2014

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2014

Draußen ist es trüb und grau – eigentlich ist Sommer und wir wollten in Urlaub sein. Die restlichen stacheligen Patienten waren in Pflegestellen gegeben, das Wetter war passabel. Die Urlaubskasse hatte zwar deutlich signalisiert „Es geht nur ganz einfach!“, aber egal. Nach der langen und heftigen Igelsaison haben Körper und Seele einfach danach gelechzt rauszukommen.

Am 13. Mai 2014 mussten wir an einem Tag unsere zwei mittelgroßen Hunde in den Hundehimmel gehen lassen. Die Zeit vorher war extrem belastend und schwierig. Als sie es geschafft hatten, war zunächst einmal ein heilloses Durcheinander im Gefühlsleben entstanden.

Noch immer vermisse ich diese Herzenshunde so sehr. Mein Alter  – 15 Jahre, da war es klar, dass ich ihm bei seiner Erkrankung würde helfen müssen zu gehen. Dass nun aber auch noch seine Partnerin mitten aus dem prallen Leben heraus so eine schwere Krankheit bekommen würde und sie trotz aller Bemühungen gleichzeitig mit ihm gehen musste, hat uns umgehaun.

Es blieb uns der kleine Charly, ein Pekinese, einfach eine Knutschkugel zum Liebhaben, der aber vom Wesen so völlig anders ist als andere Hunde, als unsere Hunde alle waren. Die Umstellung, nur noch ihn zu haben, war schwer. Nun, er ist ja nicht allein da, es sind noch zwei verwöhnte Kater da, die sich mit Charly hervorragend vertragen – ist er doch im Wesen mehr Katze als Hund.

Es mag verrückt klingen: Mir war, als wollten meine Zwei mich zwingen, die Stelle in unserem Haus wieder mit einem notleidenden Tierschutzhund zu besetzen. Bevor sie sterben mussten, haben sie uns ein kleines Vermögen gekostet. Also bei aller Sehnsucht, schnell mal einen neuen vierbeinigen Freund aufzunehmen,  kamen erst mal rein sachliche Überlegungen:

Wir müssen uns finanziell erst mal erholen.

Ein neuer Hund darf auf Grund unseres Alters nicht mehr jung sein. Doch dann ist bald wieder mit einer erhöhten Tierarztrechnung zu leben – geht das?

Wir wollen endlich mal reisen – mit dem Handtaschenformat von Hund ist das kein Problem. Aber größer???

Nach der mehr als anstrengenden Zeit signalisierte auch mein Körper: Mach Pause, du brauchst sie dringend! Auch wenn ich es nicht wahr haben wollte.

Ja, und dann kam unser Besuch auf dem Tierschutzhof  …

Wir sind mit der Betreiberin schon viele Jahre befreundet. Ihre Hunde bekommen täglich ihren Gassi-Gang. Also nahm ich Laila an die Leine – Laila ist eine ca 9-jähjrige Leonberger-Mix-Hündin. Sie ist fit für ihr Alter, hat nur ein noch abzuklärendes Problem .

Das Wetterleuchten in unseren Köpfen war nach außen sichtbar. Plötzlich geschah etwas, was in letzter Zeit häufiger vorkam: Ich erlitt unterwegs einen Schwächeanfall. Meine Freundin und mein Mann mussten mit ihren angeleinten Begleitern schnell weiter, denn man wartete auf einen Handwerker und dessen Wagen fuhr schon an uns vorbei.

„Lauft, ich setze mich mal einen Moment hin“, sagte ich. Und dann kam das, was ich bis heute nicht fassen kann und was mich völlig umgeschmissen hat: Laila legte ihre dicke Pfote auf meinen Schoß, schaute mich wissend und verstehend an, und seufzte kurz auf. Es hat mich zerrissen – es war Ernies Blick, es war Danas Blick. Ich wusste in dem Augenblick: Das muss meine neue Hündin werden.

Wir sind dann langsam zum Haus gegangen. Laila vorneweg – Charly und Laila hatten sich so gut wie nichts zu sagen, es würde also keine Probleme mit Mini und Maxi geben. Sie zog nicht, schaute sich aber auch nicht mehr um.

An unserem Campingwagen habe ich sie gefüttert – ehe ich so weit war, hatte sie Charlys Futter bereits entdeckt und geklaut. Er hat lauthals protestiert – erfolglos: Es war weg (klar kam er dennoch nicht zu kurz). Dann wollte Laila wieder zu ihrem Pflegefrauchen.

Aber dieser eine Moment … Wir haben lange überlegt, ob wir sie mitnehmen. Ich habe deutlich gespürt, dass mein Mann noch nicht mit dem Verlust unserer zwei Hunde fertig ist. Er möchte nicht so schnell wieder einen Hund verlieren, auf den er sich emotional gerade eingelassen hat. So vereinbarten wir: Erst wird die nötige Untersuchung bei Laila gemacht. Wenn sich da kein Riesenproblem ergibt, wird sie geholt.

Und nun warte ich und warte. Jeder Tag zählt ja auch für die alte Hündin.  Ob ich sie wirklich bekomme? Es war ein Augenblick – ein winziger Augenblick, der mich unvernünftig werden ließ. Aber was sind Vernunft und Argumente, wenn das Gefühl spricht?

Kommen wir über den Hund, kommen wir auch über den Schwanz, heißt es und das bedeutet für Euch Leser: Daumendrücken, dass wir Laila bald streicheln und verwöhnen können,  sie eine eigene Familie, ein eigenes Körbchen bekommt und möglichst noch eine lange gute Zeit mit uns hat.

Nachtrag

Laila war totkrank, das ergab die Untersuchung und mein Mann mochte nicht schon wieder eine Sterbebegleitung machen. Zu frisch war noch die Wunde, zwei Hunde an einem Tag nach längerer Krankheit zu verlieren. Laila fand bei lieben Menschen eine Endstelle, lebte noch ein Jahr und durfte dann geliebt in den Hundehimmel gehen.

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© Karin Oehl

amanfang 2 270

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