Unsere Hunde sind alt geworden. Wir waren uns immer gut. Eigenheiten schleichen sich ein, die man tolerieren kann und muss.Und jetzt?Unser kleiner Pinscher muss öfter nachts raus.Er verlässt unser Schlafzimmer, und dann ist Schichtwechsel: Unser alter Spitz möchte dann hinein.Wie mit Kindern gibt es verschiedene Rituale, zum Beispiel abends das Gute-Nacht-Sagen, noch einmal streicheln und kraulen.Dabei kommt keines unserer Tierchen zu kurz – kein Hund, und der Kater auch nicht. Das glauben wir zumindest.War es dennoch Eifersucht, die mühsam uns zuliebe unter der Decke gehalten wird?Und dabei ist es geschehen.
Jedenfalls erfolgte ein schneller, heftiger Biss in mein Gesicht.Hatte das Tier vielleicht an einer Stelle Schmerzen?Hat es sich erschreckt?Es sieht ja kaum noch etwas.Nie hätte ich das gedacht von dem so liebevollen, liebebedürftigen kleinen Kerl.Die Wunde im Gesicht ist klein, aber wohl tiefer; der Gegenbiss ist fast nur ein kleines Schrämmchen.Die Wunde, die es meiner Seele gerissen hat, ist größer.Unsicherheit, Enttäuschung – das will erst einmal verarbeitet werden.Mein Gesicht ist angeschwollen. Ob ich damit zum Arzt muss? Gegen Tetanus bin ich geimpft.Entzündet wirkt die Wunde nicht. Ist die Verfärbung nur ein Bluterguss?Tierbisse sind immer ein wenig problematisch, auch wenn sie nicht groß sind – gerade dann.Der Pinscher benimmt sich wie immer: lieb, zugewandt, freundlich, will gestreichelt werden.Ich versuche, unvoreingenommen wieder mit ihm umzugehen, aber mein Gesicht werde ich nicht wieder so nahe an ihn heranbringen.
© Karin Oehl

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