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Verserzählung zum Thema Carnevale in Venezia



hinter dem Maskenkunstversteck
steht 's Domino allein im Eck
verborgen durch sein Schwarzgewand
ein Domino in seiner Hand

geheimnisvoll – mystisches Bild
was Dominos Kopf wohl erfüllt
wer lud zu diesem Fest es ein
steht in der Menge ganz allein

Gestalt ganz ohne Regung scheint
ist es ein Freund oder ein Feind
und so verborgen schaut es zu
und keinem lässt sein Schweigen Ruh'

doch sieht man näher ihn beim Tanz
erkennt man schwarzer Augen Glanz
sie bannen - weichen niemals ab
mit Glut bis tief ins Herz hinab

und dann bei Null um Mitternacht
verstummt jeder – wie abgemacht
es wird durch Tusch laut avisiert
dass jeder sich nun demaskiert

und lautes Lachen Jubeln schrei'n
und hundertfaches "sich befrei'n"
von Maske Boa Hut und Helm
heiter erkannt so manchen Schelm

lustig ertönt es oooh und aaah
nur's Domino ist nicht mehr da
und unbemerkt fehlt da noch wer
die Burgfrau aus der Damen Heer

da draußen durch die kühle Nacht
läuft's Domino mit seiner Fracht
im Arm hält er das holde Weib
für Liebe Spaß und Zeitvertreib

und leuchtend in der Dunkelheit
weht weiße Schleppe von dem Kleid
der Burgfrau – die so seelig ist
weil noch im Lauf sein Mund sie küsst

und trunken Seelen zungenschwer
sie schunkeln drinnen hin und her
so mancher schon im Separee
denn Treueschwur ist heut' passe`

nur einer tobt wild an der Tür
mein Liebchen das bereust du mir
ich werd' dich finden ich bin schlau
denn schließlich bist du meine Frau

doch eh er schwankend kommt heraus
fährt Kutsche längst zum Tor hinaus
mit turtelnd' taumelnd' Liebesglück
doch der Gehörnte bleibt zurück

sein Leib ist schwer – Atmen ihm Not
er sucht Balance – steigt ins Boot
der Gondoliere fährt ihn frei
egal wohin – s' ist einerlei

die Turmuhr schlägt – schon ist es eins
man hat ein Lieb' oder auch keins
die Gondel schwankt in ihrer Pracht
den Fahrgast fährt die ganze Nacht

ein Häufchen Jammer klein und rund
auf dem Kanale Stund' um Stund'
als endlich bricht der Morgen an
setzt man ihn ab am Ufer dann

und weiter fort – welch' Ironie
lieben sich zwei so wild wie nie
der Göttergatte trinkfest – feist
auf Rache sinnt – sein Herz vereist

hat er sie als Gehilfin doch
als Putzfrau Mutter und als Koch
genommen einst mit kaltem Schwur
der Mann, er wollt' verpflegt sein nur

doch das die Jugend nicht allein
verkümmern will im Kämmerlein
davon hat er noch nie gehört
wo er stets abends eingekehrt

wenn er dann nachts nach Hause kam
die Kammer ihm verschlossen dann
denn Gattin frönt dem Schönheitsschlaf
doch morgens tat sie lieb und brav

so hat er Jahre sich betrogen
und immer neu was vorgelogen
dass er in rüstig' bestem Alter
und reicher Herrengutsverwalter

das Paar jedoch verließ das Land
ein Domino als Unterpfand
in dunkler Kleidung auf der Flucht
hinfort aus der Venedigbucht

amanfang 2 270

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