Eine Igelin namens Manfred

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Eine Igelin namens Manfred

2 ursulas 3 Kommentare

Besonders im Herbst eines jeden Jahres herrscht in der Igelstation Hochbetrieb; außerdem ist der Igel zu dieser Zeit immer ein Thema in den Schulen und so kommen zu den Aufgaben der Pflege der Tiere diverse Veranstaltungen in Schulen und anderen Einrichtungen dazu. Auch wenn wir jetzt erst auf den Frühling zugehen, möchte ich diese Geschichte dennoch schon veröffentlichen, denn er kommt bestimmt, der nächste Herbst, und dann ist es vielleicht zu spät …

An einem Tag war ich in einer Grundschule. Es ist immer eine Freude für mich, mit den Kindern zu arbeiten. Da ich viel Anschauungsmaterial mitbringen kann, war auch die Lehrerin sofort begeistert. Sie eröffnete mir zudem, dass ihre Tochter, die inzwischen in einer weiterführenden Schule war, ein Referat über Igel zu halten hatte. Ich bot meine Hilfe und die Arbeit war daraufhin sehr erfolgreich.

Wenige Tage später meldete sich eine Kollegin und Freundin der Grundschullehrerin bei mir, die Bio in einer höheren Schule unterrichtete. Ihre Schüler hatten einen Igel gefunden, den sie Manfred nannten. Das Tier war abgemagert und schwach und hatte diverse Verletzungen, das war ganz offensichtlich. Nur war es kein Manfred, sondern eine Igeldame und müsste eher Manfredine heißen.

Zunächst habe ich mich bemüht, das Tier zu stabilisieren. Es erwies sich als ausgesprochene Kämpferin. Auffallend war auch, dass es sich menschenfreundlich und wenig abwehrbereit zeigte. Das machte mir große Sorgen. Eines Morgens, als ich wie immer die Gehege reinigte, die Tiere wog und nach tierärztlichem Plan behandelte – ich führe ja über jeden meiner Patienten Buch –, sah ich etwas, was ich kannte und wovon ich wusste, dass es lebensgefährlich war. Manfredine hatte einen Darmvorfall bekommen.

Da gab es nur eins: Ich musste umgehend einen Tierarzttermin ausmachen, den ich auch sofort bekam. Manfredine wurde noch am selben Tag operiert, obwohl meine Tierärztin der Ansicht war, dass das  elende Tier es nicht schaffen und nie wieder wach werden würde. Die Igelin wurde aber wieder wach und wir haben weiterhin miteinander gekämpft. Willig nahm sie ihre Medikamente und legte auch langsam an Gewicht zu. Die Wunden heilten. Im Nachhinein haben wir festgestellt, dass Manfredine eine Vereiterung der Nasennebenhöhlen hatte und daher ihr Futter gar nicht riechen konnte. Das war der Grund, weshalb sie schlecht gefressen hatte und so schwach und abgemagert war.  Mit der Besserung der Nase, die wir durch eine antibiotische Behandlung, Nasentropfen für Säuglinge, eine Kochsalzlösung und kalorienreiche Zusatznahrung erreichten, erholte sich Manfredine immer mehr.

Die Schüler erkundigten sich oft bei ihrer Lehrerin nach dem Befinden ihres Schützlings und wollten mehr über Igel wissen. So zog ich mit meinem Material diesmal ins Gymnasium. Natürlich sieht so ein Unterrichtskonzept etwas anders aus als in der Grundschule, aber die Begeisterung, die auch die großen Schülern hatten und die sich in ihrer regen Mitarbeit zeigte, machte mir viel Spaß.

„Wir können nur sinnvoll schützen, was wir kennen“, sagte einmal ein Igelschützer. Den Satz übernehme ich gern, denn er ist so wahr. Es ist für mich immer eine große Freude, die Zusammenhänge zwischen Naturschutz, der Problematik der Wildtiere als unsere Kulturfolger  und einer Individualhilfe deutlich zu machen. Da wird noch viel Unsinn in den Medien verbreitet, der sich in den Köpfen der Menschen festgesetzt hat. Wir stacheligen Igelleute müssen weiterhin dicke Bretter bohren und auch selbst noch unendlich viel lernen.

Der Anfang ist Respekt vor jedem Lebewesen.

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© K.Oehl

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