Plötzlich..allein...

Plötzlich allein...
Welch eine Stille!

Die Stille ist für manche Menschen beängstigend, vor allem die, die man fast greifen kann....
Morgens um 6°° ist die Welt noch nicht wach. Sie ist quasi lautlos.
Ich mag diesen Zustand der Welt sehr, man kann so schön in die Stille hinein - denken.
Ein zögerliches erstes Zwitschern aus dem großen Apfelbaum gegenüber verrät mir, die Vögel werden auch langsam wach nachdem sie die Nacht in den Bäumen und Zweigen verbracht haben, vielleicht ebenso entspannt schlafend, wie ich in meinem Bett.

Der Himmel ist noch völlig blank geputzt, zeigt ein einheitliches Blau und nur vereinzelt zeigen sich kleine Wölkchen. Sicher haben auch sie langsam ausgeschlafen um ihre Reise quer über den Horizont anzutreten.

Schlafen sie je oder ziehen sie auch in der Nacht weiter, - frage ich mich. Der Himmel steht doch nie still.
Die Morgendämmerung kriecht langsam übers Land, selbst die Windräder schweigen und ich denke: wie fang ich 's an meinen Tag zu beginnen?

Schnell ist erzählt, mein Kater Merlin hat mich wieder geweckt indem er mir auf den Bauch sprang, dann wieder herunter hüpfte und nur von unten die Ärmchen nach mir ausstreckte um mich anzupochen.

Als ich aufstand und nachsah was er wollte, kam mir die Erkenntnis.

Sein Fressen stand schon seit gestern Abend im Näpfchen, aber er wollte es nicht alleine fressen.
Er brauchte Gesellschaft dazu und zeigte es mir.

Klar wie Kloßbrühe, zu zweit schmeckt es besser als wenn man es alleine vor sich hin-mümmelt. Menschen geht es ja ähnlich.

In Gesellschaft oder woanders in der Begleitung eines netten Tischnachbarn schmeckt es bedeutend besser. Man tauscht das Rezept aus, lächelt sich an, unterhält - und inspiriert sich.

Nun, mit dem Kater ein Tischgespräch zu führen ist nicht ganz so einfach, wenn der eine auf dem Boden nascht und der andere obendrüber nur zuschaut.

Inspiriert aber hat er mich durch sein Verhalten sodass ich dachte, ich könnte ja mal wieder ein Buch schreiben. Keines direkt über Katzen, aber über Verhaltensweisen und Zustände, eines über Erkenntnisse die man gewinnt.

Ja, wie fang ich's an?
Zum Schreiben braucht man die Stille und die ist ganz dicht um mich herum. Fast zu greifen und ich wünsche mir, dass die Worte, die Ideen dazu, - von ganz alleine aus meinem Hirn kommen.
Erst einmal ganz ohne erkennbares Thema über Menschen, das alleine leben, die Einsamkeit und die Gesellschaft der Menschen. Ob sie einem etwas bringt oder nicht und wenn ja, - "was"?

Angel

Vor ein paar Wochen ist einer meiner unmittelbaren Nachbarn gestorben, er hatte Krebs, den 3. und zum Schluss ging es ganz schnell. Ein Glück für ihn, denn er wollte nicht mehr.

Ich hatte sogar den Eindruck er freute sich auf den Übergang vom Leben in eine andere Welt, er war des Lebens und seines kranken hinfälligen Körpers einfach überdrüssig und müde.

Nun macht die Witwe, nicht mehr jung aber auch noch lange nicht alt, einen kleinen Kaffeeklatsch in ihrem Garten und Haus, je nach Wetter lädt sie einige Bewohner des Parks die sie näher kennt zu sich ein.

Dann möchte sie unbedingt und sofort wieder arbeiten um dem Alleinsein und den Erinnerungen zu entfliehen, denn es ist eine Flucht um den gemeinsamen Lebensbildern von 23 Jahren zu entkommen.

Wie wird es ihr damit gehen?

Wie geht es überhaupt Menschen die den Lebenspartner verlieren und alleine zurückbleiben?
Tiere hatte sie nie, weil es nicht in ihre Lebensplanung passte, anschaffen jetzt – kam nicht in Frage.
Zumindest jetzt noch nicht.

Sie hat zwar Verwandtschaft, aber die ist weit weg und hat ein anderes erfülltes Arbeits- – und Freundes-leben.
Soweit ich weiß, war sie nie eine besondere Kneipengängerin und hatte hier im Park keine nennenswerten Freunde, sondern nur ihren Mann, der nun nicht mehr da ist.

Davor hat sie ein wenig Angst wie sie mir erzählte. Jetzt allein – ein komisches Gefühl wozu jetzt noch die Trauer hinzukommt.

Parallelen werden in mir wach....
Wie habe ich das gemanagt als ich alleine zurückblieb?

Schließlich fühlt sich das plötzliche Alleinsein erst einmal ziemlich trübsinnig an, man weiß nicht so recht was mit seiner Freizeit anzufangen - wenn man es vorher nicht gewohnt war sie groß auszuleben.

Die tägliche Arbeit frisst einen praktisch auf und das Privatleben war bisher mit dem Partner erfüllt mit dem man Gemeinsamkeiten lebte.

Ein tiefes Loch tut sich erst einmal auf. Arbeit ist nicht alles im Leben, Arbeit beschäftigt nur, auch wenn sie dich ausfüllt.

Das düstere Loch nennt sich Langeweile, Unschlüssigkeit, zeigt sich planlos und unfruchtbar an. Ein Hobby könnte es sein, doch was, wenn man bisher keines hatte, die Arbeit und der Partner einem dafür keine, oder zu wenig Zeit ließ?

Neue Freunde? - alte Bekannte, die Verwandtschaft aufsuchen, plötzlich in Kneipen und alleine zum Essen gehen, kann man sich selbst noch nicht so richtig vorstellen – es fühlt sich einfach fremd an.

So ein bisschen wie das sprichwörtliche 5. Rad am Wagen zu sein, wenn überall nur Pärchen um dich herum sind, die sich selber genug sind.

Du hast doch überhaupt keine Lust auf neue Bekannte.

Doch die Stille im Haus erdrückt dich, keiner will was von dir, nicht mal ein Tier das dich anquatscht, solltest du dir wenigstens einen Vogel anschaffen damit wenigstens einer mit dir redet?

Du fliehst.

In die Arbeit, in irgendwie Beschäftigung - egal welche, doch wie lang, irgendwann musst du wieder heimkehren, dann ist das Haus immer noch leer.

Oh, jaja, ich kenne so einige Pärchen die sich nie getrennt haben, auch wenn sie es sich heimlich längst wünschten, - und zwar nur aus diesem Grund – ja nicht allein sein.

Allein die Befürchtung, du wirst schräg angeguckt, vielleicht sogar bemitleidet obwohl es dir doch offensichtlich - und irgendwann wieder - ganz gut alleine geht.

Das können Pärchen wahrscheinlich nicht so recht verstehen und nachvollziehen als wärest du ein Mensch der jetzt nur noch zur Hälfte besteht, weil dir der Partner fehlt.

Oft genug habe ich selbst erlebt und gesehen, wie Freundschaften die nur aus" Pärchen - Bekanntschaften" bestanden, zerbrachen - weil da und dort der eine durch Trennung oder Tod fehlte der das Gesamtbild" Paar" abrundete.

Single sein – und das plötzlich, ist also nur bedingt ein Vergnügen.

Unfreiwillig zurückbleibende Singles werden plötzlich als gefährliche Nebenbuhler, als einsame Verführer deines Partners empfunden, als Gefahr erkannt, dabei sind sie selbst sich dessen nicht bewusst.
Alleine zurückbleiben heißt aber auch – plötzlich bist du nicht nur für alles was du tust alleine verantwortlich, sondern du musst auch alles alleine durchstehen und managen.

Da wird sich keiner fragen ob du das auch kannst, dich hineinfindest. Ob deine Trauer über den Verlust dies zulässt.
Nach einem langen Zwei-sam-sein ist das Alleinsein nicht ganz einfach – das heißt zwar nicht einsam sein denn man kann sich immer irgendwie mit Tausenderlei Dingen beschäftigen – doch das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun.

Solange man ein intaktes Arbeitsleben noch außerhalb hat, kann man vieles auffangen, aber was ist, wenn man in Rente geht und nur noch häuslich ist? Was fängt man dann mit sich und dem alleine sein an?

Man hat ganz plötzlich, was ich als großen Pluspunkt empfinde - ganz viel Zeit für sich, das ist herrlich - fühlt sich wunderbar an und man kann sich aussuchen was man am liebsten macht.
freie Zeit für sich - ist Glück hoch 3...in meinen Augen.

Doch vielleicht sollte man sich zusätzlich irgendwann ein schönes Hobby und dazu noch ein Pferd, eine Katze, einen Hund, einen Vogel, ein paar Lämmer im Garten oder ein paar Hühner anschaffen die sind wenigstens Ansprechpartner, die nur bedingt etwas von einem wollen aber auch eine Aufgabe bedeuten können.

Man kann sie liebgewinnen, bekommt Freuden geschenkt die man vordem nicht kannte.

Man kann sich kümmern um einen anderen und letztendlich auch genügend und endlich einmal nur um sich.

Man kann gärtnern und Bäume pflanzen, zum Selbstversorger werden und ernten was man pflanzt.
Ehrenamtlich dazuverdienen indem man sich einen kleinen Zusatzjob sucht. Und plötzlich hat man wieder Aufgaben genug.

Das ist nicht das schlechteste Leben, allein und nicht einsam werden und sein.
- Echte und aufrichtige Freunde von früher und heute, meine Erfahrungen sagen mir, die helfen dir auch weiter in deinem Leben, die sind dir genug.

Letztendlich kann es auch vielleicht – und irgendwann - einen neuen liebevollen Partner geben, aber man muss es halt auch wollen.

Das Zweisam sein. Glücklich und zufrieden geht auch das alleine sein. Denn Leben fühlt sich gut an. Man gewöhnt sich daran.

Doch woran man sich nicht gewöhnt ist, ohne Liebe und Umarmung zu sein oder es auf Dauer zu bleiben.
Da fehlt dann doch was, das Gefühl wird bleiben und die Stille macht das deutlich.
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@ Angelface

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