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Konzert am 29. September 2010
in der Westfalenhalle Dortmund
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Hallo liebe Leser,

noch voll von dem gestrigen Konzertabend will ich gerne hier kommentieren.

ich, 65 J. jung, hatte in diesem Jahr zu meiner Freude die Gelegenheit, endlich meinen schon immer geliebten und verehrten Lenny Leonard Cohen live zu erleben.

Zu meinem Geburtstag im August, bekam ich eine Eintrittskarte für das *Leonard Cohen - Konzert* am 29.09.2010 in der Westfalenhalle Dortmund und so machten wir uns von Düsseldorf auf nach Dortmund. Ich bin dankbar, dass ich ihn endlich mal live erleben kann nach dem Motto: "last, but not least ..."

Vorher hatte ich im Net bereits die Kommentare nachgelesen der Fans, die ihn bereits vor mir genossen hatten in 2010. Da stand etwas von frenetischem Beifall, von Gänsehaut pur und Standing Ovationen. Dann las ich, dass auch nichtbekennende Zuhörer voll begeistert waren und berührt. Dies wurde etwa so formuliert, dass gerade den Nichtkennern dieses bedeutenden Sängers und Liedermachers das Konzert wie eine Message in einer Messe - ja oft sogar wie ein andächtiges Gebet vorkam. Der Mann im grauen Anzug mit Hut, entfachte wirklich eine Flamme in den Herzen. Ich denke an Lennon, Dylan und bei seinem Song *Chelsea-Hotel an Janis Joplin. Jetzt würde ich gleich hören, ob im Internet übertrieben wurde.

Die Leute suchten wie immer schleppend ihre Plätze auf und die Halle füllte sich langsam, während die Rowdys und Bandmitglieder im Halbschatten alles richteten auf der Bühne. Ich saß da und hatte nicht, wie in früheren Jahren, das Herzklopfen, weil gleich da unten mein *Superheld* singen würde. Es fehlte jegliche Aufregung, na denn ... alles schien ganz unspektakulär, während ich bei Bryan Ferry - und Wecker - Konzerten o.a., immer sehr angespannt war früher. Das Gefühl aber war das gleiche wie damals - in der Gewissheit, dass ich hier unter vielen grauhaarigen Menschen saß, signalisierte mir, dass es so sein wird, wie immer bei ganz speziellen Künstlern, dass hier nur Kenner saßen, seine Lieder kennen und somit auch ein gutes Publikum sein werden. Denn davon hängt so vieles ab, weil das, was vom Publikum rüberkommt, sich immer auf den Künstler auswirkt und somit würde der Abend gut werden.

Dann kam ein Mann auf die Bühne - zierlich von hier aus nicht genau zu erkennen. "Das isser" sage ich zu meiner Schwester, "Nein" - meint diese, "da ist noch einer mit Hut ..." Wenige Augenblicke später wurde das Licht gedimmt und es begann. Kräftiger Beifall wie ein Mann flammte auf und Lenny bedankte sich für den herzlichen und warmen Empfang, er meinte, Ihr seid so lieb, dass ich heute das Beste geben werde, was ich je gab. Es wirkte wieder rauschender Beifall und es ging los. Nun werden Sie sagen, das sagt der immer ... vielleicht, aber er meint es so und es ist fantastisch wie die kräftige dunkle Stimme zu uns rüberschallt - von einem so zierlichen Menschen, der mit seinen 76 Jahren mit Feuer und Inbrunst singt und ja, im Nu verzaubert. Oft singt er kniend und die Scheinwerferfarben unterstreichen passend als einziger Effekt die Songs, die den Saal füllen.

Während ich begeistert die neuen Songs von ihm höre, merke ich, da ich fast alle alten Platten und neuere CDs von ihm habe, dass nichts fehlt. Nichts ist nachlässig oder schlechter interpretiert, im Gegenteil, mit kreativer Perfektion gibt er und seine Kapelle jedem Stück eine neue spitzenmäßige Präsenz, die das Publikum einfach mitreißt.

Nichts ist übertrieben im Net. Der Beifall wird immer noch stärker und die Menschen lauschen andächtig. Die Faszination der Musik sorgt für Herzklopfen und Gänsehaut pur, immer wieder. Eine tiefe Freude und Dankbarkeit, dieses zu erleben lässt mich in diesen Stunden wieder die von damals sein, die selbst eine Gitarre hatte und sang und oft mit der Band ihres Bruders probte.

Nur eine kleine Pause von etwa 15-20 Minuten ließ uns die Beine lockern, dann ging es weiter. Nun kam meine Sorge, dass ich verschiedene Songs noch nicht gehört hatte wie z.B. *Take this walz, *Marianne, Halleluja usw. dann wurde es wieder still. Dann kamen sie, die allezeit Besten, ein Song nach dem anderen, der große Magier hatte uns fest im Griff. Wie im Rausch ging es weiter und weiter. Dann kam der Moment, wo sich entscheiden würde, ob es Zugaben gibt, obwohl schon so viele Songs gebracht wurden – eben ein reichliches Repertoire gegenüber dem Auftritt manch anderer Künstler.

Bleibt das Publikum geschlossen und stürmt nach vorne, und geht einfach nicht – sind wir der Zugabe sicher. Lauter Beifall alles steht auf und – sie rennen nach vorne und machen überhaupt keine Anstalten zu gehen, auch nicht nach der dritten Zugabe – Lenny tänzelt heiter von der Bühne - kommt zurück, nimmt den Hut ab und stellt seine Musiker vor, die einsame Spitzenklasse sind. Frenetischer Beifall für jeden einzelnen.

Und - ja, wie auf der letzten CD vom Live-Konzert in London schon zu hören, er nannte uns Freunde, nicht Fans und man hat das Gefühl, man sitzt bei guten Freunden, die einen persönlich wahrnehmen! Irgendwann flüstert meine Schwester mir zu, warum kniet der beim Singen und ich denke, es ist ein Art Demut und Achtung vor dem Leben, vor der Liebe, vor dem Menschen. Er will nicht nur den persönlichen Erfolg, sondern einfach die Musik, die in seinem Kopf und Herzen entsteht, wiedergeben und trägt sie so mit Leib und Seele vor.

Zum Schluss bedankt er sich bei uns und wünscht uns eine gute Heimfahrt – Thank you so match my friends!

Be careful – and I hope, we see us soon!"

"Be careful Leonard, Du bleibst in unseren Herzen, immer …"


Als irgendwann das Licht angeht, schau ich auf die Uhr,
es ist genau 24 Uhr …


ES (30.09.2010)

amanfang 2 270

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