Wir haben gesucht –in unserem Gedächtnis gesucht

Das Alter macht sich immer mehr bemerkbar. Die Gedanken gehen häufiger in die Vergangenheit. Heute Morgen –ein lächerlicher Anlass

Wir sitzen beim Frühstück und stellen fest, dass eine große Scheibe in unserem Wintergarten beschlagen ist – sie wird ausgewechselt werden müssen.

Wie alt ist sie, wann haben wir den Wintergarten angebaut und wie lange hält sich die Scheibe schon? Wir suchen in unserem Gedächtnis und kommen darauf, wann wir unseren ersten Hund bekamen, wann mein Mann 3/4 Jahr im Ausland arbeitete, wann wir den Wintergarten gebaut haben Und da waren wir bei den Hunden.

Wie viele waren es, die uns begleitet haben? Wie viele Katzen?

Wir suchen in unserem Gedächtnis und stellen fest:

Nr. 1 war unsere Boxerhündin Cora –sie war bei uns Einzelhund vom Züchter. Von Anfang an war sie nicht gesund und ist doch 14 Jahre alt geworden.

Viele Erinnerungen an sie sind in unserem Gedächtnis noch abrufbar.

Nr. 2 war Tino, ein Setter aus dem Tierheim- ein wunderschöner Hund, wild, schwer zu führen, aggressiv gegen Artgenossen, Übersprunghandlungen führten auch zu Bissen gegen uns.

Wir haben alle unsere Andenken, Hundeschule, Kastration und dann? Seine Schönheit was vorbei, sein Fell veränderte sich, sein Wesen auch. Klar war er leichter z u handeln, als der hormonale Druck nachließ. Er wurde wohl nur 9 Jahre alt, Zuerst hatte er am frühen Morgen einen Schlaganfall, der ihn zu einem leicht behinderten Hund machte. Ein Jahr danach kam die Magendrehung, die nicht mehr z u operieren war. Das war ein viel zu frühes Ende.

  Zu ihm gesellte sich nach einem Tierheimbesuch.

Nr. 3, die Zwergdackelin Susi.

Sie war einfach nur fett, sollte ein Angstbeißer sein, Es stellte sich raus, dass sie ein Wanderpokal war, Wir bekamen sie schön schlank und da wir sie mit Papieren aus dem Tierheim bekamen, konnten wir mit ihr auf eine Ausstellung gehen – da machte sie ein V1 –jeder wollte mir ihr züchten –aber das war nicht mehr möglich und für mich war es eine Gelegenheit, Züchter an ihre Verantwortung bei der Abgabe von Welpen zu appellieren. Susi wurde über 15 Jahre alt

Längst war Tino im Hundehimmel und bei einem Gang ins Tierheim fand sich Lisa, eine alte Spaniel Hündin, Nr. 4 schwer Herz-u. Krebskrank. Sie hatte eine miese Vorgeschichte und sollte es nur noch einmal im Leben guthaben.

Aus den wenigen prognostizierten Wochen wurden 2 1/2 Jahre bevor der Krebs sie besiegte und wir hatten so gute Zeiten, dass wir zeitweilig vergaßen, einen schwer kranken Hund zu haben. Sie war nur Liebe auf 4 Beinen. Susi hat Tino und Lisa überlebt und sollte nun in Ruhe alt werden. Pustekuchen!

Unser Sohn rief aus Griechenland an, wo ein junger Hund um die Zelte streunte und Futter suchte, geschlagen, gejagt und getreten wurde. Er fütterte ihn an, rief mich an und es war klar –Hund Nr. 5 war Ernie, er kam mit unserem Jungen. Mit Susi gab es kein Problem. Susi wurde über 15 Jahre alt und musste dann erlöst werden, sie war schwach und schwer krank geworden.

Noch während Susi lebte, haben wir mit den Hunden im Dollart Urlaub gemacht. Ernie, der Grieche wollte mit einer Hündin spielen, die aber kein Interesse hatte, Man sah es ihr am Gesäuge an –sie war Mutter geworden und das war noch nicht lange her.

Unser Traum war immer: Einmal noch einen Welpen, einen Münsterländer! Wir wandern gern und viel. Ein Münsterland passte zu uns.

Einmal anschauen und einen kleinen bestellen war eine Sache. Nur bekamen wir schon nach wenigen Wochen einen Anruf, der uns beängstigte. Die junge Züchterin wider Willen war krank, der junge Mann auch als Fischer im Winter arbeitslos und die Kleinen fanden keine Abnehmer.

Wir fuhren hin und holten uns den ganzen Wurf. Hier wurden alle mal erst entwurmt, geimpft und fit gemacht, dann mit Hilfe des Tierheimes vermittelt. Unsere Dana blieb natürlich bei uns.

Und das war eine Jagdhündin par Excel Lance. Nie konnte sie von der Leine frei gelassen werden. Sie war zusammen mit Ernie ein tolles Gespann.

sie war unser Hund Nr. 6.  Die Welpen, die nur vorübergehend bei uns waren, zählen wir mal nicht mit.

Lange hatten wir nun zwei Hunde, als eine Freundin uns bat, für kurze Zeit einen Pekinesen aufzunehmen, der mit der Situation nicht klarkam, dass dort eine kleine heiße Hündin war.

Nun, die Pflege von Hund Nr. 6 dauert an.  er ist inzwischen 10 Jahre alt, in Kroatien von einer Familie in die Tötung gegeben mit drei Jahren er wurde unser 7. Hund.

Unsere Dana und Ernie mussten an einem Tag in den Hundehimmel gehen, Ernie mit 15 1/2 Jahren, war an einem bösartigen Nasentumor erkrankt –Dana bekam zur gleichen Zeit mit ihren erst 12 1/2 Jahren Nierenversagen. Ihr war nicht mehr z u helfen.

Wir waren todunglücklich, Der Pekinese stellte sich als sehr spezieller Hund heraus. Liebenswert aber auch so völlig anders, eher wie ein Katze im Wesen.

Hund Nr. 8 kam, auch aus dem Tierschutz. Wir sind alt geworden, nicht mehr so kräftig wie früher und so kam die zum Pekinesen passende Shitsu –Beagle Mix Hündin aus miserabler Haltung gerade passend.

Si e ist nun schon fast 13 Jahre alt, ein geliebtes Tier.

Und dann kam, was kommen musste –Unsere Freundin mit dem privaten Tierheim für überwiegend große Herdenschutzhunde hatte einen kleinen Wanderpokal im Angebot, der mal wieder die Pflegestelle wechseln musste und sie wusste nicht mehr wohin damit.

Hund Nr. 8 kam zu uns, ein Zwergpinscher.

Auch wieder ein älteres Tier, auch nun schon zwei Jahre bei uns und 10 Jahre. Ältere Hunde haben es oft schwer, noch ein neues Zuhause zu finden.

Merkt Ihr was?

Bunt durchs Angebot der Rassen und Mixe sind wir gegangen, Wir haben die Tiere nicht gesucht, sie haben uns gefunden, Alles andere Charaktere, aber liebenswert –jeder auf seine Art.

Alt sind wir geworden, die Hunde, die zu uns kamen wurden kleiner und älter.

Wir haben schon sehr in unserer Verstandskiste suchen müssen,. sie alle auf die Reihe zu kriegen.

Nun suchen wir noch die Reihenfolge und Geschichten unserer Katzen derzeit leben bei uns noch zwei 10-jährige Kater.

Hier an der Tür hängt ein Schild: 

‘Ein zuhause ohne Hund ist nur ein Haus.

So empfinden wir es. Wir wissen, es sind unsere letzten Tiere und wir hoffen sehr, keine Erbtiere zu machen.

Unser Schwager u. seine inzwischen kranke über 80-jährige Ehefrau mussten sich gerade ziemlich plötzlich von ihrer geliebten 14 1/2-jährigen Hündin verabschieden. Sie wissen beide jetzt ist das Haus leer und bleibt es –kein vierbeiniger Hausgenosse wird mehr einziehen.

Wenn man so lange mit Tieren lebt, gehören sie zur Familie. Es sind Angehörige der anderen Art, die Kommunikation klappt auch nonverbal.

Mit Tieren zu leben ist so bereichernd –wenn man sie verstehen und so annehmen kann und will, wie sie sind.

Wir haben gesucht –in unserem Gedächtnis gesucht, sie alle auf die Reihe zu kriegen und wir haben festgestellt.

Wir haben ein reiches Leben, Nein, nicht finanziell, aber wir fühlen uns reich. Mit der Suche nach der Reihenfolge unserer Hunde kamen Erinnerungen, an ihr Wesen, an das Besondere jeden einzelnen Tieres, an unsere Freude, unser Leid, wenn wir sie gehen lassen mussten.

Leben in Fülle –wir als Paar haben zu dieser Lebensform - JA gesagt, wir sind noch beieinander und zufrieden so wie es ist.
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© Karin Oehl

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