
„Wie nur das Heute den Nachklang des Gestern ermisst, ermisst der morgige Tag das Ende des heutigen."Eine Ameise schleppt das Skelett eines toten Käfers bergauf. Am Horizont schaukelt ein leerer Holz Kahn. Aus diesen zwei Bildern ist dieses Lied entstanden, und ich habe lange nach Worten dafür gesucht, weil sie so still sind. Ich habe es geschrieben, weil mich die Vergänglichkeit nicht loslässt. Nicht als Schrecken, sondern als etwas, das man leise mit sich tragen kann, wie eine Melodie.Die Ameise erinnert mich an Sisyphos.
Albert Camus hat ihn in „Der Mythos des Sisyphos" als den Menschen beschrieben, der seinen Stein immer wieder bergauf rollt und darin trotzdem sein Glück findet. Die Ameise trägt etwas, das längst tot ist, und trägt es doch weiter. Vielleicht ist genau das die menschliche Antwort auf das Ende: weitertragen, ohne dass es einen Beweis dafür gibt, dass es sich lohnt.
Die Psychologie kennt die Angst vor dem Vergehen gut. Die Terror-Management-Theorie von Sheldon Solomon, Jeff Greenberg und Tom Pyszczynski zeigt, wie sehr das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit unser Denken und Handeln prägt, oft ohne dass wir es merken. Irvin Yalom hat die Auseinandersetzung mit dem Tod zu einem Kern seiner existenziellen Psychotherapie gemacht. Und schon Sigmund Freud schrieb 1916 in seinem kurzen Essay „Vergänglichkeit", dass gerade die Endlichkeit dem Schönen seinen Wert gibt, weil es nicht bleibt.Die alten Fischer in diesem Lied singen dem Sturm entgegen. Auch das ist zutiefst menschlich: Lieder und Rituale sind seit jeher unsere Antwort auf das, was wir nicht beherrschen. Gemeinsam zu singen beruhigt, verbindet und gibt dem Unbegreiflichen eine Form.Deshalb kehrt der Chor in diesem Song wie ein Mantra wieder, getragen von Mundharmonika, bis Anfang und Ende sich berühren.
Und dann sind da die Bäume. Sie sind im Lied die Einzigen, die ahnen, dass Anfang und Ende eins sind. Heraklit hat es vor zweieinhalbtausend Jahren gesagt: Im Kreis fallen Anfang und Ende zusammen. Ein Baum, der im Herbst sein Laub verliert, trauert nicht. Er bereitet den Frühling vor. Vielleicht können wir davon lernen, dass „kalte Zeit" nicht das Gegenteil von Leben ist, sondern ein Teil seines Kreislaufs.
Der Satz, der dem Lied den Anfang gibt, sagt es für mich am klarsten: Das Heute misst den Nachklang des Gestern, und der morgige Tag misst das Ende des heutigen. Wir verstehen nichts, solange wir mittendrin sind. Erst im Nachklang zeigt sich, was wir hatten.
Was nimmst du aus diesem Song mit? Was trägst du weiter, obwohl es vielleicht längst vergangen ist? Und welches Lied hilft dir, wenn es um dich herum stürmt?
Schreib es mir gern in die Kommentare. Ich lese jeden einzelnen.
Vielleicht ist Vergänglichkeit am Ende nur ein anderes Wort dafür, dass jeder Augenblick genau einmal geschieht.
In kalter Zeit vertonte Version
🎵 Text und Konzept: Joachim Laß
🤖 Musik generiert mit: Suno AI
🌿 Teil der Reihe „Lieder aus Licht und Schatten"
🎧 Alle Songs aus eigenen Gedichten
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✍️ TEXT & MUSIK
Text: Joachim Laß
Originaltext – unverändert verfasst
🎵 Musik:
Mit Unterstützung der künstlichen Intelligenz Suno AI generiert.
© Joachim Laß | Abenteuer-Literatur

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