Kriegsstory Teil III - An der Front ...

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von Ela Steiner

… der Soldat rennt in Panik über den Friedhof. Kreuze, nichts als Kreuze, alle gleich aussehend. Er sucht ein bestimmtes Kreuz und rennt um sein Leben. Hinter sich hört er Schüsse. Er muss die Stelle finden, er weiß, dass er nicht mehr lange durchhält. Da ist es, er kniet nieder und liest auf dem Kreuz eingeritzt seinen eigenen Namen, “Willy D. geb. 1912, gestorben ..." ihm wird übel, er sinkt über dem kleinen Hügel zusammen. Da spürt er einen heftigen Stoss in den Rücken und jemand zerrt an seinem Arm. Er dreht sich um. Dann wird es auf einmal schwarz um ihn, er öffnet die Augen und liegt im tiefen Schnee, über ihm ein dunkler Nachthimmel, es ist sternenklar und totenstill. Eine Gestalt beugt sich über ihn, unscharf erkennt er ein Gesicht …

wo bin ich, wer ist das? Langsam kehrt die Erinnerung zurück, ich bin noch nicht tot, ich liege in den feindlichen Linien in Russland. Seinen Körper fühlt er nicht mehr, die Kälte hat ihn fest im Griff, seine Füße, Beine – alles ist gefühllos. Ein teuflisch brennender Schmerz am Herzen und an der linken Schulter. "Mein Arm, wo ist mein Arm, ich spüre ihn nicht, nur diese messerscharfen Schmerzen", denkt er. Nun ist er wieder voll bei sich, erinnert sich an den Schuss, mehr weiß er nicht mehr. Das Gesicht über ihm wird klarer, ein Soldat – der Feind? Das Grauen kehrt zurück, er will reden, es kommt nichts über seine Lippen, will sich bewegen, unmöglich. Dann hört er eine deutsche Stimme, "der ist bestimmt hinüber, "der hier auch“ eine andere Stimme. Deutsche, es sind Deutsche, denkt er und reißt mit aller Gewalt die Augen auf, "ich bin noch nicht tot“ will er sagen, ,nichts kommt jedoch über seine Lippen, ein Bibbern vor Kälte lässt ihn erschauern, dann spürt er, wie der Soldat mit seinem Kumpel ihn vorsichtig anheben. Der Schmerz lässt ihn aufstöhnen. "Der lebt noch" hört er wieder die Stimme. Gott sei Dank, sie merken es, denkt er und versucht mit aller Anstrengung die Augen aufzureißen, an denen die Wimpern mit Eis verklebt sind. Er versucht die Uniform zu erkennen. Dann sieht er schwach die beiden Blitze am oberen Kragen und an dem Ärmel der Uniform. Es ist die *SS. Sie sind nicht seine Freunde, er hatte sich ihnen zu oft widersetzt, wenn sie mit unmöglichen Befehlen seine Kompanie schinden wollten, einfach nur, um Macht auszuüben, Grausamkeiten vorschrieben, die nichts mit der eigentlichen Kriegsstrategie zu tun hatte. Sie hatten ihn auf dem Kicker und nicht selten, wäre es anders gekommen, wenn nicht ein Einsatzbefehl die Lage sofort geändert hätte. Doch seine Kompanie mit übernehmen, wer wollte das schon. Wer jedoch nicht blinden Gehorsam ihnen gegenüber ausübte, der war schon ein Todeskandidat. Das galt nicht nur für den Feind, sondern auch für die eigenen Leute. Doch diesmal waren sie seine Retter, was also sollten sie einem Verwundeten noch anhaben.

 
Langsamen Schrittes tragen sie ihn zu dem nahe stehenden Panzer, mit dem sie gekommen sind, zufällig, nicht einmal geplant. Gleichzeitig trifft nun auch seine Kompanie aus gegensätzlicher Richtung ein. Der tote Soldat wird ebenfalls hochgenommen und zum Panzer geschleppt. Vorsichtig heben sie die beiden Gestalten hoch und legen sie vorn auf den Panzer. Zuerst den Verwundeten und schräg darüber den Toten, der konnte etwas die Kälte von ihm abhalten, denn mit dem lose hängenden, verdrehten Arm können sie ihn nicht durch die Luke ins Innere des Panzers hiefen. Ein Soldat steht oben bei ihm in der Aussichtsluke und hält den Feldwebel so gut es geht fest. Dann fahren sie langsam durch den Schnee ins nächste Auffanglager, wo sich ein Lazarettarzt und einige Sanitäter befinden. Der Feldwebel versucht krampfhaft sich zu erinnern, was geschah, aber die Gedanken rasen in Fetzen durch sein Gehirn, unter seinem Rücken das eisige Metall des Panzers. Kälte und Schmerz sowie die Unwirklichkeit der Situation, rauben ihm fast den Verstand. Das Dröhnen des Panzers unter ihm im hart gefrorenen Boden und dessen knirschende Ketten im gefrorenen Schnee, gehen ihm bis ins Mark. Der Schmerz wird unerträglich. Es ist so, als läge der durchschossenen Arm im Feuer. Kurze Zeit später umfängt ihn wieder eine gnädige Ohnmacht.

 
Der andere SS-Offizier schaut in die Runde, gerade mit dem Kopf aus der Luke, das Gewehr entsichert im Anschlag. Die Kompanie des Feldwebels folgt in einigem Abstand dem Panzer. Niemand spricht. Wem sie wohl jetzt zugeteilt werden? Oberfeldwebel Willy war ihnen vertraut, er hatte sie aus viele Tücken heraus gehauen und immer auch ein menschliches Wort für die Kameraden. Er stand immer für sie ein. Sein treuer kleiner Putzer weint still vor sich hin. Er spricht kaum mit jemand von den anderen. Seine Rückendeckung und Sicherheit unter der Führung von Oberfeldwebel Willy D. war für ihn einmalig und half ihm über vieles hinweg. Was nun? Er hatte ihm voller Stolz gedient und war treu seinen Regeln gefolgt. Ohnmächtige Wut lässt ihn innerlich erstarren, ist doch schon alles egal, hier kommen wir ohnehin nicht mehr heil raus geht es ihm durch den Kopf, aber er fängt sich nach einer Weile wieder und ermahnt sich selbst, nur diesen Gedanken nicht zu Ende denken - noch nicht.

Nach anderthalb Stunden, in denen der Schnee zu einem Schneetreiben aus dicken Flocken geworden war, kommen sie endlich todmüde und halb erfroren an dem Zeltlager an. Langsam hebt man den Verwundeten von dem Panzer, Die Gestalten, die aus dem Zelt kommen, als sie den Panzer hören, bringen sofort eine Trage mit und helfen ihnen, den Ohnmächtigen vorsichtig vom Panzer zu heben. Einer beugt sich über ihn, um zu prüfen, ob er noch atmet. Ja, er atmet noch, etwas hält ihn am Leben. Das sind die kleinen Wunder, von denen sie in der Grausamkeit des Krieges so einige erleben. Dann wird der Tote vom Panzer gezogen und ebenfalls in das Zelt gebracht. Der untere Teil seiner so genannten Hundemarke (Erkennungsmarke) wird abgebrochen und dem Funker gegeben, der sie später zu dem Bericht an die Hinterbliebenen fügt.

Innen kommt den halb erfrorenen Soldaten eine dumpfe Wärme entgegen sowie ein übler Geruch, vermischt aus Eiter, Blut, nasser Kleidung und Äther. Ein schummriges Licht von schwachen Glühbirnen erhellt ein wenig den Innenraum des Zeltes. Rechts und links stehen die Feldbetten mit den Verwundeten, in der Mitte ein Gang. Ganz hinten, durch eine Decke auf einem Seil hängend, ist ein Notraum für den Lazarettarzt abgetrennt. Dort erblickt man auch einen OP-Tisch und einige Koffer, in denen die wenigen Medikamente, die noch verblieben sowie OP-Besteck, bereit liegen.

Die Verwundeten, die bei Besinnung sind, schauen kurz hoch von ihrem Lager, wen man da Neues bringt. Sie kennen ihn nicht und mit glasigen oder fiebrigen Blicken lassen sie die Köpfe bald wieder sinken, müde und marionettenhaft. Mit verbundenen Körperteilen, ja teilweise schon in letzter Sekunde amputiert wegen des gefährlichen Wundbrandes, liegen sie da und warten, entweder auf eine Überführung in ein Lazarett oder auf den Tod. Ein Sanitäter geht von Feldbett zu Feldbett und schaute nach ihnen. Manche weinen, andere stöhnen, ein anderer ganz hinten redet im Fieber mit seiner Mutter. Die einzige Krankenschwester, die sie erblicken, wirkt zwischen den jungen - alt aussehenden, verletzten Soldaten mit den verhärmten Gesichtern wie eine Fee. Still sitzt sie an dem Bett des jungen Soldaten, der im Fieber mit seiner Mutter redet und betet leise. Sie weiß, er wird die Nacht nicht überleben. Ein Funker sitzt abseits in einer kleinen Ecke bei seiner Arbeit.

Die SS-Leute und die Kompanie verdrücken sich in eine Ecke des Zeltes und kauern sich auf den Boden. Der *Sani gibt jeden einen kleinen Wodka zum Aufwärmen, danach etwas Erbsensuppe von der Feldküche und das brettharte Dosenbrot, zusätzlich ein paar Bohnen. Einfach eine Essensration, eine warme Mahlzeit für die abgekämpften Männer. Den Kopf auf die Knie legen, nur etwas ausruhen, mehr wollen die Soldaten nicht. Hier drinnen ist es warm gegenüber der eisigen Kälte im Unterstand.

Unterdessen heben zwei *Sanis den Verwundeten vorsichtig auf den Tisch im hinteren Teil des Zeltes. Sie ziehen ihm die Stiefel aus, die Strümpfe und sehen die weiß gewordenen, erfrorenen Zehen. Schnell bringt einer eine Schüssel voll Schnee, nur jetzt nicht zu schnell auftauen. Sie reiben ihm die Füße und Beine mit Schnee ab und massierten sie langsam und vorsichtig. Dann warme dicke Wollsocken darüber. Danach entfernen sie die Hose, Koppel, Pistole und zuletzt die Uniformjacke und Hemd. Beides müssen sie vorsichtig aufschneiden. Der Stoff ist ohnehin zerfetzt und blutig und alles zusammen durch Schnee und Eis wie ein Brett erstarrt.

Der Arzt, der hinzu kommt sagt, "die Kälte hat ihn gerettet, er wäre sonst längst verblutet". Der Anblick des Armes ist grauenhaft. Der Oberarm ist zerfetzt. Es handelte sich also um ein Explosivgeschoss, das im Arm eine verheerende Zerstörung angerichtet hatte und war leider kein glatter Durchschuss. Direkt unter der Schulter, ein paar Zentimeter neben dem Herzen, hat der Schuss den linken Arm zerstört und den Oberarm zerrissen. Muskeln, Sehnen, Nerven, Knochen, alles ist ein Splitterbrei und nur noch Fetzen von Haut halten den Arm noch am Körper. Eine Vereiterung ist schon entstanden, der Arm ist geschwollen, ebenso die Hand. Der Arzt schaut resignierend auf den Ohnmächtigen. "Schon wieder einer, den sie amputieren müssen", denkt er. Die meisten überlebten so eine Notamputation unter den Umständen erst gar nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass es die Herzseite ist, also die Blutzirkulation gestört wird, das war für fast alle das Ende, selbst wenn die Amputation glückte. Hier konnte es jedenfalls nicht gemacht werden, Sie hatten kaum noch Medikamente und nur noch wenige Narkosemittel. Das Morphium ging ebenfalls zur Neige.

Die Schwester und der Sanitäter waschen so gut es geht die Wunde vorsichtig aus und sind froh, dass der Soldat ohnmächtig ist dabei. Eine Flasche Desinfektionsmittel geht drauf, um die Wunde halbwegs zu reinigen. Dann wird der Arm mit Druckverband so verbunden, dass die Blutung zum Stillstand kommt. Zum Schluss kleiden sie ihn vorsichtig aus, waschen in lauwarm ab und steckten ihn in ein sauberes Militärhemd. Der Arm wird mit einem riesigen ausladenden Gestell geschient, so gut es eben geht. Dann wird ein Tropf gelegt, in dem ein Traubenzuckergemisch mit Morphium ist. Ein feuchtes Tuch wird auf seine fiebrige Stirn gelegt. Als der Mann endlich sauber und warm gebettet ist, schaute die Schwester den Arzt an "so kommt er nicht durch", sagt sie leise, der Lazarettarzt nickt, "ja, er muss in ein Militärkrankenhaus, und zwar schnell. Vielleicht kann er mit einem der Flugzeuge mit, die wir durchschleusen. Oder mit dem nächsten Konvoi, da sollen einige Landser überführt werden in ein Lazarett nach Darmstadt." Der Funker morst gerade etwas durch.

Die Nacht ist bald um, auch die Krankenschwester hat nun Anweisung, sich etwas auszuruhen und die Soldaten in der Ecke des Zeltes legen ihre Köpfe auf Ihr Marschgepäck, die Helme daneben und rollen sich auf Decken am Boden zusammen. Der Morgen kommt mit seinem klirrenden Frost. Es schneit nicht mehr. Eine fahle weiße Sonne wirft ihr Licht über den glitzernden vereisten Schnee des flachen Landes. Die Birken links und rechts der Landstraße streckten ihre vereisten silbernen Äste wie dürre Arme gen Himmel. Eine unheimliche Stille ist über dem Land. Keine Detonationen sind zu hören. Die Waffenpause bringt eine kaum mehr gekannte Stille, nur das Bellen eines streunenden Köters irgendwo in der Ferne ist zu hören. Die Zeit kommt ihnen zu Hilfe, denn es ist der 24. Dez. Am *Heiligen Abend war für einen Tag *Waffenstillstand ausgerufen worden. Soeben ist auch die Funkmeldung gekommen, dass die Verwundeten noch in der Nacht abtransportiert werden sollen. Die einzige Möglichkeit, sie hier herauszubringen und die einzige Chance, dass einige überleben werden.

Zum Frühstück liegt auf jedem Stuhl, neben einem Feldbett, ein grüner Tannenzweig mit einer Kerze. Es duftete herrlich, endlich mal ein angenehmer Duft in der weißen Wüste und dem kargen Auffanglager. Die Kranken bekommen ein frisches Hemd an, werden gewaschen und gekämmt und liebevoll von der emsigen Krankenschwester begrüßt. Eine süße Griessuppe mit Rosinen schmeckt den Männern herrlich. Die Schwester hatte auch ein Paket von zu Hause bekommen, in dem sie einen duftenden Stuten fand sowie einen Christstollen. Dies alles wurde in Portionen aufgeteilt und den Soldaten einzeln ans Bett gestellt. Ein schwarzes, kaffeeartiges Gebräu gab es zu trinken.

In aller Frühe hat sie schon mit dem Arzt in der Nähe in einem kleinen Hain ein Tannenbäumchen geschlagen. Sie stellt es mit einem notdürftigen Ständer auf den Tisch, der auch als Operationstisch dient, hängt Lametta daran und steckt die kleinen gelben Wachskerzen darauf. Die Decke wird zurück geschlagen. Ein Landser, der ebenso oft *Carepakete von seiner Familie bekam, opferte die selbstgebackenen Plätzchen, Nüsse und kleinen schrumpeligen Äpfel ebenfalls für die Gemeinschaft, so wie es jeder tat. Sie wurden auf einen Teller gelegt und rumgereicht. Der Feldkoch hatte in diesen Tagen tatsächlich einen Hasen im Schnee erwischt und diesen mit wenigen Mitteln köstlich zubereitet.

Der winzige schiefe Tannenbaum und die Kerzen haben trotz allem einen festlichen Charakter.
Es ist tatsächlich Weihnachten. Eine besondere Stimmung ist plötzlich im Raum, aber auch eine traurige Schwermut macht sich breit. Diesmal schauen die Gesichter alle gleich, selbst die der SS-Offiziere. Niemand kann vorhersehen, ob er sein Zu Hause je wieder sieht. Die Soldaten verspeisen mit stiller Andacht das herrliche Essen, jeder bekommt einen Wodka und der Arzt verteilt an jeden zwei Zigaretten, die er für diesen Moment aufgespart hatte. Die gesunden Soldaten sitzen um die Feldbetten herum auf der Erde. Einer zieht eine kleine Mundharmonika heraus und sie stimmen das Weihnachtslied an "Stille Nacht, heil'ge Nacht". Es ist still in dieser Nacht. Für einige Stunden hält die Welt den Atem an und die Granaten, Gewehre und Bomben schweigen.

Den Soldaten laufen die Tränen übers Gesicht, ausnahmslos allen und niemand schämt sich dafür. Das ist mehr, als eine verwundete, einsame Seele ertragen kann. Da sitzen junge Männer, die wie alte Leute aussehen, die nicht einmal das Wort *Jugend kennen und da liegen junge Männer, die das Alter nicht erleben würden. Jeder nimmt den Kameraden neben sich in den Arm, einige holen ihre Familienbilder heraus und küssen sie. Nach dem Lied haben sie sich halbwegs wieder gefasst, und die – denen es besser geht, erzählen von ihren Familien und wie es ihnen als Kind an Weihnachten erging.

Der junge SS-Offizier geht zu dem Funker, der eine Meldung für ihn parat hat. Ein russischer Konvoi ist unterwegs in ihre Richtung, der Abtransport der Kranken muss auf alle Fälle verschoben werden. Der neue Patient Willy D. kann so mit dem geschienten Arm, nicht ins Flugzeug gehoben werden und muss so auf die Lastwagen warten, die zu den Zuganschlüssen fahren werden. auch das noch. Hier in der eisigen Wildnis nutzte ihnen ihre Strategie und Marschroute nichts, denn es kamen kaum noch Meldungen durch über den Gegner. Viele ihrer Kameraden waren schon von ihnen abgeschnitten und konnten keine Meldung mehr machen. Also ist der Plan des Überführens in die Militärkrankenhäuser erst einmal hinfällig. Es heißt also für die Verwundeten "durchhalten oder aufgeben".

Der junge Feldwebel, voll gepumpt mit Morphium, schläft - als wolle er nie wieder aufwachen. Gut so, denkt der Lazarettarzt bei sich, so hält er die Schmerzen besser aus. Das Säubern der entzündeten Wunde und das Verbandwechseln geht so ebenfalls problemloser von statten. Vier Tage später, der Feind hat sie in ihrer Umgebung noch nicht erspäht, wollen sie den Plan nun endlich verwirklichen, denn ein Funkspruch signalisierte ihnen eine günstige Gelegenheit zum Aufbruch. Die Sanis ziehen die Kranken so gut es geht an, zuerst die Strümpfe, Schuhe, Hosen Uniformjacken, Koppel, Pistolen für den Fall, dass - dann die Mäntel, Handschuhe, Kriegshelme. Am Schluss kommt Willy an die Reihe. Die Krankenschwester und der erste "Sani wurschteln ungeschickt an ihm herum, wie kriegt man ihn warm eingepackt mit diesem Arm, der auch mit einer Schiene stabilisiert war. Aber irgendwie musste es gehen. Durch das Rütteln und Schütteln und zerren an ihm wird er wach und schlägt zum ersten Male die Augen auf. Die Schwester dicht vor ihm, schaut auf das verhärmte ernste Gesicht, in die graublauen Augen. "Hallo, da sind Sie ja wieder Herr D., Sie haben das ganze Weihnachtsfest verschlafen" sagt sie leise zu ihm und lächelt Der Feldwebel fragt sie "was ist denn heute für ein Tag?" "Es ist der 28. Dezember 1941", entgegnet die Schwester freundlich. Da geht ein Zucken durch das verhärmte, aschfahle Gesicht des Soldaten, "dann habe ich heute Geburtstag, ich bin geboren 28.12.1912.", erwidert der Soldat leise. Der Arzt sieht in verwundert an, endlich ist er wieder bei Bewusstsein, ein gutes Omen, er hat wohl einen besonders starken Willen und trotz allem eine relativ gute Konstitution. "Dann gratuliere ich Ihnen herzlich zu Ihrem zweiten Leben" sagt er und reicht dem Verwundeten ein Glas Wodka an die Lippen, "hier, das tut gut". Die ganzen Landser haben sich etwas von den Betten erhoben und klatschen und singen "Happy Birthday to You" Dies ist einer der Momente, wo auch der Lazarettarzt die Tränen nicht zurück halten kann.

Die junge Krankenschwester schaut ebenfalls mit Tränen und Verwunderung im Blick auf den jungen Feldwebel, der viel älter aussieht und gemäß Ausweis als schwarzhaariger Typ auf dem Bild zu sehen ist und nun erst 29 Jahre geworden ist, doch sein Haar ist schlohweiss…

Veröffentlicht am:
13:04:35 07.11.2008

amanfang 2 270

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