Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“

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Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“

Albert Schweitzer (Werk: Die Lehre von der Ehrfurcht vor dem Leben)n)

Als ich vor mehr als 40 Jahren mit der Igelarbeit anfing, hatte gerade Prof. Grzymek, der Direktor der zool. Gesellschaft Frankfurt und des Frankfurter Zoos, seinen Straßenfeger im Fernsehen platziert: Ein Herz für Tiere.

Damals wusste man noch nicht so viel von den Igeln, gehörten sie doch nicht zum jagbaren Wild und auch nicht zu den Nahrungstieren. Nach dem Krieg hatte man andere Sorgen, als sich um Igel zu kümmern, und doch waren sie längst Sympathieträger. Ich denke an den wohl ersten Komik in einer Zeitung – die Radiozeitung HÖR ZU –, die wir Kinder sehnsüchtig erwarteten wegen der Micki- und Mecki-Geschichten. Auch Wilhelm Busch hat einst nette Gedichte gebracht und vieles andere mehr.

Als Prof. Grzymek damals zum Igelschutz aufrief, hatte er wohl zu wenig Sendezeit oder auch zu wenige Kenntnisse, aber eines war klar: In dieser Zeit griff die Gebietsreform und Landschaften wurden förmlich ausgeräumt. Die Landwirtschaft wurde industrialisiert und sowohl in der Landwirtschaft als auch in den Gärten wurde mächtig gern zur hochwirksamen Chemie gegriffen. Damit wurden alle Wildpflanzen – die man noch heute Unkraut nennt – vernichtet und mit ihnen viele Insektenarten, die Nahrungstiere der Igel, die einfach von der Bildfläche verschwanden und von uns Menschen gar nicht vermisst wurden.

Immer mehr verbrauchten die Menschen Land, bauten wie die Wilden, zerschnitten Biotope durch Straßen und der Verkehr nahm rasant  zu. Dem Igel blieb nichts anderes über, als Kulturfolger zu werden und sich in den menschlichen Siedlungbereich zurückzuziehen. Dort findet er noch heute vorwiegend Unterschlupf und wird satt. Was aber bleibt ihm zum futtern? Sicher nicht die Bandbreite der Insektennahrung, die er früher fand. Also greift er auf die noch vorhandenen Nahrungstiere zurück: Würmer und Schnecken. Leider sind das auch die Zwischenwirte der Innenparasiten, und ein stark verwurmtes Tier wird schwach und erkrankt schneller an Infektionen. Innenparasiten gibt es seit der Kreidezeit in fast unveränderter Form, aber heute ist die Verparasitierung und damit die Erkrankungshäufigkeit sehr stark angestiegen. Wildtiere, vor allem der dämmerungs- und nachtaktive Igel wird kaum einmal gefunden und wenn, dann ist er meist schon sehr sehr krank oder verletzt.

Auch auf den Straßen Wir sehen wir den tausendfachen Igeltod, aber dass der Igel langsam artgefährdent ist, sieht man häufig nicht. Viele Tiere verenden irgendwo und man findet sie selten.

Erst eben kam der 150igste Igel seit April in die Station. Auch dieses Tier ist wieder so stark verletzt, dass ich um sein Leben fürchte. Wenn ein Igel verletzt wird, schreit er meist nicht,  Da er am Boden lebt, der wahrlich nicht keimfrei ist, entzünden sich die Wunden. Die dicken Schmeißfliegen riechen das, legen ihre Eierpakete in den Wunden ab und die bald darauf ausschlüpfenden Maden fressen erst mal das entzündete Gewebe, um dann in den Igel hinein zu wandern. Der Igel stirbt meist langsam und qualvoll am Organversagen durch die Infektion. Wenn wir solche Tiere bekommen, können wir viel zu oft nicht mehr helfen und müssen den Tierarzt um Erlösung bitten. Dazu die vielen Kleinen, die gefunden werden  – die Stationen können ein Lied davon singen.

Leider sind auch die Tierärzte für das Wildtier Igel nicht oder nur unzureichend ausgebildet, so dass in einer Tierarztpraxis auch selten wirklich Hilfe zu finden ist. Außerdem bringen Igel viel mehr Flöhe als Mäuse (Geld) in die Praxis und sie sind keine kooperativen Patienten, wenn sie sich noch zusammenrollen können. Viele Tierärzte lehnen die Igelbehandlung auch rundweg ab, da die Finder der Meinung sind, die Behandlun hätte kostenlos zu erfolgen. Das ist nicht so.

Was sich Igel wünschen würden: Lebensräume mit weniger Gefahren und mehr Nahrungsvielfalt. In Notsituationen Menschen, die sie beherzt aufnehmen, Hilfe suchen und auch selbst bereit sind zu helfen. Schlau machen kann man sich schon mal im Internet unter  http://www.pro-igel.de/"">http://www.pro-igel.de/.

Übrigens – die meisten Igelhilfsstellen, auch Stationen genannt, sind Privatinitiativen, die nur ein begrenztes Raumangebot, Zeitkontingent und vor allem Budget zur Verfügung haben, aber oft als Institutionen angesehen werden, auf deren kostenlose Leistung der Igelfinder einen Anspruch zu haben meint , 365 Tage im Jahr und rund um die Uhr. Eine Igelstation zu betreiben ist aber ein Privatvergnügen, Zuschüsse gibt es so gut wie nicht und mit Zuckerwasser kriegen wir die Tiere nicht gesund.

Wenn Sie einen Igel finden, ist es natürlich richtig und das Erste, ihn in eine Station wie die unsere zu bringen. Aber bitte bedenken Sie: Wir bekommen im Jahr mehr als 300 Tiere. Wir bieten unsere Hilfe gern an und unsere Beratung, aber mithelfen sollten Sir schon auch. Denn helfen heißt eben nicht, die Verantwortung einfach mit dem Tier abzugeben.

Danke für Ihr Interesse und Ihr Verständnis.
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© K.Oehl

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