Nachdenkliches

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Draußen ist es trüb und grau. Wie alle Tage geht mein Mann morgens mit unseren Dreien die Hunderunde. Ich mache meinen Haushalt und versorge die Igel  -alles wie immer.

Er kommt zurück, wir besprechen unseren Tagesplan bei einem Käffchen –wie immer.

Es klappert an der Tür –die Post. Die Hunde melden!

Ich bin neugierig und schaue nach. Neben der gewohnten Reklame ein amtliches Schreiben und ein Brief mit einem schwarzen Rand.

Puh, der wird als erstes aufgemacht. Eine Cousine meines Mannes ist verstorben. Sie war lange krank gewesen, er hat sie erst neulich noch besucht und gar nicht so krank erlebt.

Nun ziemlich schnell hat sie sich von der Welt verabschiedet.

Und gerade in dem Moment gibt es eine Wolkenlücke und die Sonne erscheint für eine kurze Zeit. Wenn das kein Zeichen ist!

Wieder kommt es zu einer Beerdigung, wo man sich mit Verwandten trifft, die man sonst nicht sieht, mit denen man kaum Kontakt  hat und irgendwie ist man dann doch sehr erschüttert.

Es werden immer weniger. Rituale versuchen zu trösten, sind bekannt und man möchte sie nicht missen.

Menschen , die unseren Lebensweg prägten, begleiteten, die man zugehörig weiß, mit denen man, ohne böse zu sein, so gut wie keinen Kontakt pflegte, verschwinden einfach.

Eine Nachricht, eine Beerdigung, ggf, noch ein Kaffee gemeinsam danach und Jeder kehrt in seinen Alltag zurück.

Und doch ist etwas anders – es fehlt wieder jemand!

Und man wird nachdenklich, Obwohl man darüber nicht viel nachdenkt –man erkennt immer mehr seine eigene Endlichkeit und schiebt den Gedanken doch daran so weit fort.

Es geht ja immer weiter. Die Lebensjahre  - man hat schon so viele davon und weiß, der Tag kommt näher,   -die gesundheitlichen Einschränkungen –sie werden als normal hingenommen, wenn sie ein gewisses erträgliches Maß nicht übersteigen, der Alltag muß weiter gehen. Und doch – auch wir sind irgendwann an der Reihe. Sind wir vorbereitet? Sind wir bereit zu gehen? Fast niemand ist es.

Beruflich habe ich Sterbende erlebt. Und ich habe es sehr individuell erlebt in Familien und in der eigenen Familie –Man wird nie Profi im Umgang mit dem Sterbenden und den Angehörigen.

Manche trifft es sehr plötzlich und dann ist man geneigt, zu trösten mit der Floskel : Für ihn/sie war es ein schöner Tod, sie mußte nicht lange leiden. War es wirklich für sie , für ihn ein schöner Tod, so plötzlich weg sein zu müssen ? oder hätte sich der Mensch nicht lieber würdevoll verabschiedet und noch viele Dinge geregelt?

Und die , die lange leiden, wie oft wünschen wir ihnen , daß es zuende sein möge. Wünschen sie es sich auch?????

Jeder Abschied ist sehr individuell, wir werden nicht danach gefragt, wann und wie wir gehen. Aber eines lehrt uns so ein Abschied:  leben wir jeden Tag, als wäre es der Letzte,

laßt uns sehenden Auges alles Schöne und Gute wahrnehmen und dafür dankbar sein.  Gehen wir jeden Tag mit unseren Lieben, mit unseren Mitmenschen so um, als wäre es der letzte Tag -

liebevoll, geduldig, freundlich. Ärger ist im Leben unvermeidbar, aber Hass ? Möge nichts Unverzeihliches zwischen uns stehen.

Es ist immer traurig, wenn ein Mensch gehen muß, gegangen ist, das ganze Leben der Hinterbliebenen ändert sich.  Aber es ist uns allen beschieden, Wir erfahren vorher nicht wann und wie.

Laßt uns mitmenschlich miteinander umgehen und dem Schöpfer, der in jedem von uns wirkt, dankbar sein für alles Gute, für alle erteilten Lehren und für die Kraft, auch mit dem, was wir Negatives erfahren, umzugehen.

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© K.Oehl

 

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