Notlösung, wenn es hart kommt:
Rettungswagen oder Ambulanz eines Krankenhauses.Entweder ist der Rettungsdienst verärgert, findet, dass es kein Notfall sei – Kosten entstehen.
Notfallambulanz einer Klinik:
Man wartet Stunde um Stunde und wird – berechtigterweise oder auch nicht – zurück an den Hausarzt verwiesen.
Ein Urologe äußert bei einem an Prostatakrebs erkrankten Mann den Verdacht auf eine Metastase im Becken und überweist an einen Orthopäden.Termin: In fünf Monaten.Allerdings kommt vom Praxispersonal der Hinweis:„Wenn Sie privat versichert sind oder bereit sind, es selbst zu zahlen, können Sie einen Termin in einer Woche haben.“Noch Fragen?
Nephrologe:
Termin in drei Monaten.Auf Intervention der Hausärztin: Vorgespräch in einem Monat, Labortermin in vier Wochen.Nach drei Wochen Untersuchungstermin – in der Mittagszeit.Der Patient ist pünktlich.Irgendwann erscheint eine wenig freundliche Helferin, misst den Blutdruck. Danach: warten.Das Wartezimmer leert sich.Inzwischen sind es zwei Stunden über dem eigentlichen Termin.Die Ärzte und Helferinnen stehen am Tresen, unterhalten sich und scherzen. Fachgespräche sind es nicht.Der Patient fühlt sich langsam wie eine vergessene Handtasche, fühlt sich nicht gut und fragt eine Helferin, ob es noch lange dauert.„Kommen Sie mit!“ – kurze Anweisung, und ein fensterloser Raum erwartet ihn.Nachdem die launigen Gespräche der Mitarbeiterinnen noch mehr als zwanzig Minuten weitergehen, steht der Patient auf und sagt:„Schicken Sie die Befunde bitte an die Hausärztin. Ich habe die Faxen dicke und gehe jetzt nach Hause. Ich kann und will so nicht mehr!“Die Ärztin: „Och Frau O., Sie sind doch gleich dran!“Patient: „Nein, so menschenverachtend lasse ich nicht mit mir umgehen. Ich gehe jetzt!“Im Bericht steht dann: „Patient verließ vor der Untersuchung die Praxis.“Böser Patient.Eine Beschwerde bei der Krankenkasse oder der Kassenärztlichen Vereinigung ergibt:„Wir können die Angaben nicht nachprüfen. Offensichtlich liegt kein Verstoß gegen die Richtlinien vor.“
Kardiologe:
Normaler Kontrolltermin in einem Jahr.Inzwischen gibt es bedrohliche Veränderungen, der Patientin geht es wirklich schlecht.Frage des Ehemannes nach einem früheren Termin:„Ihre Frau hat einen Termin im Januar. Und ab, der Nächste bitte.“
Gastroenterologe:
Langjähriger Patient, massive Probleme, ein böser Verdacht.Überweisung zur Magenspiegelung.Terminanfrage: in elf Monaten.Was bis dahin alles passieren kann.Der Patient lehnt dankend ab.Er versucht es anderswo.Auf der Website des Gastroenterologen steht, dass er nur drei solcher Untersuchungen pro Woche machen dürfe.Anfrage bei der Kasse: stimmt nicht.Beschwerde beim Ministerium:Kein Verstoß gegen die Richtlinien, man könne die Angaben nicht nachprüfen.Immerhin eine Antwort.Aber der Patient ist rechtlos.
Es sind nicht nur frustrierende Einzelfälle.Das Ganze hat System.Es ist ein menschenverachtendes System.Besonders für Kassenpatienten.Wenn sie dann noch weiblich sind und das „Verfallsdatum“ überschritten haben, wird es besonders erfreulich.Ironie, verlass mich nie.Entweder ist der Patient bis dahin gesund – oder verstorben.und dann liest man:„Die ärztliche Versorgung im Kreis ist überdurchschnittlich gut.“Ja, vielleicht für Privatpatienten.Kassenpatienten sind lästiges Beiwerk.Es sind keine Menschen, nur Masse – zu große Masse –, die nichts einbringt, gegebenenfalls nur kostet.
© Karin Oehl

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