Von Karin Oehl
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Wer wie wir mit Tieren lebt, sagt dazu eindeutig: Ja.Nein, sie sprechen nicht unsere Sprache und sie äffen sie auch nicht einfach nach – wie manche Papageienvögel. Doch es gibt tatsächlich Exemplare, die Worte mit Wünschen oder Empfindungen verbinden können.Ein Graupapagei sagte zum Beispiel, wenn sein Lieblingsfutter nicht im Napf war oder wenn ihn etwas ärgerte:„Was für ein Scheiß!“Oder bei anderen Gelegenheiten:
„Sei still!“Er hatte ein ganzes Repertoire und setzte es so passend ein, dass man annehmen musste, er wusste, was er sagte. Zum Glück keine schlimmen Schimpfwörter. Leider starb das Tier unserer Mitbewohnerin vor geraumer Zeit – im Alter von über 50 Jahren.Wir selbst halten keine Papageien, nur Hunde und Katzen.
Unser erster Hund, ein Boxer, sagte uns immer, wenn er hinaus wollte:„Waufen, waufen!“Seitdem sagen wir es auch, wenn wir mit den Hunden rausgehen.
Wenn unser Pinscher Hunger hat, nimmt er seinen Napf und wirft ihn mir vor die Füße.Will er raus, jault und zetert er, gibt keine Ruhe und geht zur Tür.
Eben erst haben wir zu Abend gegessen. Danach wollte ich den Kater füttern.Er hatte offensichtlich Hunger und mauzte auf dem Stuhl in Augenhöhe mit mir.Auf meine Frage, was er denn so dringend wolle, leckte er sein Schnäuzchen und stieß ein langgezogenes „Miaaaaaaaau“ aus.Das versteht wohl jeder.
Unser Spitz kam heute zu mir auf die Couch. Ich kraulte ihn, und er schien es zu genießen.Als ich die Hand einmal wegzog, zog er sie mit der Pfote wieder zu sich.Was das wohl heißen sollte? Mir war es sofort klar.Wenn ich unsere Hunde frage:„War das Fütterchen lecker?“kommt immer ein deutliches Ja – indem sie mit der Zunge bis über die Nase lecken und mich anschauen.
Ist das Sprache?Nicht unser Deutsch – aber dennoch völlig unmissverständlich.In all den Jahren, in denen wir Haustiere haben (seit 1975), waren es einige Hunde und Katzen. Meist Tiere aus dem Tierschutz, mit Vorgeschichten, die sie nicht erzählen können.Nur ihr Verhalten spricht oft Bände.Von manchen Tieren kennen wir die Vorgeschichte in Fragmenten.Es ist an uns, sie zu verstehen und ihnen unsere Wünsche verständlich zu machen.
Wir haben unsere Tiere nie vermenschlicht und nie gewaltsam dressiert.Wir sind keine Machtmenschen.Wir haben sie immer dort abgeholt, wo sie standen, und das unterstützt, was sie uns anboten und was uns gefiel.Negative Verhaltensweisen haben wir möglichst ignoriert.Ich weiß: Ein Hund sollte gehorchen.Das tut er auch – wenn wir ihm verständlich machen, was wir von ihm wollen.Ein Hund sollte freudig lernen, und er lernt auch noch als alter Hund.Wir wollten nie Kadavergehorsam oder Macht ausüben.Wir hatten immer Hunde, mit denen wir in jedes Restaurant gehen konnten.Nie war das von Anfang an so.Es entwickelte sich, wenn wir den Tieren Zeit ließen und gutes Verhalten belohnten.Und auch Katzen können lernen und sich ausdrücken.Zwingen kann man Katzen nicht.Über Belohnung geht alles.
Ja, wir sagen: Tiere können sprechen – auf ihre Art.Wir müssen sie nur lesen können und uns verständlich machen.Das braucht Zeit, Vertrauen, Nachsicht, Liebe und ja – auch Konsequenz.Aber niemals Gewalt.
Astrid Lindgren prägte den Satz:
„Man kann nichts aus einem Hund herausprügeln, aber viel hinein streicheln.“Genau so ist es.
© Karin Oehl

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