Man ist ja schon mit so wenig zufrieden

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Endlich ein Tag, an dem der Planet nicht so unbarmherzig runter brennt – Tierarzttermin ist erledigt, unsere Enkelkinder kommen heute mal nicht, ich merke , wie erschöpft ich bin.

Aus dem so sehr ersehnten Mittagsschlaf wird mal wieder nichts. Wieso träume ich immer mal wieder von einer ungestörten Mittagsruhe?

Erst will ausgerechnet in der Mittagszeit jemand wissen, wie es dem von ihm gebrachten Igel geht. Dazu muß ich runter in den Keller. Ich habe so viele davon, daß mir ein Herr xxx, eine Frau xxx, die ja am Freitag abend da war, nichts mehr sagt, Aber wozu macht man auf altbewährte Weise Buchführung und Dokumentation? Und warum müssen Menschen immer  während der Mittagszeit anrufen?

Kaum habe ich die Beine wieder hoch gelegt – Großaufgebot der Feuerwehr, nicht mal der von unserem Ort, sondern von der Kreisstadt.

Sie bringen mir einen winzigen Igel, ein kleines stacheliges Mädchen, das sich noch längst nicht allein durchs Leben schlagen kann. Trotz der Wärme fühlt sie sich kalt an.  Sie ist gerade so alt, daß die Äuglein beginnen sich zu öffnen, also dürfte sie um die 10 Tage alt sein.

Das Bäuchlein ist völlig leer und faltig.

Erst mal ist es in meiner warmen Hand gewärmt worden, Dabei konnte ich die Dokumentation anlegen, Der Feuerwehrmann schaute sich bei mir um und war verblüfft, was hier abgeht und los ist.

Dann bekommt die kleine Dame ein wenig Vitamine und Zuckerlösung und wird nach oben gebracht in einen winizgigen Käfig, in dem eine für Reptilien gedachte elektrisch beheizte Platte für ein wenig kuschelige Wärme sorgt.

Und ich kann ihr die richtige Nahrung zubereiten –warm natürlich. Sie ist durch die Glucoselösung und die Wärme schon deutlich munterer geworden und nimmt die angebotene Pipette gierig an.

Nur nicht zuviel auf einmal geben, weiß ich, dazu war die Kleine viel zu ausgehungert und durstig.

Nun schläft sie –genießt die Wärme und ich kümmere mich um den Rest der Belegschaft.

Zuvor aber habe ich den Leuten von der Feuerwehr einen Kurzkurs in Sachen Erste Hilfe am Igel verpaßt und ihnen Info Material meines Vereins mitgegeben.

Nun müssen sie Daumen drücken, daß die Lütte gut groß wird.

Und ich hatte mich mal auf endlich ruhige Nächte gefreut, denn das runde Dutzend meiner anderen stacheligen Kinder beginnt am Tellerchen zu futtern –eine Riesenerleichterung für mich.

Und wenn ich Glück habe, kann ich meinem Mann, der ausnahmsweise allein mit den Hunden rausgegangen ist, mal wieder ein paar Hemden bügeln.

Man ist ja schon mit so wenig zufrieden

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© K.Oehl

amanfang 2 270

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