Dort ist es schattig und auch bei Hitze noch erträglich. Jeder hängt seinen Gedanken nach und schaut sich um. Eine Zeit großer Hitze liegt hinter uns, viel früher als sonst im Jahr. Kommt noch etwas? Wir haben erst Juli.Der Boden im Wald ist bedeckt mit braunem Laub, als wäre es Herbst. Aber dazwischen finden sich grüne Blätter, völlig trocken. Hebt man sie auf, zerbröseln sie wie die braunen Blätter auch. Nach windigen Tagen mit Gewitter liegen viele Äste mit Laub am Boden. Aus anderen Regionen hört und liest man von starken Gewittern, Hagel, Überschwemmungen. Hier kam kaum mal ein Tropfen Regen herunter. Der Garten, die Blumen mussten gewässert werden.Der Mais auf den Feldern rollt seine Blätter zusammen, um die Verdunstung zu minimieren, und die Maiskolben sind für diese Jahreszeit viel zu klein. Weizen, Roggen und Hafer sind längst von den Feldern abgeerntet. Die großen Erntemaschinen sind wieder verschwunden, die laut waren und viel Staub aufgewirbelt haben. Auch der Raps wird derzeit geerntet. Die Zuckerrüben sind bisher sehr klein. Sie brauchen Wasser, um noch etwas zu werden.

Ehe man es sich versieht, sieht man Stoppelfelder. Bauern fahren mit dem Grubber über die staubigen Felder und ziehen eine dicke Staubwolke hinter sich her. Das Laub ist müde geworden, mattgrün. Springkraut verdurstet, sogar das große Springkraut. Eicheln und Bucheckern fallen unreif von den Bäumen, die Früchte des Ahorns fallen in dekorativen Büscheln von den Zweigen. Ich nehme etwas mit als Dekoration – Trockengestecke erfreuen noch im Herbst lange.

Brombeeren wollen reifen, aber sie bleiben klein. Himbeeren gab es fast nicht in der Natur. Sicher, sie waren lecker, aber winzig. Alles viel zu früh. Die Hundstage liegen noch vor uns – erfahrungsgemäß kommen sie im August. Sollte sich das Klima so extrem verschoben haben?

Das Gras ist verblüht und verdorrte in der Hitze schnell. Die Bauern haben bei Trockenheit Heu gemacht und es auch trocken von den Wiesen bekommen. So haben sie Viehfutter für die nachfolgenden Jahreszeiten. Noch kann das Vieh ja auf den Weiden stehen und Futter finden, also muss weniger beigefüttert werden.

Vögel und andere Tiere finden kaum irgendwo Trinkwasser. Bei der Ernte werden wohl Mäuse hochgejagt – ein Fest für die Mäusejäger der Lüfte. Es ist Mauserzeit. Überall findet man Federn, auch interessante Federn von Greifen, Spechten, Ringeltauben, Elstern und vielen anderen Vögeln. Interessante Federn nehme ich zur Bestimmung mit. Offensichtlich sind die Vogelküken auch schon wieder groß und selbstständig.

Schnecken sieht man bei der Trockenheit nicht oder nur versteckt unter Steinen, Blumentöpfen etc. Schmetterlinge flattern durch die Luft. Viel weniger Arten sind zu bestimmen als zur Zeit unserer Kindheit und Jugend. Zum Glück gibt es sie noch, die wunderschönen Gaukler der Lüfte, wie Pfauenauge, Admiral, Bläuling, Kohlweißling.

Am Morgen früh ist es schon deutlich zu merken, dass die Tage kürzer werden. Mein alter Hund leidet an seniler Bettflucht und muss früh raus. Ich auch. Die Stille am Morgen ist ein Geschenk, ehe der Alltag uns wieder voll im Griff hat.

Eine Fülle heimischen Obstes kann man derzeit kaufen oder auch an Hecken finden. Schlehen wird es in diesem Jahr nicht so viele geben, wie mir scheint, und auch Wildkirschen sind nicht so reichlich wie im vorigen Jahr. Aber es ist ja noch Zeit. Ich freue mich Weihnachten wieder auf ein Likörchen aus diesen Früchten.

Es gibt jetzt Stachelbeeren, Johannisbeeren, Kirschen, und noch gibt es Erdbeeren. Aber an den heißen Tagen sind Melonen heiß begehrt. Birnen, Pflaumen und Zwetschgen reifen. Wilde Pflaumen reifen an Hecken und auf den Bäumen, die Mirabellen und viele andere mehr. Sonnenblumen blühen in großer Vielfalt – sie sehen prächtig aus. Wer Obstbäume hat, wird viel für den Winter aufbereiten und dann gebrauchen können.

Mir fällt auf, dass wesentlich weniger Mistkäfer auf den Wegen zerfahren oder zertreten zu finden sind. Finde ich einen, der sich auf die menschliche Autobahn verirrt hat, setze ich ihn ins Grün zurück. Mag er sich nachts seinen Anteil am Pferdemist holen. Am Tag sind die Wege zu gefährlich.

Es ist eine Zeit der Fülle. Dennoch – im Bewusstsein, dass der Zenit des Jahres schon wieder überschritten ist – wird man gerne mal nachdenklich. Der Frühling, die Zeit des Wachsens und Werdens, der längeren Tage, ist vorbei, obwohl diese Jahreszeit verbunden ist mit vielen nassen, trüben Tagen. Das Herz geht auf. Viel zu schnell ist sie vorbei, diese Zeit.

Kommt dann der Sommer, die Zeit der Reife, kommt häufig die Trockenheit, die Hitze. Ob noch so eine Phase kommt? Wir werden sehen.

Ja, wir gehen durch den Wald, durch die Felder und sehen, riechen, hören die Laute der Tiere, der Natur zu jeder Jahreszeit. Wir nutzen die Zeit zum Innehalten, unsere Gedanken fliegen zu lassen, und wir freuen uns, noch da zu sein, das alles noch so erleben zu dürfen.

© Karin Oehl

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