„He deit et wieh un do deit et wieh,
alles wat schön es, dat darf mer nit mieh.“
— Bläck Fööss
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Alt sind wir geworden. Nicht alles kann man wirklich noch schaffen.Früher ging vieles leicht von der Hand, heute spürt man die Jahre in den Knochen.Und doch: Wir sind noch da, wir leben, wir lachen — und wir kämpfen uns durch.
Überall sieht man sie:Bunte Bilder von fröhlichen älteren Menschen, umgeben von freundlichen, tatkräftigen Helferinnen und Helfern.Alles wirkt leicht, warm, unkompliziert.Ja, wir brauchen Hilfe.Also wenden wir uns an eine dieser Organisationen.Der Leiter kommt, fragt nach Bedürfnissen, klärt Kosten und Zeiten.Es wirkt professionell, verlässlich, gut durchdacht.Man atmet auf.
Und tatsächlich: Es kommt jemand.Jung, freundlich, flott — so flott, wie wir früher einmal waren.Ein Lächeln, ein „Bis zum nächsten Mal“.Doch dann beginnt das Karussell:Krank,Urlaub,Auto springt nicht an.Immer ist etwas.Zuverlässigkeit wird zum Glücksspiel.Beschwert man sich, hält die Organisation natürlich zu ihrem Personal.Als Kunde ist man schnell der Querulant.(Die wären besser mal durch die Schule meiner Mutter gegangen!)
Nach vielen Versuchen endlich ein Glücksgriff:Eine Frau, die die Arbeit sieht, die Ecken sieht, die selbstständig und ordentlich arbeitet.Man freut sich.Man atmet auf.Bis auch sie einmal ausfällt.Und plötzlich merkt man:Die schweren Dinge bleiben wieder an einem selbst hängen.Bücken.Knien,unter Schränken wischen.Die Tanzfläche ist immer sauber — na ja, wenigstens das.
Vielleicht sollte ich genauer hinschauen.Vielleicht nicht erwarten, dass jemand von selbst erkennt, was zu tun ist.Vielleicht bin ich zu anspruchsvoll.Vielleicht formuliere ich meine Wünsche zu ungenau.Ich hasse es, erwachsenen Menschen auf die Finger zu schauen.Ich hasse es, sie zu schulmeistern.Meinen Kindern habe ich es beigebracht — die Ecken, die Gründe, die Wichtigkeit.(Sie wollten es oft nicht hören. Und heute? Machen sie es mit ihren Kindern genauso.)Aber professionelle Helferinnen sind nicht meine Kinder.Was du allein machst, da weißt du, dass es gemacht ist.Mit allem anderen hat man zufrieden zu sein — oder man macht’s alleene.
Also nehme ich mir eine Ecke nach der anderen vor.In meinem Tempo.Nicht alles auf einmal.In der Ruhe liegt die Kraft.Sollen sie die Tanzfläche machen — dann habe ich Zeit für die Ecken.Philosophie wechseln, Frau O!Freundlich bleiben.Gelegentlich ein Hinweis:Die Blumen stehen auf Rollen, um die Arbeit zu erleichtern.Aber der Boden dahinter gehört trotzdem zur Tanzfläche.Wohldosiert.Ruhig.Freundlich.Faust in der Tasche.
Matratzen hochheben, Federrahmen anheben, darunter wischen — irgendwann geht das nicht mehr.Dann heißt es: in die Zeit setzen.Und das Glück sehen, das bleibt.Das Glück, dass der Partner noch da ist.Dass er begrenzt helfen kann — und es auch tut.
© Karin Oehl

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