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a Kreuz

Da Rosa Posekardt an unserem alten Projekt teilgenommen hat und wirklich eindrucksvolle Texte hinterlassen hat, möchte ich das uns zur Verfügung stehende, literarische Werk von Rosa Posekardt für die Nachwelt Online stellen.

 

 

Rosa Posekardt * 27.09.1925 +9.5.2005

 


Biografie

Rosa Posekardt geb. Brummel

Jahrgang 1925, Geburtsort Münster

Hausfrau + Mutter, gehörte von

1979 - 1993 zur

Münsteraner Autorengruppe

"MS-Lyrik + Prosa"

Veröffentlichungen in den

MS-Publikationen

Nr. 1 - 7 und mehr.

Zahlreiche Lesungen in und um Münster.

Veröffentlichungen in Stadtteilzeitungen,

Ambach - Nordlicht - Rundum

Lesungen am Literaturtelefon Münster,

auch bekannt als "Dichterstrippe" .

Dritter Platz bei der Wahl zum/zur Autor/in des Jahres 2001

bei http://www.abenteuer-literatur.de


Bittgebet einer Seniorin

Herr, du weißt es besser als ich, das ich von Tag zu Tag älter und eines Tages alt sein werde

Bewahre mich vor der großen Leidenschaft die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen

Lehre mich, nachdenklich aber nicht grüblerisch, hilfreich aber nicht diktatorisch zu sein

Bei meiner ungeheuren Ansammlung von Weisheit tut es mir leid sie nicht weiterzugeben, aber du verstehst Herr, das ich mir ein paar Freunde erhalten möchte

Laß mich schweigen über meine Krankheiten, sie nehmen von Jahr zu Jahr zu, - und die Lust sie zu beschreiben wächst von Jahr zu Jahr

Ich wage nicht die Gabe zu erflehen, mir die Krankheitsschilde-rungen anderer mit Freude anzuhören aber lehre mich, sie geduldig zu ertragen

Ich wage auch nicht, um ein besseres Gedächtnis zu bitten, nur um etwas mehr Bescheidenheit und etwas weniger Bestimmtheit, wenn mein Gedächtnis nicht mit dem der anderen übereinstimmt

Lehre mich die wunderbare Weisheit, daß ich mich irren kann. Erhalte mich so liebenswert wie möglich. Ich weiß. Daß ich nicht unbedingt ein Heiliger bin, aber ein alter Griesgram ist das Krönungswerk des Teufels.-

Lehre mich an anderen Menschen unerwartete Talente zu entdecken und verleihe mir, Herr, die schöne Gabe, sie auch zu erwähnen.

Aus dem Englischen erarbeitet (Verfasser unbekannt) von Ingeborg Wingert

 


 

 Blaue Kugel

Am Rande der Sternenbahnen, kaum sichtbar für menschliche Augen, kreist ein kleiner grüner Punkt um eine kleine grüne Sonne.
Er wird von winzigen Lebewesen bewohnt, die sehr wißbegierig und daher auch sehr klug sind.
Sie haben das ganze Universum erforscht, ihr Lieblingsobjekt aber war nun mal jene wunderschöne blaue Kugel, mit allem, was es dort je gegeben hatte.

Und alles, wirklich alles, was dort passiert war, haben sie auf ihre Art aufgezeichnet auf einem winzigen grünen Stein, der im Meer des „Niemals-Vergessen-Werdens“ versenkt wurde.

Die leise plätschernden Wellen erzählen unaufhörlich jedem, der sie hören will, die Geschichte, die ich euch nun erzählen werde, nämlich das

Märchen von der blauen Kugel

Es war einmal, vor nicht allzu langer Zeit, eine riesiggroße, wunderschöne blaue Kugel, die schimmernd im All schwebte.
Sie umkreiste eine hellglänzende goldene Sonne.
Dabei drehte sie sich auch noch um sich selbst, und es sah von hier aus gesehen so aus, als wäre mal die eine und dann wieder die andere Hälfte in Licht getaucht und die andere Hälfte von Dunkelheit umgeben.
Ein höheres Wesen, sagte man, habe sie erschaffen mit allem, was es dort gab.

Vielfältiges Leben gab es:
Tiere zu Lande, zu Wasser und in der Luft.
Bäume, Sträucher, Blumen und Kräuter brachte die fruchtbare Erde hervor.
Es hätte das Paradies sein können ohne Ende, hätte es nicht auch jene Lebewesen gegeben, die sich Menschen nannten.
Ihnen hatte jenes höhere Wesen diese blaue Kugel, die er Erde nannte, ihnen, den Menschen hatte er sie anvertraut. “Macht euch die Erde untertan" so soll er ihnen gesagt haben.

Das war leicht gesagt, aber leicht getan war das nicht. Die ersten Menschen mußten sich noch recht plagen, denn der Herr; wie sie dieses höhere Wesen bezeichneten, der Herr hatte ihnen auch allerlei Mühsal auferlegt, die Erde brachte auch Disteln und Domen hervor. Nicht nur Früchte!
Aber im Verlauf der Zeit, die wir noch mit anderen Maßen messen als diese Erdenmenschen, also im Verlauf vieler Jahrhunderte haben sie sich die Erde untertan gemacht.

Sie mußten sich kaum noch selber plagen. Erstaunliche Erfindungen hatten sie gemacht. Denn der Herr hatte ihnen auch Verstand gegeben und die Fähigkeit zu lernen.

Einige Menschen wurden das, was sie reich nannten.
Sie konnten dann andere für sich arbeiten lassen.
Es gab große Städte und kleine Dörfer rund um den Erdball und viele, unendlich viele Straßen. Auf den Flüssen und Meeren fuhren sie mit großen und mit kleinen Schiffen hin und her. In den Häusern ihrer Städte und Dörfer und auf den Schiffen gab es Wohn- und Arbeitshöhlen, ähnlich wie unsere, nur eben größer.

Sie bauten auch Vögel aus Stahl und die machten einen höllischen Lärm, wenn sie ihre Bahnen am Himmel zogen. Und irgendwann hatten fast alle Leute, die auf der Erde lebten, so ein buntes, glänzendes, silberblitzendes Ding, das sie Auto oder mein Wagen nannten.
Ja, sie waren tüchtig die Menschen. Aber all das reichte ihnen nicht. Sie wollten immer mehr und das für immer weniger. Mehr Geld für weniger Arbeit. Sie haben immer bessere Maschinen erfunden. Weil aber die Maschinen so gut waren, kam jemand auf die Idee, lassen wir doch diese Maschinen für uns arbeiten, sie haben Geld genug gekostet. Da sparen wir das Gehalt und die Löhne ein. Wir brauchen all diese Leute nicht mehr.

Ob das nun der Anfang war, von dem, was dann geschah, haben wir noch nicht herausgefunden. Es gab auch noch andern Möglichkeiten dafür, denn es war nicht nur eitel Freude und Reichtum auf der Welt.

Es gab Not und Elend, Haß und Neid und Habgier. Immer wieder im Verlauf von Jahrhunderten führten die Menschen auch blutige Schlachten. Und dann färbte die Erde sich rot. Vor langer Zeit schlugen sie sich erstmals gegenseitig die Köpfe ein mit Waffen, die später als sehr primitiv galten. Ganz egal, wer wen erschlug, die weißhäutigen die roten, oder die roten die schwarzen oder die gelbhäutigen, das Blut war rot in jedem Fall.

Auch hier gab es immer wieder neue Erfindungen. Früher standen sich die Menschen, wenn sie kämpften, hautnah gegenüber, man wollte das Weiße im Auge der Feinde blitzen sehen. Das war ganz schön gefährlich! Dann verfeinerte man die Kampfmethoden; erfand immer neue und immer bessere Tötungsmaschinen.

Feuer fiel vom Himmel, wenn Krieg war, Kanonen säten Tod und Verderben. Die Erde wurde verwüstet, Häuser verbrannten und die geschundenen Kreaturen, die Natur aber auch die Menschen, erholten sich nur sehr schwer von den Schrecken und den fatalen Auswirkungen all dieser sinnlosen kriegerischen Auseinandersetzungen.

Und es hörte sich so echt und so ehrlich an, wenn dann die Menschen, die diesem grausigen Krieg entronnen, wenn sie sich gegenseitig geschworen haben: Nie wieder Krieg!

Meist gab es dann auch wirklich friedliche Phasen, und der Wiederaufbau all der zerstörten Städte und Straßen brachte wieder Mühen und Plagen und es dauerte seine Zeit.

Aber irgendwann fing alles von vorne an.
Neid und Mißtrauen, Habgier und Rachsucht waren ja noch da und säten böse Zweifel. Hatten die anderen wirklich alle die schlimmen Waffen abgeschafft und die Forschungen eingestellt?
Hatten sie? Oder hatten sie nicht? Konnte man ihnen glauben? Hatten sie nicht schon früher...? Na ja, aber jetzt sind doch alle Völker für Frieden und Beratungen im Streitfall. Aber weil man ja nicht wissen konnte, und überhaupt, für den Ernstfall wollte man gewappnet, also doch bewaffnet sein.

So begann wieder jenes heimliche Wettrüsten, und der eine oder andere Staat begann sich wieder stark zu fühlen und ließ bei so schlimmen Konfliktsituationen durchblicken: Also, wenn wir wollten, könnten wir mit einem Schlag die Krise aus der Welt schaffen. Mit einem Schlag! Mit einem Schlag? Oh ja, die Menschen erinnerten sich. So einen Schlag haften sie schon mal erlebt. So etwas wollten sie doch nicht mehr... hatten sie sich feierlich versprochen... , geschworen hatten sie es doch! Bei allem, was ihnen heilig war! Wie es dennoch dazu kam, müssen wir für den Hüter des Universums noch herausfinden.

Und so verlief dieser letzte Tag.
Alles war wie immer. Die Sonne schien, Vögel sangen. Die Menschen rund um den Erdball gingen ihren Beschäftigungen nach, ihrer Arbeit oder ihrem Vergnügen. Kinder kamen von der Schule, freuten sich auf Zuhause und zankten sich ein bißchen. Hausfrauen klapperten mit Schüsseln und Töpfen.
Die Kaiser, Könige und sonstige Staatsoberhäupter regierten oder residierten gemessen und würdevoll oder hitzig und erregt. Das war auf der gerade hellen Seite der schönen blauen Kugel. Auf der dunklen Hälfte der Welt lagen fast alle Erdenkinder im tiefen Schlaf.

Nur in den tief unter der Oberfläche liegenden Versuchsräumen der geheimen Waffenfabriken wurde fieberhaft gearbeitet. Eine neue geheimnisvolle Formel mußte getestet werden.
Weil einer von den Männern sehr müde war und sich kaum noch wach halten konnte, unterlief ihm ein winziger Fehler bei der Berechnung einiger Zutaten für den hochbrisanten Sprengstoff.

Aber zurück zu der hellen Seite der blauen Kugel. Wie gesagt: Die Sonne schien und der Himmel war klar und blau. Alle Menschen hatten zu tun. Kinder spielten auf den Straßen. Alte Leute reckten, auf Parkbänken sitzend, ihr Gesicht mit geschlossenen Augen der wärmenden Sonne entgegen.
Da zuckte ganz plötzlich ein greller, ganz schrecklich weißer Lichtfinger am Himmel empor und es war, als wollte er nach der Sonne greifen, um sie aus ihrer Bahn zu werfen.
Für einen Augenblick veränderte die Sonne ihre Farbe. Ihr goldenes freundliches Gesicht wurde blaugrün und dann blutrot und schrecklich böse.
Die Menschen erschraken. Dann veränderte diese schrecklich rote Sonne auch noch ihre Form und wurde riesig groß, es sah aus, als würde sie innerlich zerbrechen. Da schrien die Erdenbewohner vor Angst.
Die Sonne warf diesen grellen, schrecklich weißen Lichtfinger zornig auf die Erde zurück. Die Erde wankte, als würde sie von einer Riesenfaust geschüttelt und es sah von hier aus so aus, als hätte sie von der Sonne einen derben Tritt bekommen und sie verschwand von einem Augenblick auf den anderen in einem der riesigen schwarzen Löcher, die die Menschen immer schon erforschen wollten.

Seitdem versuchen wir herauszufinden, was aus der schönen blauen Kugel geworden ist und ob die Menschen überlebt haben, ob sie schon etwas über diese schwarzen Löcher wissen, die wir auch noch nicht erkundet haben.

Die Sonne scheint nun wieder hell und freundlich. Nichts mehr erinnert im Universum an die schöne blaue Kugel. Nur wenn der Wind vorüberstreicht, der damals wehte, kannst du, kann jeder, der zuhört, diesen geisterhaften, schrecklichen Schrei aus abertausend Kehlen hören.
Den hat der Wind in sich aufgenommen als Mahnung und zur Warnung für alle Lebewesen. Genauso wie wir für den Hüter des Universums die Erdgeschichte auf einem kleinen grünen Stein verewigt haben, der in unserem Meer des „Niemals-Vergessen-Werdens" versenkt wurde.

Was aus den Menschen wurde, weiß niemand, aber wenn sie nicht alle gestorben sind,...

An alle!

Hört endlich auf
die Erde zu zerstören
macht sie nicht ganz kaputt
die Welt
Sie soll den Kindern
doch gehören.
Die Märchen die ihr
uns erzählt
vom Fortschritt und vom
besseren Leben
wem soll er den nützen wo
soll es das geben
wenn wir die Welt so wie sie ist
nicht mehr achten und
wirklich beschützen!

Rosa Posekardt

 


 

Ein letzter Blick

Ach altes Haus du tust mir leid
bald geht’s dir an den Kragen
es bleibt mir nur noch wenig Zeit
dir Lebewohl zu sagen.

In letzter Zeit da dacht ich oft
wenn ich noch einmal reingehn könnt
ein Zufall hat mir unverhofft
diesen letzten Blick gegönnt.

Frag nicht was ich dabei gefühlt
Erinnerungen wurden wach
es hat sich so viel abgespielt
unter deinem roten Dach.

Ich möchte nicht danebenstehn
wenn du zusammensackst
es tät mir doch ein wenig weh
wenn du dann knirscht und knackst.

Es tut mir wirklich leid um dich
das wollt ich dir noch sagen
wenn es passiert ist werde ich
im Herzen Trauer tragen.

So oft mein Weg vorüber führt
das solltest du noch wissen
egal wie schön das Neue wird
ich werde dich vermissen.

Rosa Posekardt

 


 

Der Seelenbaum

Ich hatt einen Traum ich geb sonst nichts drum
doch dieser der lässt mich nicht los

es gab auf der Welt nur einen einzigen Baum
verkrüppelt und kahl und bloß

Die nackten Zweige gen Himmel gereckt
schien er mir doch seltsam schwer

und obwohl ich kein lebendes Wesen entdeckt
war’s wie Weinen rund um mich her

Die Erde ringsum war ein Trümmerfeld
aus dem es noch hier und da rauchte
die zerborstenen Straßen die lagen voll Geld
doch es gab.keinen mehr der es brauchte

Denn auch mich nein auch mich gab es plötzlich nicht mehr
wie verrückt manche Träume doch sind

bis auf den Traum war die Welt nun ganz leer
und ich war nur ein Seufzer im Wind

Und ich geisterte mit um den Seelenbaum
ich weinte und klagte und schrie

dann bin ich erwacht und es war nur ein Traum
doch vergessen kann ich ihn nie

Rosa Posekardt

 


 

Eine Hühnerhofgeschichte

Versuch doch mal, dir vorzustellen, du wärest ein Huhn. Wenn du das nicht kannst, hör endlich auf, dieses alberne Lied zu trällern oder zu pfeifen: "Ich wollt‘, ich wäre ein Huhn" Stell dir ganz einfach vor, du wärst Gacka, das letzte Huhn in unserem Stall. Gacka hatte es nicht leicht, eben weil sie das letzte Huhn war, das Huhn, nach dem alle anderen Hühner hacken dürfen. Zum Futterplatz durfte sie auch erst gehen, wenn sich alle anderen sattgefressen hatten, und selbst dann musste sie noch mit den dreistfrechen Spatzen teilen.

Und der Hahn, der ja auf dem Hühnerhof das Sagen hatte, also der hatte sie noch nie eines Blickes gewürdigt Nachts, wenn die Hühner auf den Stangen saßen, jedes auf seinem Stammplatz, hockte Gacka im dunkelsten Stall, weit weg von den anderen, damit deren spitze Krallen und Schnäbel sie nicht erreichten. Es ist wirklich ein hartes Los, das letzte Huhn sein zu müssen. Über Tag, wenn der Hahn herumstolzierte, putzten die Hennen ihr Gefieder, spreizten sich und taten ihrem Herrn und Meister schön. Immer, wenn Gacka versuchte, seine Aufmerksamkeit zu erlangen, bekam sie von den anderen Schnäbelhiebe und Krallenfüße zu spüren und wurde mit lautem Gekakel in die letzte Ecke des großen Auslaufs gejagt.

Dahin, wo so einiges altes Gerät und Gerümpel lag. Zu zweit oder gar zu dritt stürmten sie dann auf Gacka los, bis sie die Flucht ergriff und sich in ihrem Winkel, so einer Art Höhle, verkroch. Das war da, wo eine alte Schubkarre ohne Rad gegen einen Haufen Büsche gelehnt worden war. Das war Gackas Fluchtburg. Sogar eine Freundin hatte sie dort. Sicher hätten es die anderen Hühner abartig gefunden, wenn sie es gewusst hätten, denn Gackas Freundin war eine alte Spinne, die Guckemalda hieß. Freilich, auch sie hatte so ihre Eigenheiten und konnte sehr launisch sein. Aber wenigstens hatte sie keine spitzen Krallen und Schnäbel.

Allerdings, wenn sie schlechte Laune hatte, konnte sie ganz schön spitze Bemerkungen machen, dann tat Gacka meist, als hätte sie nichts gehört. Und als Gacka sich wieder einmal mit einem erleichterten Seufzer in ihre Höhle plumpsen ließ, fauchte sie vorwurfsvoll: „Pass doch auf, du dummes Huhn, du hast schon wieder eines meiner schönsten Netze zerrissen mit deiner groben Art" Gacka murmelte völlig atemlos: "Tschuldige, sie, die anderen, du weißt schon, waren heute sehr angriffslustig. ‚Ja, ja, das sieht man, ach ach, wie sie dich wieder zugerichtet haben, dein Kamm blutet und so zerrupft haben sie dich, deine schönsten Federn sehen aber ausgesprochen traurig aus. Komm her, Gacka, ich werd dir ein paar alte Spinnweben auflegen, das kühlt und heilt.

Gacka seufzte zufrieden und entspannte sich. Guckemalda ging wieder ihrer Lieblingsbeschäftigung nach, sie spann, reckte fleißig ihre dünnen Spinnenbeine, um ein Netz nach dem anderen zu weben. Über dem ganzen Anwesen lag friedliche Stille. Gacka war gerade ein bisschen eingedöst, genau wie Pascha, der stolze Hofhahn, und all die anderen Hühner, die im Augenblick nicht mit Eierlegen beschäftigt waren. Da brachen mit wildem Kriegsgeschrei die Ferienkinder in die Obstwiese ein, die neben dem Hühnerhof lag. Pascha stieß einen empörten Hahnenschrei aus. Das hätte er lieber nicht tun sollen. Einer der Buben musterte ihn gründlich und meinte dann: "Großer Häuptling, schau, dieser Hahn hat genau die Federn, die dir und uns noch fehlen." Die Buben tuschelten noch eine ganze Weile. Einer von ihnen sagte zaghaft: ‚Das dürfen wir bestimmt nicht: "Jaa, entgegnete der große Häuptling, wenn man vorher fragt.

Die Mädchen kamen herbei und wollten wissen, was Sache war. Häuptling Weiße Feder entgegnete würdevoll, das sei Männersache. Daraufhin fingen die Mädchen an zu kichern und zu tuscheln und die kleinste rief spöttisch: ‚Wir hören immer Männersache, wir sehen aber gar keine Männer, bloß so‘n paar aufgeblasene Milchreisbubis mit einer riesengroßen Klappe. Die Milchreisbubis wurden wütend und jagten hinter den Mädchen, die kichernd den Rückzug antraten, eine Weile her. ‚Blöde lschen sagte der Größte, „lasst sie laufen‘. Und wieder ging’s in Richtung Obstwiese und Hühnerauslauf. Warum, wollten die Buben wissen, Ischen scheuchen war doch wenigstens Action, fand ich echt cool. ‚Wir könnten mal den Hahn einfangen und die Federn besorgen, auf die der Häuptling so wild ist" meinte einer. Ein anderer schlug vor "Wir könnten auch diese blöden, ewig gackernden Hühner anpinkeln, dann denken die es regnet. Ach das ist blöd."‚Nee lass mal, das ist jovelente! Wir machen da ne Feuerwehrübung von. Wenn ich sag Schläuche ausfahren macht ihr euren Hosenstall auf und wenn ich sage Wasser marsch, geht’s los.

Alles klar? Erst mal näher ran. Schläuche ausfahren klappte prima. Bei Wasser marsch fing der Kleine an zu jammern: Ich kann nicht auf Kommando! Mensch, dann tuste eben so als ob zischte sein Nebenmann. Fitti machte gehorsam pschschschsch. Da klang vom Stall eine zornige Stimme herüber. Da soll euch doch der Deubel beim Hintern kriegen, ihr verdammten Lauser, ihr Blagernjarnagel, verschwindet, aber flott, sonst mach ich euch Beine. Die Jungen verstauten eilig Ihre Pinkelmaschinen-schläuche wieder im Hosenschlitz und standen dann ziemlich belämmert an der Ecke herum. Aus so manchem Hosenbein tropfte es noch ein bisschen. Natürlich hatten die Mädchen sie belauert und standen nun schadenfroh grinsend herum: Habt vergessen eure Schläuche rechtzeitig abzustellen? wollten sie wissen.

Gacka war auch mächtig schadenfroh, Schau doch mal Guckemalda, gluckste sie, wie sich plustern, wie sie gakeln und spektakeln diese eingebildeten Hühnerweiber. Gacka verdrehte vergnügt ihre Hühneraugen. Die anderen schimpften und krakeelten noch eine ganze Weile. Wenn die Kinder ihre Sprache verstanden hätten, würden sie sich in Zukunft hüten diese regenwurmähnlichen Wasserschläuche in der Hühnerhofnähe auszupacken. Aber an diesem Tag wollten die Aufregungen kein Ende nehmen. Die Frau, die Ihnen immer das Futter brachte, trug zusammen mit dem Mann, der immer im Stall arbeitete eine große Kiste in den Hühnerauslauf. Misstrauisch beäugt von allen Hühnern. Majestätisch stolzierte Pascha herbei. Sogar Gacka traute sich näher heran. Der Mann öffnete die Kiste und da hopsten unruhig glucksend und gackernd eine ganze Menge brauner Hühner heraus. Die Frau und der Mann nahmen die Kiste hoch und gingen wieder.

Die braunen Hühner standen zuerst ziemlich bedeppert in der Gegend herum, dann schickten sie sich an das Gelände zu erkunden, kratzten und scharrten hier und dort ein bisschen und bewegte sich langsam auf die weißen Hühner zu. Die weißen waren empört! So mir nichts dir nichts, kommen an und machen sich hier breit. Natürlich haben sie es auch auf unseren Hahn abgesehen und auf unsere Schlafstangen und Legekästen und unser Futter, alles, alles werden wir mit ihnen teilen müssen. Scheinbar harmlos nach Körnern pickend, näherten sie sich den braunen Neuankömmlingen und fielen dann mit viel Gekakel und Gegacker über sie her. Die Braunen stoben ganz entsetzt in alle Richtungen davon. Mit einem dreifachen Kikeriki verschaffte Pascha sich Respekt Da duckten die weißen ihre Köpfe und senkten alle ihre Hühneraugen.

Pascha musterte die neuen braunen Hühner mit Kennermiene. Erfreuliche Abwechslung dachte er und stolzierte besitzergreifend um sie herum. Siehst du, sagte eine Henne zur anderen, es geht schon los. Wie er die Augen verdreht, dieser Gockel, wie er um die neuen herumscharwenzelt Darauf macht euch man gefasst, für uns ist es erstmal aus, so mit dem puttke puttke und tuttke tuttke. Er wird natürlich den braunen Hühnern nachsteigen. Auch Gacka musste ihren eben erst geträumten Traum begraben. Hatte sie doch gehofft, dass eines der neuen Hühner in ihre Stellung gejagt werden könnte, aber so wie der von ihr so heiß begehrte Hahn auf die neuen reagierte, war damit nicht zu rechnen und sie würde weiter das letzte Huhn sein müssen. Nach einigen Tagen hatten sich die Weißen an die Braunen gewöhnt und alles lief wie immer. Alles wie gehabt, alles Routine. Als im Herbst die Vögel sich reisefertig machten, wurde Gacka wieder von Fernweh gepackt. Voller Sehnsucht schaute sie den Vogelschwärmen hinterher. Die heiser klingenden Schreie der Kraniche zogen ihr das Herz zusammen, sie rannte wild durch das ganze Hühnerhofgebiet und breitete ihre Flügel aus, da kam just in diesem Augenblick ein Windstoß daher, und wirklich sie konnte fliegen, wie sie es den Vögeln abgeschaut hatte und der Wind trug sie hoch und höher!

Als der Wind dann nachließ, landete Gacka auf einem großen Baum. Ihr Herz raste wie verrückt und es war eine Freude in ihr, die gar nicht zu beschreiben war. Sie, Gacka, das letzte Huhn, sie war geflogen. Wirklich und wahrhaftig geflogen. Das musste sie unbedingt gleich Guckemalda erzählen. Wenn, ja wenn sie nur erst mal wieder in ihrer Höhle wäre. Vorsichtig neigte Gacka sich ein wenig vor und verdrehte ängstlich die Augen. Welch ein Abgrund! Nach einer Weile riskierte sie noch mal ein Auge. Huii, fast wurde ihr schwindelig. Aufgeregt begann sie mit den Flügeln zu schlagen, aber Anlauf nehmen, nein, das geht hier nicht. Ergeben schließt sie die Augen, um erst einmal nachzudenken. Im Hühnerhof herrschte derweil große Aufregung: ‚Habt ihr das gesehen,‘ sagt eine Henne zur anderen, Gacka ist weg, ist einfach, fast wie ein Adler, davongeflogen, rannte lang durch den Hühnerhof, schlug mit den Flügeln und flog einfach los.

Sensationell, sagte Pascha der Hahn, sie rannte also lang durch den Hof, schlug mit den Flügeln und flog los? Na das wollen wir doch mal sehn. Er übte und übte, aber es ging nicht Gak gak, sagte er ärgerlich, Larifaxen, wer will schon fliegen. Nun brach unter den Hühnerdamen ein heftiger Streit aus. Jede kämpfte gegen alle, keine wollte das letzte Huhn sein. Das konnte noch Tage so weiter gehen, bis die Rangordnung feststand. Gacka konnte sie hören und wenn der Wind die Zweige wegdrückte manchmal auch sehen, Wie klein sie waren von hier oben aus und hatten ihr doch immer Angst gemacht. Und Pascha dieser Wichtigtuer, dieser eitle Gockel, wie er trotz der Unruhe auf seinem Recht bestand! Komisch sah das aus von hier oben. Die Hennen stoben nach allen Seiten auseinander, wenn er sich näherte, sie wollten ihre Kämpfe austragen und gewinnen, nach Puttke Puttke stand ihnen nicht mehr der Sinn. Gacka dachte, dummer Pascha, komm her ich hätte jetzt Zeit für dich.

Ich brauchte ja nur, überlegte sie, brauche ja nur herunter zu fliegen, aber der Wind, der sie so hoch und weit getragen hatte war längst weiter gefegt und bis dass der wieder hier vorbei kam, konnte viel Zeit vergehen. Plötzlich war da unten ein wüstes Gekakel und Geglucke, die Herbstferienkinder hatten Pascha gepackt und rissen ihm die schönsten Federn aus dem Schweif. Diese Rohlinge, das tat doch weh; um besser sehen zu können, wagte sich Gacka auf dem zweithöchsten Ast des Apfelbaumes zu weit vor und schwebte ängstlich zappelnd und gackernd der Erde entgegen. Nachdem sie ihre luftige Reise beendet hatte, fuhr sie mit einem wütenden schrillen Kampfruf den ruchlosen Federdieben an die nackten Hacken. Die suchten ganz entsetzt das Weite. Ach, ach, ach wie sah der einst so stolze Hahn nur aus. Seiner schönsten Zierde beraubt stand er traurig und bedeppert in der hintersten Ecke des Hühnerhofes.

Als Gacka ihn trösten wollte, fuhr er sie zornig an. Dumme Pute, ja wirklich, dumme Pute „ sagte er zu ihr, ist doch alles deine Schuld. Wenn du nicht weggeflogen wärst, sag mal Gacka wie hast du das eigentlich gemacht? Wenn du es mir beibringst, könnten wir doch zusammen wegfliegen. Gacka zerschmolz fast vor lauter Glück und sagte gnädig: Ja gut, ab morgen können wir ein bisschen üben, ich bin müde von der weiten Reise, das wirst du doch verstehen. Pascha war zufrieden. Er würde fliegen lernen, das war mal sicher und die dumme Gacka, die vor Verlangen nach einem Puttke Puttke-Stündchen fast schielte, die würde er auf der Reise einfach verlieren, na klar. Gacka zog sich in ihre Höhle zurück. Guckemalda zeigte sich wenig beeindruckt von Gackas Erlebnissen. Sie reckte und streckte schläfrig ihre langen, dünnen Spinnenbeine und sagte: Ah bah, dieser Gockel hat dir den Kopf total verdreht, ich sehe schwarz, sehr schwarz für deine Zukunft! ‚Was siehst du denn, wollte Gacka wissen.

Aber Guckemalda hüllte sich in Schweigen. Nach einer Weile wollte Gacka dann wissen: ist es war, dass ihr eure Männchen nach der Hochzeit ganz einfach auffresst? Wie viele Männchen hast du schon gefressen? Da wurde die Spinne böse! Giftig sagte sie: ‚Das ist doch die einzig vernünftige Lösung. Klar braucht man ab und zu einen Spinnenmann. Aber später nach der Hochzeit wäre er nur im Weg, würde faul in sämtlichen Netzen rumhängen, Ansprüche stellen und rummeckern. Nein, nein! Spinnenfrauen mögen das nicht, die Männchen aufzufressen ist das einzig richtige. Gacka wurde nachdenklich. Auffressen konnte sie den Hahn natürlich nicht, aber dafür sorgen, dass er auf dem Speisezettel der Frau landete, die ihnen immer das Futter brachte. Ja, das würde gehen. Aber das konnte auch gemein ins Auge gehen.

Vorher allerdings würde sie mit ihm fliegen üben müssen, um einmal von ihm in gebührender Weise hofiert zu werden. Vor allen anderen, mit Kratzefuß und rumgegaker mit Puttke Puttke und allem drum und dran. Gacka verdrehte erwartungsvoll die Augen und Guckemalda, die Spinne kicherte los: Hihihi, ich sehe dir an, wovon du träumst Gacka wurde zornig und zischte: Pschscht pschscht, darüber spricht man nicht. Die Spinne schüttelte sich vor Lachen, so dass all ihre schönen feingesponnenen Netze sachte zitterten. Ich weiß, ich weiß, japste sie, ‚man spricht nicht darüber, weil das unanständig ist, aber denken, denken könnt ihr dummen Hühner an nichts anderes hihihi.‘ Da wurde Gacka ein bisschen rot.

Am anderen morgen, als all die anderen Hühner noch dabei waren ihr Gefieder zu pflegen und sich schön zu machen, kam Pascha anstolziert, um seine erste Flugstunde zu nehmen. Gacka tat, als sei sie eben erst erwacht, sagte, es sei noch früh, und im übrigen hätte sie Hunger. ‚Und wie du weißt, sagte sie zu ihm, es kann dauern, bis ich Futter kriege, denn ich darf ja erst zum Futterplatz, wenn alle andern satt sind. Mit leerem Magen kann ich dir nicht zeigen wie man fliegen lernt. Scheinheilig schaute Gacka zu Boden und tat sehr verlegen, schielte aber aus den Augenwinkeln, um die Wirkung ihrer Worte zu testen. Pascha, nur noch halb so imposant ohne seine prächtigen Schwanzfedern, wollte nur noch weg, weil seine anderen Hühnerweiber sich über ihn lustig machten. Pascha sagte: ‚Also, du wirst mit mir, vor allen anderen Hühnern zum Futterplatz gehen und kannst fressen, soviel du magst. Aber dann zeigst du mir, wie man fliegt! Eins nach dem anderen, meinte Gacka, ‚da ist noch diese andere Sache, du weißt schon, die, über die man nicht spricht. Ach das, versuchte Pascha sich rauszureden, das machen wir später. Nix da! Gacka wurde energisch, auf dem Futterplatz. nach dem Fressen, vor allen anderen Hühnern, den neuen braunen und den anderen weißen, hörst du, sonst bring ich dir gar nichts bei, schon gar nicht das Fliegen.

Wohl oder übel nahm der ehemals so stolze Hofhahn die Bedingungen an. Man denke, er der Herr über die 30 bis 35 braunen und weißen Hennen, ließ sich vom letzten Huhn herumkommandieren, beeilte sich direkt, ihr alle Wünsche zu erfüllen. Ging beschützend vor, neben und hinter ihr her, Gacka sah hochmütig über alle Hühner hinweg, das war ihre Stunde. Die anderen Hühner verrenkten die Hälse und verdrehten die Augen, tuschelten und begackerten dieses seltsame Schauspiel. Pascha jagte jedes Huhn sofort in die Flucht, wenn sie der eingebildet glucksenden Gacka zu nahe kamen. Die fraß und fraß, als wenn sie gar nichts übrig lassen wollte. Endlich, endlich schien sie satt zu sein. Die Hühner wollten sich auf ihre Morgenmahlzeit stürzen, hielten aber verdutzt inne, was war los mit Pascha? Nun balzte er doch wirklich in allerschönster Hahnenmanier um das letzte Huhn, um diese Gacka herum, machte Kratzefüße und stolzierte mit geschwollenem Kamm vor ihr her und drumherum, ach, ach, ach, war das komisch. Pascha, seiner schönsten Federn beraubt, und diese magere, total zerfledderte alte Gacka.

Als Gackas Traum sich erfüllt hatte und alles vorbei war, das Fressen und diese andere Sache, die, von der man nicht spricht, fing sie an, Pascha durch den ganzen langen Hühnerhof zu scheuchen. Immer wieder, und immer hatte sie was zu meckern und zu mäkeln: Du läufst nicht schnell genug, du musst die Flügel schneller bewegen, du rennst mit dem falschen Fuß los. Pascha war schon mittags mächtig am schnaufen. Nachmittags hörten die Hühner die Frau, die immer das Futter brachte, sagen: Also, der Hahn ist reinweg unwies, seitdem die Burschen, diese Lauser, ihm die Schwanz-federn ausgerissen haben, der ist glaube ich reif für die Röhre. So etwas hatte die Frau schon oft gesagt und danach hatte dann immer ein Huhn oder ein Hahn gefehlt.

Die Hühner warnten Pascha, aber er wollte nichts hören. In die Röhre? Nein, in die Röhre wollte er auf keinen Fall, lieber fortfliegen vom Ort seiner Schande und Unterwerfung. Er übte und übte, aber noch immer hatte Gacka etwas an ihm aus-zusetzen. Wie willst du den richtigen Aufschwung kriegen, mit so einem lahmen Flügelschlag, gluckste sie. Pascha japste nach Luft und röchelte: ‚Morgen, Gacka, lass uns morgen weiter üben. Ich kann nicht mehr. Als Gacka ihrer Freundin, der Spinne, erzählte, wie die Sache gelaufen war, lachte die schadenfroh los. ‚Hab‘s gesehen, hab‘s gesehen‘, kicherte sie, war gefährlich für mich, hab mir ein Netz hoch im Zaun gebaut, hab zugesehen, war köstlich, wie euer eitler Hahn da immerzu hin und her geflitzt ist . Ja, und hast du auch gesehen, wollte Gacka wissen, wie er mich zu Futterplatz geleitet hat und ich als allererste mir die leckersten Körner picken durfte? ‚Ja, ja, kiekste Guckemalda, und wie ihrs da getrieben habt vor allen anderen Hühnern! Sag mal, hast du dich nicht geschämt? Wo denkst du hin, sagte Gacka aufgeregt, das ist eine Ehre. Nur darüber gackern und reden darf man nicht, das gehört sich nicht. Ja und nun, wie geht es weiter, erkundigte sich die Spinne. Ach, wenn ich ihn morgen noch mal üben lasse, sagte Gacka und betrachtete beinahe gelangweilt all die Netze ringsum, also ich glaube, so gegen Mittag wird die Frau ihn sich packen...‘So! Ja genau so, ist es dann auch gekommen.

Danach war lange Trauer im Hühnerhof und niemand, ich meine keins der anderen Hühner, vermisste Gacka ‚die tage- und wochenlang in ihrer Höhle saß und nur kurz zum Futterplatz schlich. Gacka war zu beschäftigt und voller Vorfreude. Es war ein unbeschreibliches Gefühl diese Erwartung, sogar Guckemalda war aufgeregt. Eines Tages spürte Gacka unter sich, wie es in einem der Eier, die sie heimlich in ihrer Höhle gelegt und bebrütet hatte, ja ‚ wirklich, da pochte es ganz sacht, dann pochte und klopfte es auch in den anderen. Dann schlüpften aus all den Eiern winzige gelbe piepsende Küken aus. Gacka war selig. Der einzige Traum ihres Hühnerdaseins hatte sich erfüllt. Guckemalda sagte neidlos aber nachdenklich: ‚Weißt du; Gacka, es ist schön und nicht schön Kinder zu haben, jetzt kannst du sie noch beglucken und behüten, aber du wirst sehen, eines Tages laufen sie in alle Richtungen davon. Haben meine auch getan.

So wird es wohl kommen, antwortete Gacka, aber nun muss ich gehen und ich werde nicht mehr so oft kommen können, denn jetzt hab ich zu tun. Jetzt gehört mir auch der beste Platz im Stall, und wehe, wenn eine der anderen Hennen meinen Jungen zu nahe kommt. Gacka versammelte ihren piepsenden Nachwuchs um sich und begab sich mit glucksenden Lockrufen auf den Weg zum Stall, um ihren Platz einzunehmen. Ui, war das ein Aufruhr, als Gacka mit ihren keck um sich blinzelnden Küken daher kam. Keines von den anderen Hühnern hat es von da an am nötigen Respekt fehlen lassen. So wuchs Gackas Nachwuchs, von allen bewundert und bestens gehütet, heran. Aus den piepsigen, gelben Küken wurden hübsche weiße Hühnerchen, von denen eines irgendwann früh morgens an zu krähen fing.

Da war Gacka vollends glücklich und all die anderen Hennen sagten: Hört, hört, wir haben wieder einen Hahn. Ein bisschen krähen üben muss er noch, aber das wird. Wurde es auch. Getreulich kam der junge Hahn all seinen Verpflichtungen nach, morgens früh weckte er das ganze kleine Dorf, seine Leute und seinen Hühnerharem. Aber nachts, ja nachts da hatte Hipphopp, so hatten sie ihn genannt, weil er so hübsche Balztänze machte, nachts hatte er fast immer den gleichen Traum: Fliegen, weit fliegen, wie ein Adler hoch zur Sonne, oder mit den Schwalben in die fernen Länder, von denen sie immerzu schwatzten. Davon träumte Hipphopp sein Leben lang.

Rosa Posekardt

 


 

 Lieb Vaterland
Ein Alptraum zu Ende!

Es fällt mir immer noch schwer darüber zu sprechen. Am liebsten würde ich all das einfach vergessen, wie alle anderen auch, die nicht gerne an diese Zeit erinnert werden. An diesen schrecklichen Krieg. Vierzehn war ich als er anfing.

Wenn ich mich zu sehr in all das Leid und Elend vertiefe, zu sehr in Erinnerungen krame, kommen diese grauenhaften Träume wieder, die ich nicht mehr träumen will.

Nur so ein paar Begebenheiten will ich schildern. Wir waren schon evakuiert. Wir, das waren die junge Frau eines Offiziers der Luftwaffe, ihre beiden Kinder, ihre Mutter, ihre Schwester und ich. Auf einem Bauernhof in Ostbevern waren wir verhältnismäßig gut untergebracht, dank Vitamin B.

Einmal waren wir, meine Chefin und ich mit den beiden Buben nach Münster gefahren, weil sie was zu erledigen hatte. Was immer es auch war, es ist nicht erledigt worden, denn kaum waren wir aus dem Zug, da gab es Fliegeralarm und es ging in den Bunker.

Umfallen konnte man nicht, und damit die Kinder nicht erdrückt wurden, haben wir sie auf den Arm genommen. Als die Bomben einschlugen schrien die Kinder und auch einige von den Erwachsenen. Rechts von uns waren ein paar Frauen die wohl grade beim Friseur gesessen hatten, wegen Dauerwellen. Sie hatten die damals üblichen Lockenwickler drin und um die Schultern so einen Frisierumhang. Niemand hat sich darüber mokiert, denn jeder war mit sich und seiner Angst beschäftigt.

Noch ein Treffer und noch einer, dieses dumpfe Dröhnen, dieses bersten und krachen. Putz und Mörtel bröckelten, hier und da klaffte ein Riß.

Angst breitete sich aus und wäre beinahe in Panik umgeschlagen. Just in diesem Augenblick stellte mir der Junge, der seinen Kopf an meine Schulter gelegt hatte, die Frage: “Rosa, weißt du warum der liebe Gott uns jetzt nicht hilft?“ „Nein“ sagte ich „das weiß ich nicht, aber vielleicht können wir ihn ja gleich fragen. So einen Treffer noch und wir sind da.“

Die Leute, die uns am nächsten standen, sahen uns an und irgend jemand wollte wissen: „Haben Sie keine Angst?“

Ob ich Angst hatte? Klar hatte ich die, ich spüre sie noch heute.

Nach der Entwarnung haben wir nur kurz nachgesehen ob im Haus unserer alten Dame alles in Ordnung war und sind mit dem Bus wieder zurückgefahren. Das hört sich heute, wo alles so toll geregelt ist, so einfach an.

Erst mal die neuen Haltestellen suchen, und warten, geduldig warten.

Kurz bevor der Krieg zu Ende ging, hat es Münster noch einmal so richtig erwischt. Das weiß jeder der zu dieser Zeit in, oder so wie wir, in der Nähe von Münster wohnte.
Nie vergesse ich dieses Gefühl von Hilflosigkeit und Zorn, wenn wir sehen konnten, wie das Leitflugzeug sein Angriffszeichen setzte –und dann kamen die anderen -und stürzten sich auf diese Stadt, auf meine Stadt.

Und dann wahr der Krieg vorbei. Natürlich wollte unsere Grande alte Dame wieder wissen, ob ihr Haus noch stand und meine junge Gnädige hätte gern gewußt ob ihre Wohnung noch in Takt war und ich wollte nach Hause.

Nach Hause! Wissen ob meine Schwestern, mein Vater,- ja wirklich ich hatte Heimweh. Eines Tages, machten wir uns also auf die Socken, meine Gnädige und ich. Wir gingen zu Fuß, es dauerte Stunden bis wir am ersten Ziel waren. Es war sehr warm, -völlig verschwitzt und verstaubt kamen wir an und freuten uns schon auf Wasser und Seife und vielleicht’ne Tasse Kaffee oder Tee.

Aber damit war’s Essig, leider. In dem Haus an der Achtermannstraße gingen Plünderer ein und aus, die das sorgsam gehütete Stofflager ausräumten. Wir haben uns beide nicht hineingetraut. Meine Gnädige fing an zu weinen.
Das Haus hatte wohl auch gebrannt, im Dach ragten schwarz verkohlte Sparren wie anklagend empor. Was sollte ich machen, jemand mußte sie trösten. Also pfiff ich alle auf Distanz und nahm sie fest in die Arme und hab sie sachte, sachte weggeführt und dann ging’s weiter.

Wir waren beide müde, kaputt und hungrig und sie hatte mächtig dicke Blasen an den Füßen. Vielleicht, meinte sie hoffnungsvoll, kann ich mir ja in meiner Wohnung ein paar bequeme Treter anziehen und dann ruhen wir uns erst mal aus.

War wohl nichts mit ausruhen und mit bequemen Tretern auch nicht. Nicht nur ihre Wohnung war aufgebrochen und fremde Leute trugen Möbel, Teppiche und alles Mögliche heraus. Sie hätten, sagten sie, die Genehmigung dazu.

Hier konnten wir nicht bleiben, das war klar, selbst wenn die Betten noch da sind, ich hätte Angst hier zu schlafen. Vielleicht können wir zu mir nach Hause gehen, schlug ich vor, oder wollen Sie nach Ihren Freundinnen und Bekannten suchen, dann müßten Sie aber allein gehen.- Ich will nach Hause, -sie ging mit.
Endlich, -endlich kamen wir an unserem Haus an. Es war heil und unversehrt. Voller Ungeduld und Erwartung klopfte ich an. -Niemand öffnete. „Wir gehen hintenrum“, sagte ich und wollte gerade in die Waschküche gehen, -die Tür stand weit auf, da kam so ein baumlanger Neger und schob mich und meine Gnädige auf einmal, wieder hinaus.

„Nix hier“, kauderwelschte er, „machen fix weg hier Girls, nix zu suchen in diese Haus.“ „Ja, aber wo? Wo sind die Leute?“ wollte ich wissen. „Gehen da hin, fragen Kommandant, der vielleicht wissen, nun gehen aber snell, hier nur lauter Negermänner, fressen gerne lecker Girlys to Breakfast.“ -Er machte „Huh“ und verschwand im inneren des Hauses. -Nun war ich diejenige die heulte.

Eine Nachbarin konnte mir helfen, sie wußte:
- das unser Papa noch in der Klinik war,
- wo meine Schwester untergekommen war,
- wie die viele Munition in unseren Garten kam,
- das die schwarzhäutigen Soldaten jede Menge Krach machten und, und, und.

Nur ein paar Straßen weiter fand ich meine Schwester und die anderen Weibsen die bei Papa untergekrochen waren. Papas Zeitungsfrau, die ihn gut leiden konnte, hatte sie bei sich aufgenommen, obwohl sie auch schon Verwandte aus der Stadt bei sich wohnen ließ.

Und auch uns nahm sie noch auf. Endlich konnten wir die Schuhe ausziehen, kriegten was zu Essen und fielen anschließend todmüde ins Bett.- Das da noch eine der Frauen mit reinkroch, haben wir nicht mehr gemerkt.-

Am anderen Morgen erfuhr ich von meiner Schwester, woher die Munition stammte, die im Garten meines Elternhauses gestapelt war.- Eine „fliegende“ Meldestaffel der deutschen Wehrmacht hatte sie dort gelagert und das Haus teilweise beschlagnahmt.- Der junge Leutnant, der die kleine Truppe befehligte, war wohl auch vom Heldenkoller befallen, denn er schickte all seine Soldaten noch an die Front -und die war gar nicht so weit weg.-

Einige von ihnen liegen auf dem kleinen Heldenfriedhof in der Gasselstiege. Er selber aber sei mit hocherhobenen Händen und in stolzer Haltung mutig dem Feind entgegen gegangen.

Für einige Kinder aus der Nachbarschaft, die sich immer in der Nähe der Soldaten herumgedrückt hatten, -weil sie neugierig waren, -für einige von ihnen war diese Neugier tödlich.

Sie hatten Handgranaten stibitzt, hatten sie an einen Strick gebunden und zogen sie hinter sich her.- Drei Kinder waren es. Drei Jungen zwischen vier und sieben Jahren. Ich hab sie gekannt, flüchtig, weil ich ja kaum zu Hause wahr.

Auch jetzt mußten wir wieder zurück nach Ostbevern, meine Gnädigste und ich. Allerdings hat sie auf dem Weg zurück einige Leute aufgesucht und schon mal Kontakte geknüpft um wieder nach Münster übersiedeln zu können.

Zu Pfingsten bekam ich frei und bin wieder mutterseelenallein nach Münster gegangen. Nach Hause. Wir hatten unser Haus wieder. Es wahr trotz Waterklosett für die Besatzer nicht gut genug gewesen.

Die Munition lag immer noch da. Dabei hatte der. englische Kommandant, der im Haus schräg gegenüber wohnte, doch versprochen, daß sie geräumt werden sollte, wenn andere dringendere Aufgaben gelöst wären.- Nun ja, ich wußte ja nicht, was da alles so dringend war, nur, daß es sicher eine ganze Menge zu tun gab.

Jedenfalls war ich froh, daß es diesmal meine Schwester war, die mir im Hof entgegenkam. Im Haus war beinahe alles wieder in Ordnung. Was hatten wir zu erzählen und zu tun!
Die anderen Frauen haben kräftig mit zugepackt, -sie waren ja froh ein Dach über dem Kopf zu haben. Über all das hatten wir gerade geredet, meine Schwester und ich, da kam Besuch.

Ein junger Soldat der Besatzung kam herein, klopfte auf eine Tasche die er in der einen Hand hatte und stellte eine Frage, bloß verstanden hatten wir ihn nicht. Er gab aber nicht auf: „Do you nix English speaken“ fragte er weiter. Wir schüttelten verneinend den Kopf. Da stülpte er einfach die Tasche um.

Das waren, ja wirklich, lauter schmutzige Soldatensocken. Er nahm so einen Socken in die Hand und machte eine typische Handbewegung. Wir haben über seine Pantomime sehr gelacht, und wußten was er wollte. Socken waschen für Kommandant. Danach versuchte er uns Englisch beizubringen. Gegen Abend ging er.

Mir machte es ein wenig Angst, daß die Soldaten einfach so hereinspazieren konnten. Man hörte so mancherlei. Am anderen Nachmittag kam er wieder und wir kriegten wieder eine Lektion Englischunterricht. Bis zum Abend hatte sich unsere Aussprache auch etwas verbessert. -„This is my Face, this is my Nouse and this ia my Mouth, my Ears and my Eyes!“ Als er gegangen wahr, trieb er sich noch eine ganze Weile im Garten herum.

Ich mußte am anderen Tag meinen Dienst wieder antreten, -sollte mich an der Achtermannstraße einfinden, um im Haus unserer Grande Dame Ordnung zu schaffen. Sie hatte es, bis auf ihre Wohnung den VEW vermietet und die betriebseigenen Handwerker setzten das Haus wieder instand, so das wir vor Plünderern keine Angst zu haben brauchten.

Also machte ich mich auf den Weg, sagte noch: „Bis heute abend“ zu den Weibsen und zog die Tür zu. Im Garten hantierte der junge englische Soldat mit der Munition herum.
Er rief mir zu „Hello Blondie“ und winkte. Ich winkte zurück und rief „He Soldat, this is my Finger und der macht so“. Ich machte eine Schimpfgebärde, wie Mütter sie machen, wenn Kinder ungezogen sind. Er schickte mir ein vergnügtes Lachen hinterher. Als ich beinahe die Hauptstraße erreicht hatte, gab es einen dumpfen Schlag und eine Druckwelle hob mich und einige andere Leute, die auch grad unterwegs waren, fast aus den Socken.

Du lieber Gott dachte ich entsetzt, der hat doch wohl nicht.

Mir ging den ganzen Tag, bei all der Aufräumplackerei, dieser Gedanke nicht aus dem Kopf. Abends als ich nach Hause kam, saßen meine Schwester und die beiden anderen Frauen heulend, blaß und völlig verstört in der Küche. Der junge Soldat war tot. Er hatte wohl mit einer Panzerfaust hantiert, hatte sie auch abgeschossen und damit die Luftschutzmauer etwas demoliert. Der Feuerstrahl, der ja nach rückwärts losging, das hatten wir noch in der Schule gelernt, dieser Feuerstrahl hatte einen Stapel Handgranaten getroffen.

Man hatte die drei Frauen den ganzen Vormittag verhört, sie waren völlig fertig. -Ich auch. -So sinnlos, der Krieg war doch vorbei. -Immerhin wurde daraufhin die Munition entfernt.

Etwas später, wir fingen gerade wieder an uns unseres Lebens zu freuen, an einem wunderschönen Sonntag, ein paar Schulfreundinnen hatten mich zu einem Spaziergang abgeholt und wir wanderten durch die Felder. Dabei waren wir direkt schon wieder ein bißchen albern, wie das so Backfischart ist.

Wir hatten gerade die Köpfe zusammengesteckt und kicherten über einen belanglosen Scherz, da knallte es. Sofort verging uns das lachen. Wir rannten los in die Richtung aus der die Explosion gekommen war. Ein paar Jungen kamen uns entgegen.

„Geht nicht dahin“ sagten sie, „macht das ihr nach Hause kommt!! Wir müssen die Eltern der Kinder holen die da mit Munition gespielt haben“.

Da sind wir langsam und weinend nach Hause gegangen.- „Hört das denn niemals auf“, sagte meine Freundin und wir spürten wieder diesen hilflosen Zorn, mit dem man eben doch nichts ändern kann.

Und den spüre ich immer noch, wenn ich höre oder sehe wie die Menschen immer noch und immer wieder in einem heiligen Krieg brennen, morden und töten. Fürs Vaterland? Ja wirklich? Was sind denn das für Vaterländer, die ihre Söhne losschicken die Söhne anderer Vaterländer zu töten, Frauen zu schänden, Kinder zu verschleppen oder auch zu töten, einfach so!

Lästigen Ballast loswerden?
Wo bleibt denn da die Würde des Menschen?

Wenn ich darüber nachdenke, träume ich Nachts schlechte, ganz schlechte Träume. Dann wache ich oft schweißgebadet auf und bin froh, daß die unheimlichen Geräusche, die sich in so einem Alptraum wie rasselnde Panzer oder Tiefflieger in Aktion anhörten, sich als Schnarchkonzert entpuppen.

Manchmal werde ich auch wach davon, daß mein Mann, der diese Schnarchkonzerte nächtens gibt, ganz schrecklich stöhnt und jammert, wie in Todesangst. Dann muß ich ihn wachrütteln, bis er laut und klar Antwort gibt. Er träumt auch noch manchmal vom Krieg, von Monte Cassino.- Von diesem schrecklichen Kampf.

Es läßt uns nie ganz los, dieses Angsthaben, das da im Unterbewußtsein schlummert. Mir fährt heute noch ein heiliger Schreck durch sämtliche Glieder, wenn ich zum Beispiel, bei wunderschönem Wetter in die Stadt gefahren bin, durch die Straßen flaniere, in Geschäften rumstöbere, vor Schaufenstern stehe und plötzlich heulen die Sirenen los.

Flucht ist dann mein erster Gedanke. Unwillkürlich suchen die Augen nach dem schwarzen Pfeil, der die Richtung angab, zum nächsten Bunker oder Luftschutzkeller. Und dann die erlösende Erkenntnis: Probealarm! Etwas weiter vor mir, war es einer anderen Frau, die auch so in meinem Alter sein mochte, wohl genau so ergangen.- Sie hatte sich auch umgesehen. Verstand auch sofort, als ich sagte: „Brauchen wir nicht“. „Gott sei Dank“, antwortete sie, „aber man erschreckt sich noch immer“.

An diesem Tag, wo mir das passiert ist, bin ich so ganz bewußt und ganz langsam durch die Stadt gegangen und habe mich einfach nur über ihren Wiederaufbau gefreut. Vor dem inneren Auge dieses andere Bild, Trümmer, Schutt, Feuer und Rauch. Und wir mittendrin! Was hatten wir dir nur getan, lieb Vaterland!!

Rosa Posekardt


amanfang 2 270

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