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Reinhold Kämmerer, alias „Rudy Cash“, der letzte „singende Bergmann“, der 35 Jahre lang „Schwarzes Gold“ gefördert hat.

Im Schatten der Fördertürme aufgewachsen… vom Leben nicht verwöhnt

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Gelsenkirchen, 14.November 1997: Eintausendundzweihundert Meter unter Tage bereitet sich der Kumpel und Elektrohauer Reinhold Kämmerer aus Essen auf seinen Abschied vom Kohlebergbau vor. Die letzte Schicht im Schacht - ein letztes Mal Arbeitsklamotten anziehen, Lampe & Co, Filter am Gurt befestigen und dann Anfahren zur letzen Schicht. Reinhold Kämmerer, Jahrgang 1949, in Essen geboren, Vater von zwei Kindern muss aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig seinen Beruf aufgeben. Berufsbedingte Verschleißerscheinungen sind der Preis für fünfunddreißig Jahre körperlicher Schwerstarbeit unter Tage. Der Abschied fällt schwer, jetzt ist für Reinhold Kämmerer „Schicht im Schacht“ - auf Wiedersehen „Schwarzes Gold“.

Fünfunddreißig Jahre Bergbau unter Tage haben ihre Spuren hinterlassen, viele Jahre davon hat Kämmerer in der Vorrichtung, im Vortrieb, in der Herrichtung und im Abbau verbracht. Wenn er schließlich nach acht Stunden Schicht- und Schwerstarbeit und dem obligaten Duschbad in der Waschkaue nach Hause kam, dann hat sich der sympathische Bergmann aus Leidenschaft zunächst auf seine Familie, auf Angelika, seine geliebte Ehefrau und auf Christoph und Marc, die gemeinsamen Kinder, gefreut. Auf dem Speiseplan von Kämmerers stand regelmäßig die „Kniffte“ (ArbeiterStulle) statt „Sandwich“, Eintopf und Sauerbraten statt „Consommé“ und „Filet Mignon“.

Und wenn er sich spätabends seiner Lieblingsbeschäftigung, der Musik, widmen konnte, dann war dies wie ein „Fallenlassen“, dann wurde aus Reinhold Kämmerer der singende Bergmann „Rudy Cash“. Mit Gitarre auf dem Schoß statt Pulle Bier vor dem Fernseher,  Bleistift und Papier zum Song schreiben, statt sich mit den Kumpels an der nächsten Trinkhalle (Bude) auf ein „Bierken“ zu treffen. Die Familie und die Musik, das waren und das sind für Rudy Cash bis heute die wichtigsten Bezugspunkte in seinem entbehrungsreichen Leben. So eine Art Balance zur kräftezehrenden Arbeit unter Tage. Reinhold alias Rudy hat es einmal sehr treffend auf den Punkt gebracht: „Familie und Musik sind und waren für mich der Lichtstrahl, den ich mir nach endlos dunklen Stunden unter Tage herbeigesehnt habe.“

Dann blühte er auf, dann tauchte er ein in seinen musikalischen Kumpel-Kosmos, schnörkellos, direkt, immer authentisch. Rudy Cashs Lieder sind Zeugen vergangener Tage, als noch über 600.000 Kumpels jährlich im Ruhrpott etwa 150 Millionen Tonnen „Schwarzes Gold“ zu Tage förderten. Es ist kein Zufall, dass seine CD-Trilogie „Letzte Schicht im Schacht“ mit seinen Lieblings-Titeln „Schwarzes Gold“ und dem „Steigerlied“ beginnt.

Sein neuestes Werk „Du bist mein Felsen“ ist eine musikalische Liebeserklärung an seine Ehefrau Angelika, mit der er 2018 auf fünfzig gemeinsame stolze Jahre blickt und das Fest der Goldenen Hochzeit feiern wird. „Du bist mein Felsen“ ist seine Art Dankeschön für Jahre der Gemeinsamkeit, für Jahrzehnte schöner, wenn auch entbehrungsreicher Jahre zu sagen.

„Wir sind nicht vom Leben verwöhnt worden, sind in einfachen Verhältnissen, im Schatten der Fördertürme aufgewachsen. Wann immer unser Schiff stürmische Zeiten durchkreuzt hat, war meine Frau dieser Fels in der Brandung, der unsere Familie und unser kleines Glück zusammen gehalten hat. Angelika hat dafür gesorgt, dass wir nicht vom Kurs abgekommen sind. Sie war und sie ist der Steuermann auf unserem Schiff. Ihr ganz persönlich, in großer Dankbarkeit und Liebe, habe ich diese Ballade "Du bist mein Felsen" gewidmet.“ Dazu ist ein sehr schönes, einfühlsames Schwarzweiß-Video entstanden, dass Grimme-Preisträger Rolf Arno Specht aus Marl in Szene gesetzt hat.

Den Menschen „tief im Westen, dort, wo die Sonne verstaubte, wo das Leben einst viel besser gewesen sein soll, als man im Rest der Republik glaubte“, bleibt nur noch die Erinnerung an ihr „Schwarzes Gold“, das über ein Jahrhundert lang viele Millionen Menschen in Lohn und Brot gestellt hat. Rudy Cash, der singende Bergmann aus Essen, trägt mit dazu bei, diese Zeit, diese Epoche musikalisch wach zu halten.

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Fakten zum Kohlebergbau im Ruhrgebiet

Im Ruhrgebiet gab es einst über 150 Zechen, die über 100 Jahre lang für eine prosperierende Wirtschaft an Rhein und Ruhr gesorgt haben. Die letzte ihrer Art , Prosper-Haniel in Bottrop, wird am 31.Dezember 2018 endgültig die Förderung einstellen und ihre Pforten für immer schliessen. Mit diesem letzten noch aktiven Steinkohlebergwerk zwischen Rhein und Ruhr wird dann die einst große Ära des Steinkohlebergbaus Vergangenheit sein. Dann wird, wie sie im Ruhrpott sagen, wenn man eine Zeche dichtmacht auch Prosper-Haniel „verfüllt und abgeworfen“,. Was bleiben wird, ist der historische Rückblick auf den Kohlebergbau im Bochumer Bergbaumuseum.

Das Ruhrgebiet, das waren einst Zechen in Bochum, Herne, Wanne-Eickel, Essen, Dortmund, Gelsenkirchen, Oberhausen, Hamm, Kamp-Lintfort. Das waren über 600 000 Kumpel, die 150 Millionen Tonnen Kohle jährlich zu Tage förderten - Treibstoff für das deutsche Wirtschaftswunder. Das waren einst unzählige Bergbausiedlungen, baugleiche Häuschen, eins neben dem anderen, die schon nach kurzer Zeit geschwärzten Fassaden vom Kohlenstaub hatten, vor dem Haus eine Bank, dahinter ein Gärtchen. Schmutzig, aber echt.

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Quelle: https://www.rudycash.de/vita

Alle Rechte liegen beim Autor siehe Quellennachweis

RUDY CASH c/o Reinhold Kämmerer

Telefon: 0201 - 34 70 26
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titel 1000 feuer    Zum musikalischen Werk

SCHWARZES GOLD

Reinhold Kämmerer singt Bergmanns‘ Lieder

Mehr als einhundertundfünfzig Jahre lang hat der industrielle Abbau der Steinkohle das Bild des Ruhrgebiets bestimmt. In wenigen Wochen ist der deutsche Steinkohlenbergbau endgültig Geschichte. Am 21. Dezember 2018 heißt es für die letzte noch aktive Zeche „Prosper Haniel“ in Bottrop „Schicht im Schacht“.

Reinhold Kämmerer, Jahrgang 1949, geboren in Essen, hat als Elektrohauer 35 Jahre lang unter Tage auf Zeche „Emil Fritz“ in Altenessen und „Hugo“ in Gelsenkirchen-Buer gearbeitet. Die Folge dieser jahrzehntelangen körperlichen Schwerstarbeit: 1997 wurde er vorzeitig aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand geschickt. Die Arbeit unter Tage zollt ihren Tribut. Kämmerer fand seinen Ausgleich in der Musik. Er begann, seine Erlebnisse unter Tage in Worte und Melodien zu fassen. Einige ausgewählte Lieder hat er zum Ende des Kohlenbergbaus 2018 für dieses Album „Schwarzes Gold“ zusammengestellt.

Kämmerer: „Die Lieder meines Albums sind Teil meines Lebens, auf das ich heute statt wehmütig oder nostalgisch, mit großem bergmännischem Stolz zurückblicke. Ich empfinde mich als Teil dieses wunderbaren Fleckchen Deutschlands, das man „Kohlenpott“ genannt hat. Im innersten meines Herzens bin und bleibe ich der Kumpel Reinhold.“ Und dieser „Kumpel Reinhold“, der nicht gerade vom Leben verwöhnt wurde, in einfachen Verhältnissen im Schatten der Fördertürme aufgewachsen ist, bekennt: „Meine erste Liebe und mein großes Glück, mein Ankerpunkt, ist meine Familie. Meine zweite Liebe gilt der Musik.“

„Schwarzes Gold“ ist eine Zusammenstellung von dreizehn Titeln, die der singende Bergmann Reinhold Kämmerer - seine Kumpels nennen ihn auch „Rudy“ - zur letzten Schicht im Schacht Ende 2018 ausgewählt hat. Darunter eine Liebeserklärung für fünfzig gemeinsame Jahre an seine Frau „Du bist mein Felsen“, des Weiteren eine vom Kölner Autor und TV-Moderator Jürgen Triebel vertonte Lyrik des 19. Jahrhunderts „An mein Grubenlicht“ sowie das „Steigerlied“ samt seiner deftigen letzten Strophe, die sonst oft weggelassen wird:

„Wir Bergleut sein kreuzbrave Leut‘

Denn wir tragen das Leder vor dem Arsch bei der Nacht Denn wir tragen das Leder vor dem Arsch bei der Nacht Und saufen Schnaps und saufen Schnaps“

Essen, November 2018

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Abenteuer Literatur bedankt sich für das umfangreiche Material und wünscht Rudy für den weiteren Lebensweg von Herzen alles Gute.

14.02.2019 J/L

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