Andre Sokolowski

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Sokolowski

 "Seine Theatertexte und Hörstücke sind Grotesken, Ausfälle und Ausfälligkeiten. [...] Heftig, schrill und bitter geht es zu in diesen szenischen Fantasien. [...] Sokolowskis Stücke überzeugen gerade da, wo sie sich selbst nicht allzu ernst nehmen"

Sokolowskis Stücke überzeugen gerade da, wo sie sich selbst nicht allzu ernst nehmen. Nicht selten geht es der Wohlstandsgesellschaft im "Endstadium der abendländischen Zivilepoche", die "aus einem Sattgefühl" heraus lebt, an Gewissen und Kragen. Am liebsten sieht Sokolowski seine Figuren in Extremlagen, lässt sie im überspanntesten Ton sprechen, in der "gröbsten aller Menschheitsdaseinsformen zwischen Liebe, Hass und Tod". Exemplarisch könnte dafür Klaus Mann stirbt (1998) stehen, einer der besten Theatertexte, die Sokolowski bislang geschrieben hat, in seiner atmosphärischen Dichte und klaustrophobischen Sprache durchaus mit Genets Zofen vergleichbar.

 

Quelle: Online-Magazin Kultura-Extra


Ich freue mich euch in diesem Portrait einen wirlich interessanten Menschen und Künstler vorstellen zu können.



Andre Kurzvita

1959 in Gera geboren;
gelernter Wirtschaftskaufmann, Funker bei der NVA, Kulturarbeiter, Hilfspfleger, Packer, Museumsbibliothekar, Buchhändler, freier Autor


1985-88 Studium am Institut für Literatur "Johannes R. Becher", Leipzig


1990 Bühnendebüt mit PORNOSZENE am Theater Kohlenpott, Herne (Regie: Willi Thomczyk)


1991 Stipendiat der Dramatikerwerkstatt für das Kinder- und Jugendtheater an der Bundesakademie, Wolfenbüttel

1993 Förderstipendium der Literaturstiftung Ruhrgebiet, Gladbeck

1996 Arbeitsstipendium des Thüringer Ministeriums für Wissenschaft, Bildung und Kultur


1996/97 Regiehospitanzen bei Andreas Homoki, Konstanze Lauterbach und Wolfgang Storch (Oper und Schauspiel Leipzig)


1998 Nominierung von ISOLDES LIEBESTOD zum Dramatikerpreis der Hamburger Volksbühne


2005 STRANDBRUCH (UA Theaterakademie Vorpommern);
18./19.11.2006 KLAUS MANN STIRBT. (UA im "Ausland", Berlin)


2008 24 LOVESTORIES;
veröffentlichte 2011 zum dreihundertjährigen Jubiläum Friedrichs des Großen DIE VORHAUT DES KÖNIGS als Buch


2012 Der abgelegte Mann | Bad aus rotem Marmor
schreibt [seit 2007] an einem Roman


ist seit 2010 Mitherausgeber [seit 2014 alleiniger Herausgeber] und verantwortlicher Redakteur von "KULTURA-EXTRA, das online-magazin"
lebt in Berlin


Kritik und Preise
2. Platz beim Kurzgeschichtenwettbewerb 2008 von Obst & Ohlerich, Lektoratsbüro AutorInnenberatung

"Dem Autor ist es auf geradezu brillante Weise gelungen, mehrere Handlungsfäden und Zeitebenen miteinander zu verweben..." (Obst & Ohlerich über SCHEIDEN - in einem Empfehlungsschreiben für die Teilnahme am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2009)

"dein Text berührte. er scheint von einem wahnsinnigen geschrieben, aber er beschreibt den wahnsinn." (Ines Eck über SHITBOY!)

"Es sind Hardcoretexte, ungeschützte, lockende und löckende oder abstoßende und verweigernde sinnlich-szenische oder gedanklich-emotionale Gewalt- und Lusteskapaden in der Tradition des dirty writing, De Sade, Jarry, Genet, Müller, Schwab... stehen Pate. [...] Hier wird nicht Aufklärung betrieben, sondern es ist aufgeschrieben, wie der Mensch in der Klemme steckt und sich darin verhält, wie seelische Not sich in Libido und Gewalt entlädt. Das ist kein psychologischer Befund, sondern ein gesellschaftlicher." (Jörg Mihan)

Website: http://www.andre-sokolowski.de



Künstlerisches Werk

 interview  
   
Abenteuer-Literatur
Bismarck schreibt in seinem Tagebuch: »Habe die ganze Nacht durchgehasst.« Kennst du das? In wie weit fließen solche Emotionen in deine Arbeiten ein?
Andre Sokolowski
Bismarck hatte vielleicht in jener Nacht einen spontanen Hass-Anfall, so was kommt in den besten Häusern vor. Und Hass & Liebe als die beiden „Grundgefühle“, die ein jeder von uns kennt, beeinflussen uns freilich Tag und Nacht – bestimmen tun sie meine Arbeiten mitnichten, dafür sorgen ich und meine hoffentliche Selbstkontrolle.
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Abenteuer-Literatur
Beschreibe dich in 5 Worten!
Andre Sokolowski
Einleitung, Steigerung, Höhepunkt, Umkehr, Katastrophe – frei nach „Die Technik des Dramas“ von Gustav Freytag.
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Abenteuer-Literatur
Wie gehst Du mit sogenannten Schreibblockaden um? Burn Out! Schon mal erlebt?
Andre Sokolowski
Schreibblockaden kannst du nicht per Knopfdruck überwinden, so etwas braucht Zeit. Kurz vorm Burn Out zu stehen, die Gefahr ist immer da – du musst dich, wenn „es“ kommen will, dagegen wehren (Sport und frische Luft), doch das ist leicht gesagt, ich weiß.
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Abenteuer-Literatur
Wann hat Dich das Schreibvirus gepackt? Hast Du erst spät angefangen zu schreiben oder hast Du Dir bereits früher Geschichten ausgedacht?
Andre Sokolowski
Ich wollte Schauspieldramaturg werden und fiel in Leipzig durch den Eignungstest – das war der Stachel. Und dann spannte ich ein Blatt Papier in meine alte Rheinmetall-Schreibmaschine und versuchte mich mit einer rekapitulierten Szene (dieses so verkorksten Eignungstests). Das klappte irgendwie und machte Spaß. Ab da wurde ich Stückeschreiber.
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Abenteuer-Literatur
Gibt es Menschen und Dinge im realen Leben, die Dich zu Deinen Figuren inspirieren? Gibt es Auslöser für Ideen, die besonders waren und an die Du Dich gerne erinnerst?
Andre Sokolowski
Das pralle Leben – und du selbst - sollten dir Stoff zum Schreiben bieten. Damit wirst du so und so nie fertig. Ein zentraler Auslöser wurde mein Vater, er war jugendlicher Fremdenlegionär während des Frankreichkrieges in Vietnam, seine Geschichte lieferte den Stoff zu einem meiner ersten Stücke.
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Abenteuer-Literatur
Welchen Stellenwert hat Literatur für dich, welche Rolle spielt sie in deinem Leben?
Andre Sokolowski
Als Schriftsteller betrachtest du Literatur (die eigene sowie die „fremde“) absolut als einen Lebensmittelpunkt.
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Abenteuer-Literatur
Hast du ein paar Tipps parat, wie Autoren ihre Erfolgschancen erhöhen können? Worauf sollten Autoren dringend achten?
Andre Sokolowski
Erfolg ist relativ. Und woran misst du das, an Büchereinnahmen, an Klickzahlen auf Facebook oder öffentlichen Auftritten in Talkshows? Brauch ich Alles nicht, nein, danke.
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Abenteuer-Literatur
Hast du einen Lieblingsort, an dem dir das Schreiben besonders leicht von der Hand geht?
Andre Sokolowski
Zuhause.
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Abenteuer-Literatur
Es gibt diverse Angebote, kreatives Schreiben zu lernen, sei es an Unis oder bei Schriftstellern. Ist alles Handwerk, kann man alles daran lernen oder sitzt es in einem? Wie hast du gelernt zu schreiben?
Andre Sokolowski
Schreiben ist Talent. Du kannst es freilich handwerklich vervollkommnen oder auch vervollkommnen lassen. Nachdem ich merkte, dass ich schreiben kann, bewarb ich mich am damaligen Institut für Literatur „Johannes R. Becher“ in Leipzig. Das galt zu seiner Zeit als elitäre Dichterschule in der DDR – dort für eine vorübergehende Zeit aufgehoben gewesen zu sein, betrachte ich im Nachhinein als Privileg.
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Abenteuer-Literatur
Wärst du lieber ein Löwe in der Savanne oder ein Delfin im Meer?
Andre Sokolwski
Beide sind vom Aussterben bedroht, von daher...
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Abenteuer-Literatur
Wie siehst du die Rolle des zeitgenössischen Schriftstellers. Wird es in Zukunft überhaupt noch den klassischen Schriftsteller wegen meiner auch den klassischen Journalisten, geben? Oder wird er von gesellschaftlichen Entwicklungen überrollt?
Andre Sokolowski
Ob zeitgenössisch oder klassisch – Dichter (der vielleicht noch adeligere Begriff als „Schriftsteller“) wird es wohl immer geben. Ob sie die Gesellschaft, der sie etwas über sich und deren Welt zu sagen angetreten sind, letztendlich dann noch will und braucht, ist eine andere und mich für meine Lebenszeit, die mir noch bleibt, kaum groß interessierende Frage.
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Abenteuer-Literatur
Unter den Literaten gibt es einen bösen Spruch: „Ist die Prosa dir zu schwierig, versuche es einmal mit Lyrik“. Wie gehst du damit um? Welche Rolle spielt für dich die Arbeit an und die Beschäftigung mit Form, Metrum und dem Sprachvermögen in den Beiträgen?
Andre Sokolowski
Die Lyriker (und ich meine hier nicht die Schreiber von hausfrauen- oder hausmännerlyrischen Poesiealben) sind die eigentlichen Dichter unter uns. Gedichteschreiben heißt mit Sprache arbeiten. Und Sprache ist nun mal das A und O jedweder Dichtkunst. Die Beschäftigung mit Formen, Metren, also Sprachvermögen allgemein, zählen mit zu den Grundvoraussetzungen dichterischer Arbeit.
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Abenteuer-Literatur
Ist das gedruckte Buch nicht ein aussterbendes, von der Digitalisierung bedrohtes Medium?
Andre Sokolowski
Kann sein, kann nicht sein.
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Abenteuer-Literatur
Wie reagierst Du auf die zunehmende "Sparpolitik" der Verlage, ausländische Lizenzen, den Werken junger erfolgsversprechender deutscher Autoren vorzuziehen?
Die Liste der Ausschreibungen zum deutschen Jugendliteraturpreis wimmelt ja nur so von Übersetzungen, und dies bereits seit einigen Jahren. Haben deutsche Talente Deines Erachtens heutzutage weniger Chancen und, wenn ja, warum?
Andre Sokolowski
„Man“ orientiert sich schon seit Langem um. Gedruckte Bücher fühlen sich natürlich prima an, das Blättern in Papier hat eine fast erotisch anmutende Komponente. Es wird, nicht nur daher, Bücher wohl auch weiter geben. Die Verlage müssen aber rechnen, dass sie überhaupt noch (mit Papier-Büchern) bestehen können, ihr Programm hat so gesehen auch opportunistische Motive. Umkehrschluss wäre und ist, dass sich Autoren, wenn sie keine Chancen sehen, in Verlagsprogramme rein zu kommen, selbständig nach zig vorhandenen Alternativen umsehen. Und wenn sie „echte Dichter“ sind, scheren sie sich dann erst mal nicht, ob sich das Alles rechnet oder ob sie gar von ihrem Schreiben leben könnten, was an sich ein großer Trugschluss ist und bleibt. Viel Glück!
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Abenteuer-Literatur
Goethe sagte, alles Schreiben sei autobiographisch. Das stimmt sicher in Bezug darauf, dass man immer in dem drin steckt in Gedanken, was man schreibt. Steckst du auch in deinen Figuren? Gibt es eine, mit der du dich speziell identifizierst?
Andre Sokolowski
Ob biografisch oder autobiografisch, ist egal - du solltest, wenn du Dichter bist bzw. dich als Dichter ernst begreifst, glaubhaftig (für den Leser) sein.
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Abenteuer-Literatur
Viele Autoren heute und auch in der Vergangenheit haben sich politisch geäußert. Hat ein Autor einen politischen Auftrag in deinen Augen?
Andre Sokolowski
Nein.
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Abenteuer-Literatur
Einige Schriftsteller schreiben mit Bleistiften, deren Stummel sie, nach Büchern sortiert, aufbewahren. Hast du eine ähnliche Marotte?
Andre Sokolowski
Nein.
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Abenteuer-Literatur
Wann hast du dich zum letzten Mal so richtig frei gefühlt?
Andre Sokolowski
Was ist „richtig frei“?
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Abenteuer-Literatur
Lass uns einmal auf das aktuelle Zeitgeschehen eingehen. Glaubst du, die vielen Flüchtlinge folgen noch dem Ruf der Freiheit? Oder steht Europa nur für Sicherheit und Wohlstand?
Andre Sokolwski
Beides stimmt, obgleich die beiden Fragesätze absolut pauschal sind.
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Das Interview wurde geführt von Joachim Laß. Ich bedanke mich bei Andre Sokolowski für die ehrliche Beantwortung meiner Fragen. Nach wie vor halte ich Herrn Sokolowski für einen herausragenden Künstler,den ich in künstlerischer Hinsicht weiter im Auge behalten werde.
Buchempfehlung  von Abenteuer-Literatur
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31.10.2016 / J/L
Leben

Tags: Portrait

amanfang 2 270

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