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Heute vor 62 Jahren

Heute vor 62 Jahren

Heute vor 62 Jahren

 

Es war ein schöner Sommertag, dieser 13. August 1961, früh waren wir aufgestanden, denn ich hatte DRK Dienst, in einem Sportstadion zusammen mit einem Kameraden. Vor dem Stadion unterhielten wir uns locker, es war noch früh, das Stadion noch geschlossen. Lange standen wir dort und wunderten uns, dass keine Leute erschienen und die Türen nicht geöffnet wurden. Es war noch nicht die Zeit der universellen Erreichbarkeit durch Handys. Als der Termin längst verstrichen war und sich immer noch nichts tat, kamen mal Leute vorbei und sagten uns da findet heute nichts statt, in Berlin haben sie begonnen eine Mauer zu bauen.

Wir hatten noch kein Fernsehen, wohl aber ein Radio, aber das hatte ich mit Rücksicht auf noch schlafende Familienmitglieder nicht eingeschaltet und meinem Kollegen ging es wohl ebenso. Nachdem klar war, dass wir nicht mehr warten mussten, und auch, dass die Freunde meines Kollegen mit ihren Freundinnen den Sonntag verbringen wollten, beschlossen wir, an dem Nachmittag dann uns zu treffen und eine Radtour zu machen. Unser Ziel waren die Tecklenburger Freilichtspiele. Dort wurde die Operette die Chardaschfürstin aufgeführt. Mein Kollege fuhr ein Rad mit großer Übersetzung, wenige Runden treten brachten ihn schnell u. locker weiter. Mein Rad dagegen hatte eine kleine Übersetzung, ich musste ganz schön strampeln, um Schritt zu halten. Als wir dort ankamen, war ich geschafft. Wir hatten schon bedenken, dass die Aufführung nicht stattfand auf Grund der Berliner Vorkommnisse, aber sie fand statt. In der Pause aßen wir unser mitgebrachtes Brot und Ei. Wir unterhielten und verstanden uns sehr gut. Das war der Beginn einer sehr langen Beziehung, die nach 4 1/2 Jahren vor dem Traualtar endete und die heute noch besteht.

Menschen reifen, verändern sich.

Wie klug doch Schiller schrieb in seinem langen Gedicht die Glocke:

Die Leidenschaft flieht die Liebe muss bleiben. Die Blume verblüht, die Frucht muss treiben.
Wie noch heute so treffend schilderte er anhand eines Glockengusses alle Facetten des Lebens. Ich bin unseren Lehrern heute noch dankbar, dass wir dieses Gedicht lernen durften und mussten. Viel ist mir entfallen, aber ich weiß noch, wo ich es nachlesen kann und mache es manches Mal. Die Berliner Mauer steht nicht mehr. Zu unserer Silberhochzeit gab es den Irak- Krieg. Kriege sind auf der Welt angezettelt beendet worden. Sie haben nirgends Frieden und Wohlstand gebracht, nur unendliches andauerndes Leid. Werden die Menschen nie gescheit? Lernen sie nicht aus der Vergangenheit und ihren Erfahrungen und denen ihrer Vorfahren?

Wir blicken nun zurück auf fast 80 Lebensjahre.

Ein Satz. den eine frisch verwitwete Frau dem Trauerredner mit gab, hat sich bei mir eingebrannt:

Wir waren auf Rosen gebettet.
Rosen sind sehr schöne Blumen, durften oft herrlich, aber sie haben auch Dornen.

Ja, das kann ich nur unterstreichen.

Das Füllhorn des Lebens hält so viel für Menschen bereit. Höhen, Tiefen, Freude, Leid, Angst, Ärger aber auch große Lust, Liebe, Freude, Überschwang, gute und schlechte Erfahrungen Das ist es doch, was unser Leben ausmacht. Viele Erinnerungen bleiben dauerhaft, andere verblassen. Das kann auch Gnade sein. Wäre es besser, es verliefe alles gleichförmig? Das wäre langweilig und keine Herausforderung für uns.

Unsere Altvorderen hatten Recht nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir.
Und durch das Leben, durch die Erfahrungen lernen wir, werden zu den Persönlichkeiten, die wir sind. Wir glauben, lernen unsere Glaubensinhalte kennen, nehme sie an oder verwerfen sie, auch auf Grund von Erfahrungen. Wie lernen verstehen und ziehen Konsequenzen für uns, daraus-lernen unterscheiden zwischen Lehren und Lehrern. Im Alter wird man nachdenklich, zieht ein Resümee, hat Konsequenzen gezogen, weiß, dass jeder Tag des Lebens nur einmal gelebt werden kann.

Es gibt keine Reset Taste. Menschen fühlen, reagieren auf Gefühle. (Übrigens haben Tiere auch Gefühle, das kann kein vernunftbegabter Mensch leugnen.) Diese Gefühle steuern auch unser Verhalten, genauso wie unsere Vernunft da mitmischt. Warum müssen diverse Ereignisse immer so eskalieren?

Ein vernunftbegabter Mensch sollte in der Lage sein, vor seiner Handlung mal inne zu halten, durch zu atmen und sein Tun und dessen Folgen zu überdenken. In diesem Sinne gehen wir in die nächste Zeit, was immer sie uns bringt und was immer sie für uns bereithält.


© Karin Oehl


 

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