Einfach mal ganz anders als sonst

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Der Tag geht, es ist dunkel geworden. Langsam spüren wir, dass die Tage wieder länger werden.

Es ist noch Januar, es ist nass draußen, ungemütlich, aber für die Jahreszeit viel zu mild.

Es ist still im Haus, die Arbeit des Tages ist so gut wie getan.

Das Wetter ist so ähnlich, wie an dem Tag 53 Jahren als wir geheiratet haben, voller Pläne und ‘Erwartungen waren.

 In den Bergen liegen Massen von Schnee, in einigen Gegenden gibt es Katastrophenalarm

Menschen mussten schon wieder ihr Leben lassen durch Lawinen u. Unfälle, kaum dass das Jahr begann. 

Ich denke über viele Dinge nach, immer häufiger erwische ich mich dabei.

Ich bin alt geworden, beginne mein Haus zu bestellen.

Kein Posten mehr in einem Verein, die Öffentlichkeitsarbeit wird eingestellt.

Die Zeiten der ehrenamtlichen Arbeiten enden bald.

Ein Leben lang habe ich mich neben meinen privaten Aufgaben engagiert.

Der Körper signalisiert –Laß es langsamer angehen, Das Maßband wird kürzer.

 Ich denke nach, an wie viele Dinge erinnere ich mich noch. An was erinnere ich mich gern, was verdränge ich?

Schmeiße ich nicht schon gelegentlich Zeiten und Ereignisse durcheinander?

Was ist mir entfallen? Was einfach von meinem Mann so ganz anders erlebt und im Gedächtnis gespeichert? 

Was ist es wert an Wissen oder angesammeltem Kram zu hinterlassen, aufzubewahren, was sollte ich entsorgen oder einer anderen Verwendung zuführen?

Was brauche ich wirklich noch? ‘Was will ich noch erreichen, was habe ich erreicht, wer bin ich geworden?

Wie bin ich geworden, wie ich bin. Habe ich meine Hausaufgaben in meinem Leben gemacht?

Wo habe ich gründlich versagt?

Aufräumen tut gut, es schafft Erfolgserlebnisse und beruhigt die aufgescheuchte Seele.

Erinnerungen –schöne und harte Zeiten kommen in Bruchstücken und manchmal wollen sie durch Erzählungen raus.

Wen interessiert es?

Immer wieder denke ich an den Satz:

Mit einem alten Menschen stirbt eine ganze Bibliothek Und dieser Satz wird mir immer mehr zur Gewissheit. 

Wir Alten müssen lernen, ein Leben lang lernen, jetzt ist die Zeit zu lernen los zu lassen, Besitz, vertraute Menschen, Gesundheit, Wenigkeit. Erfolgserlebnisse.

Kompetenzen.

Das ist ein Prozess, der weh tun kann, aber auch erfreuen kann. Viel Druck fällt auch von uns Alten ab.

Wir erleben Achtung und Verachtung und müssen lernen damit umzugehen.

Neidlos müssen wir erkennen, dass wir aus der Zeit fallen, Jüngere mit den modernen Medien umgehen, die wir nicht mehr begreifen.

Dass sie schneller sind, dass sie die Veränderung sind, die wir in der Welt wahrnehmen.

Ein alter Mensch denkt nach –über Politik Veränderungen in der Gesellschaft, in der Natur.

Wir denken nach über Werte, die uns wichtig sind und die ihre Bedeutung zu verlieren scheinen.

Ein alter Mensch wird langsamer, schwächer und nachdenklicher –es ist ein Lebensabschnitt,

Der weh tut, ruhen lässt, Freude machen kann über Erreichtes und noch Mögliches,

Alt werden ist ein Lebensabschnitt, der auch so viele Veränderungen bereit hält, Wie die Pubertät ein Tor der Entwicklung zum reifen Erwachsenen ist, so ist das Alter eine  Hinwendung zum Abschied, zur Vollendung. Alter kann auch sehr schön sein.

Schauen wir in den Spiegel, das sind immer noch wir, aber die Haut wird welk, vergleichen wir die Bilder von Jahren zuvor, wie viel Neugier war noch im Blick, jetzt hängen die Lider runter und wir schauen müde aus.

Das Leben hat seine Spuren eingegraben. Aber das ist das Leben, ein Werden und Vergehen und niemand bleibt davon ausgenommen.

Ich denke nach –immer wieder mal und manchmal muss ich es aufschreiben für Andere –wollen die das überhaupt sehen, lesen, verstehen?

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© Karin Oehl 12.01.2019

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