Herzenshunde

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Bald jährt sich der Todestag unserer Herzenshunde zum 5. Mal, wie zufällig stieß ich auf diesen Aufsatz heute.

Und noch immer laufen mir die Augen beim Gedanken an diese zwei wunderbaren Hunde.

Karin Oehl

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Herzenshunde

Da liegt er, ganz entspannt und mit geschlossenen Augen. Die Atmung geht regelmäßig – ein friedliches Bild.

Beim Betrachten erfasst mich Wehmut. Seit nun schon 15 Jahren ist dieser pechschwarze, mittlerweile mit weißer Maske und Pfoten versehene, mittelgroße Hund MEIN Hund.

Still schaue ich auf ihn und frage mich: Wie lange noch?” Und die Gedanken gehen zurück auf den Tag, an dem er noch ganz jung mit unserem Sohn aus Griechenland kam, im Cannel, halb wach und benebelt durch die Schlaftablette.

Und als er dann hier aussteigen durfte, war er total verunsichert. Wo war sie, seine große Freiheit am Strand? Fremde Gerüche, fremde Geräusche, fremde Menschen! Nur sein vertrauter Mensch von dort, der ihn dort geschützt hat vor Schlägen und Fußtritten, der ihm zu futtern gab, dass er endlich einmal satt wurde – der war da. Und natürlich neue Menschen, die Wasser hingestellt haben und ihn überall schnüffeln ließen.

 Und später, der erste Gang an der Leine, die fremden Geräusche, bedrohlich an der Straße. Am liebsten wäre er durchs Halsband geflutscht und hätte Reißaus genommen. Das schreckliche Halsband wurde schnell durch ein Geschirr ersetzt. Das zog nicht mehr so am Hals und schnürte nicht die Luft ab, aber es hinderte an den gewohnten flotten Sprints.

Wo war das Meer? Die Freiheit???? Nach und nach ergab er sich in sein Schicksal, freundete sich mit uns an. Sein vertrauter Mensch war immer seltener da, er musste ja wieder arbeiten. Aber da waren andere streichelnde Hände, die Futter gaben und wie selbstverständlich ins Auto stiegen, dann spazieren gingen und er musste mit. Neue Räume eröffneten sich ihm, die weiten Spaziergänge im Wald, immer neue Wege, die Hundeschule und schließlich so viel Vertrauen von uns, dass er freilaufen durfte. Und Urlaub am Meer gab es auch, selbst wenn es die Nordsee war, und Urlaube in den Bergen – die vielen Bäche, die so viel besseres Wasser lieferten, als der heimische Wasserhahn.

Dann bekam er eine Gefährtin. Er war so verunsichert, dass er gar nicht mehr in die Küche zum Futtern kommen mochte. Seine Augen fragten: Hat mein Herrchen mich überhaupt noch lieb? Nach und nach wurde er seiner Sache sicherer. Er arrangierte sich mit seiner Gefährtin und beide mochten sich sehr schnell.

Die Kontakte mit anderen Hunden verliefen immer problemlos. Er raufte nie. Wenn er spürte, er war nicht willkommen, ging er.

Wenn es irgendwo Ärger zu geben schien, glich er aus, lenkte ab. Er ist ein Sensibelchen geblieben. Lautes Reden, Schimpfen verträgt er nicht, er geht raus. Wie sagte Astrid Lindgren so richtig? In einen Hund kann man nichts reinprügeln, aber alles heraus streicheln.

Genauso ist es, so ist er. Dankbar für alles Liebe, für Leckerchen, für Streicheleinheiten – bis heute.

Gesundheitlich kam es auch zu einem Einbruch, als das Cushing-Syndrom festgestellt wurde. Er toleriert die teure Behandlung gut. Viele Dinge haben sich verändert. Er läuft nur noch langsam, die Maske und die Pfoten sind grau geworden, er schläft viel, Hauttumore entwickelten sich immer mehr. Punktionen ergaben: nicht bösartig, Fettgeschwülste.

Im Alter wollten wir ihm keine belastenden Behandlungen oder Operationen mehr zumuten. Zweifel schieben sich immer mal wieder in die Gedanken mit rein. Noch will er mit der Meute gehen, aber so lustvoll wie früher ist es nicht mehr. Er rennt nicht mehr an die Tür, wenn es schellt. Dafür hat er nun seine Kollegen. Es ist noch ein kleiner Pekinese dazugekommen. Da entwickelt sich keine dicke Liebe, aber er toleriert ihn.

 Nun hat sich gezeigt, dass er aus einem Nasenloch eitert. Die Tierärztin u. ich haben uns angeschaut. Es gibt zunächst mal Antibiotika. Der Appetit hat nachgelassen.  Ob es seine Erfahrungen in der Jugend waren, der Hunger? Er war immer flott am Topf und schnell damit fertig, restlos Heute bleibt schon mal was drin im Napf und er mag nicht mehr frühstücken. Leckereien aus der Hand nimmt er aber noch.

Wir erleben es nicht zum ersten Mal, dass ein Hund altert und wir wissen, wohin der Weg früher oder später führt. Wir saugen jeden guten Tag in uns auf und hoffen … Aber wenn er zeigen würde, dass er nicht mehr mag und kann, dann darf er gehen – in meinem Arm, das ist sicher. Wir lieben ihn. Aus Liebe würden wir diesen Weg im Notfall gehen.

Ernie war immer ein Charakterhund und ist es im Alter erst recht. Ungebrochen ist unsere Liebe zu ihm. Wir hatten schon viele Hunde im Laufe unseres langen Lebens und jeder ist anders, wie jedes Kind auch. Das ist gut so. Es gibt immer wieder besondere Herzenshunde. Ernie war so einer – ein ganz besonderer Freund!

Inzwischen ist Ernie im Hundehimmel - er musste zusammen mit seiner langjährigen Partnerin Dana am gleichen Tag gehen.

Ernie hatte einen bösartigen Nasentumor, der ihn zu quälen begann u. Dana wurde ziemlich plötzlich nierenkrank u. ihr war nicht mehr zu helfen.

Wir haben gelitten - - - Die Tierärztin kam zu uns nach Hause u. so konnten sie gemeinsam in unserem Arm ohne Stress einschlafen.

Es ist mir, als hätten sie keine Ruhe gegeben, bis ihre warmen Körbchen wieder mit Not Nasen belegt sind.

Sie sind es - diesmal ältere Tiere, weil auch wir keine jungen Leute mehr sind.
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© Karin Oehl 25.03.2019

amanfang 2 270

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