Immer wieder auf der Suche

Trotz geschlossener Station bekomme ich immer noch verletzte und kranke Igel gebracht und verwaiste Babys. Davon habe ich nun wieder reichlich. Ein Igel kam in so erbärmlichem Zustand, aber die gefundene Verletzung konnte für diesen Zustand nicht verantwortlich sein. Wie ich es gelernt habe, gab ich dem Tier alles, was meine Tierärztin in so einem Fall vorschlägt. Der Zustand besserte sich fast nicht. Ich suchte nach Kot, endlich mal eine kleine Menge. Unter dem Mikroskop war kaum etwas von Innenparasiten zu sehen. Also wartete ich auf die nächste Bescherung, ich hatte einen Verdacht, konnte ihn aber auch jetzt nicht bestätigen, obwohl ich mehr Innenparasiten fand als in der ersten Probe.

Es ließ mir keine Ruhe –der Fundort, schon einmal hatte ich von dort einen Igel mit einem sehr bösen Darmparasiten, der sich leider sehr schwer nachweisen lässt.

Aber diesmal wurde ich fündig. Gleich 6 Eier des bösen Parasiten habe ich im Kot nachweisen und dann schnell ganz gezielt behandeln können.

Hoffentlich ist es nicht zu spät. die beharrliche Suche hat sich gelohnt Erfahrung, Engagement, Hintergrundwissen –eine gute Ausbildung und fähige Tierärzte im Umfeld machen es möglich, dass mehr Igel überleben als in manch anderen Stationen.

Und ich habe doch die meine nach so vielen Jahre offiziell geschlossen.

Die Leute kennen mich, finden fast nirgends Hilfe und dann stehen sie vor der Tür.

Soll ich die Tür geschlossen halten, die Tiere verrecken lassen, die Menschen enttäuschen?

Nur wer fragt nach mir. Meine Erschöpfung in meinem Alter ist einfach nicht mehr wegzupusten.

Wie soll das nur weitergehen?

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© Karin Oehl 11.06.2019

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