Es ist ein Sonntag wie viele, Wir haben den ersten März 2020

Wie jeden Tag wachen wir früh auf. Wie jeden Tag begrüßen wir unsere vierbeinige Bande und die uns.

Die Tiere gehen erst mal raus und bekommen dann ihr Frühstück.

Wir genießen das gemeinsame Frühstück in einer wohltuenden Ruhe.

Wir wohnen mitten in der Stadt und doch so ruhig, verkehrsmäßig wie auch mitmenschlich.

Kein Nachbarschaftsstreit, der Verkehr ist hier kaum mal wahrzunehmen, kein Baustellenverkehr.

Das alles haben wir längst hinter uns.

Was wir feststellen – es findet ein Generationswechsel statt. Überall ziehen neue Leute ein, die Alten sterben oder gehen ins Heim, weil ihnen das eigene Heim mit der damit verbundenen Arbeit zu mühsam wird.

Viele der Neuen kennen wir nicht mehr. Früher lernte man sich kennen durch die

Kinder, durch die Bautätigkeit, man half sich, tauschte sich aus. Und doch ist es hier auf dem Berg (der eine winzige Erhebung ist) noch schön. Die Neuen sind berufstätig und haben gar keine Zeit für nachbarschaftliche Beziehungen oder Beobachtungen oder Zankerei.

Alles hat sich nur verschoben wir hatten früher keinen Sinn für nachbarschaftliche Reibereien, heute keine Zeit, Egal, es ist ruhig, friedlich und schön.

Längst wohnen wir nicht mehr so nahe am Feld, wohin man mal schnell mit den Hunden zur Löserunde gehen konnte.

Weg sind die Felder, die Tiere, die Bäume, die im Frühling blühten, die Sonnenuntergänge.

Das ist die Kehrseite der Medaille.

Es heißt nicht umsonst: dreimal zog er aus der Stadt und dreimal holt die Stadt ihn ein.

Früher schon, als wir vor mehr als 50 Jahren als junge vitale Bauknechte hier unser Haus erstellten und uns um viele Dinge noch keine Gedanken machten, ging es uns genauso, wie den sogenannten Bauherren heute.

Nur damals waren Muskelkraft, Mut und Engagement mehr gefragt als offensichtlich

heute, wo auf Kosten der Individualität alles von sogenannten Fachleuten gemacht und dafür gezahlt wird.

Was ist mühsamer gewesen= Der Kampf um Kosten und die Arbeit oder heute die Organisation und die Kosten?

Alles hat seine Zeit, und die ihren Preis.

Heute fragen wir uns häufig, wie die Leute das alles finanzieren, wo sie alles machen lassen und alles so viel teurer geworden ist.

Generation ERBEN? Das kann es nicht nur sein.

Mut gehört immer noch dazu, denn heute sind die Arbeitsverhältnisse meist nicht so sicher, wie sie noch damals waren.

Als wir bauten, war dann Baustopp angesagt, denn zwischen unseren Ortsteilen lag die Bahnlinie, damals noch mit Schrankenwärtern und Glückauf. Schranke (Wenn man Glück hatte, war sie mal auf!)

Inzwischen ist eine Unterführung gebaut worden, die nachfolgende Kreuzung ist schon wieder groß umgebaut worden.

Neue Siedlungen sind entstanden, nicht nur neue Häuser sind gebaut worden.

Man kennt sich nicht mehr, Interessen sind so anders geworden.

Es gibt wieder einen Laden hinter der Bahn, die Gärten sind viel kleiner geworden. Man ist viel näher zusammengerückt.

Die Häuser sind uniformer geworden, die meisten hängen aneinander, stehen nicht mehr frei.

Da sind dann nachbarschaftliche Probleme vorprogrammiert.

Es gibt Spielplätze – unsere Kinder spielten noch in Pfützen und auf Feldwegen, spielten gemeinsam und hatten noch viel Freiheiten für ihre Kreativität. heute gibt es Kindergärten und die Spielplätze sind uniform, nichtssagend und einfallslos.

Ich frage nicht, was ist besser.

Alt sind wir geworden, dankbar, einen Laden zu haben der fußläufig schnell zu erreichen ist fürs Alltägliche.

Mir fehlen Grünanlagen, Treffpunkte, Das war früher vor der Haustür. Mal ein Schwätzchen bei der Gartenarbeit.

Heute winkt man sich vom Auto aus bestenfalls mal zu.

Die Jalousien gehen hoch, der Tag kommt, ein Blick in den Garten, so viel blüht in diesem Jahr schon im Februar/März.

Der Blick versöhnt. Die Vögel, die es noch hier gibt singen schon, sie sind munter und relativ standorttreu.

Wir können uns noch bewegen und unseren Kram selbst erledigen, Wir sind noch zusammen und leben in unserem Haus, dass wir nach eigenen Vorstellungen und wirtschaftlichem Vermögen auch mit viel Mühe und Sorgen erstellt haben.

Noch sind wir mobil und können in den ferneren Wald fahren, Unser Ort bietet so gar nichts an Erholungsfreiraum.

So ist das eben im Speckgürtel einer Großstadt oder auch Schlafstadt von - - - - -

Was wollen wir mehr? Was wollen wir eigentlich? Klagen? Nein. Im Alter sind wir zufrieden, dass alles am Ort und erreichbar ist und dass wir immer noch mitten in der Kleinstadt ruhig und friedlich leben.
Trennlinie 15

© Karin Oehl

amanfang 2 270

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
  amanfang270