Der Regen

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"Ich muss hier raus"

Dieser Gedanke hat sich schon seit Stunden in meinem Kopf festgesetzt, und hämmert von Innen auf meinen Schädel ein. Ich bin viel mehr damit beschäftigt, diesen Gedanken zu ignorieren, als mich auf meine Arbeit zu konzentrieren. Aber wie soll es denn bei so einem Wetter gehen?

Ich schaue aus dem Fenster raus.
Die Sonne ist hinter den Wolken verschwunden. Es regnet zwar noch nicht, aber die Luftfeuchtigkeit ist so hoch, dass man allein davon nasse Klamotten bekommen würde. Ein perfektes Wetter. Ein kurzes Moment, eine Schwelle vor dem Regen. Eine passende Stimmung für Schwache und Verlierer, um zu Hause zu sitzen und in depressiven Selbstmitleidsgedanken zu versinken.

"Ich muss hier raus"

Gleich fängt der Regen an und diese Idylle ist vorbei. Die unbeschreibliche Stimmung, wenn man bei solchen Wetter durch die Strassen schleicht, und den Wasserdunst aus der Luft tief mit der Nase einzieht - die bittersüße Träne, die dabei dem Herz entlang gleitend, direkt in die Seele reinfliest, und dort in abertausende winzige Gefühlsbruchstücke zerspringt.
Man streckt die Hand aus und fängt die Splitter, die dabei wegfliegen. Er schaut sie genau an, und gibt den Gefühlssplittern Namen.

Denn das, was einen Namen hat, ist verständlich. Es kann ausgesprochen werden. Es kann geschenkt werden und den Anderen Licht bringen. Besonders an solchen Tagen, wo die Sonne keine Chance hat durch die dicken, schwarzen, erdrückend schweren Wolken zu uns durchzustoßen.


"So, jetzt reicht es!"

Ich ziehe meine Jacke an, und schaue aus dem Fenster.

Es regnet...

Wieder verpasst...


Schura Ur,

München 2010

 

Tags: Philosophie

amanfang 2 270

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