
Text aus Licht und Schatten
Die Zweige am Ufer
halten inne.
Das Licht auf dem Wasser
ist grau wie angehaltener Atem.
Es zieht mich hinein,
nicht fort von mir –
tiefer hinab
in das, was schon da war,
bevor ich kam.
Der Fjord steht schwarz und ohne Atem.
Silber zieht durch seine Tiefe,
vielleicht nur Strömung,
die im Dunkel arbeitet,
vielleicht etwas, das keinen Namen hat.
Ich rudere.
Eine Flunder dreht ihr Auge,
hält mich fest.
Für einen Atemzug
gleicht sich ihr Herz
dem meinen an.
Wortlos.
Wahr.
Seitdem trage ich das Gewicht
von etwas, das mich hält,
statt mich zu tragen.
Wie ein Stein,
der nicht sinkt,
weil das Wasser ihn will.
Das Ruder steht
halb in der Luft,
halb in der Tiefe.
So bleibt es.
So bleibe ich.
© J.Laß
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Juni — Weilen
Jahresbogen — Licht und Schatten
entstanden in Norwegen,am Fjord
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Beschreibung zu "Weilen am Fjord"
Norwegen, ein Fjord im Juni. Ein Boot, ein Ruder, das zwischen Wasser und Luft verharrt. In diesem Moment der Stille begegnet dem lyrischen Ich ein Blick aus der Tiefe – und für einen Atemzug verschwimmt die Grenze zwischen Innen und Außen, zwischen Halten und Gehaltenwerden. "Weilen am Fjord" ist Teil der Reihe "Licht und Schatten" und dem Monat Juni zugeordnet, dessen Thema das Verweilen selbst ist: nicht ankommen, nicht weiterziehen, sondern bleiben, genau dort, wo man steht.
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