Ach zeig mir den Punkt

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 Ach, zeig mir den Punkt, wo sich alles trifft
wer denn kann sagen: Ich besitze, ich habe gehabt!
Eine Klause hast du dir geschaffen, eine Zelle für dich,
deinen Rückzug
In der Stube steht auch ein Lager,
eine Möglichkeit, zehn Minuten zu verweilen,
still zu sein
den Druck der Waden zu spüren auf kühlem Laken
Du hebst den Tüll beiseite, dieses schräge Stück Gardine
und blickst in die Landschaft
auf den Feldern stehen die Raben
in Furchen, die leer sind, die Helle der Sonne
schräg aus dem Weltall täuscht dich über die Zeit
Nebelmonat November, wenn alles verschwebt,
die Gedanken, das Gedächtnis der Toten
höchsten ein Schrillen weckt dich,
ein Ruf von Ferne, jemand am Telefon
der dich erreicht, der dich einbezieht

Es gibt dir ein Dasein und ein Erinnern
eine Woche bedenken, atemlos drüben
zwischen Wupper und Duisburg
An welches Haus, an welchen Hügel gelehnt
richtet sich dein Gedanke auf
der so klar, der so lupengenau ist
als wäre ein Dichter dabeigewesen
Reporter der nackten Dinge

Einmal so außer sich sein - dann weiterleben
wie unerkannt
Nun trägst du Blumen in die Stube
Astern so knirschend kühl und herb wie du selbst
wenn du dich nicht traust, die Wimpern zu öffnen
die Lider ganz hochzuschlagen, mit deinen Augen zu sehen
deine Kraft, dein Eigenstes
dich, im Spiegel oder im blinkenden Fensterglas
der Stube oder im Echo des Freundes
der dich sieht und hört, wie du wirklich bist
dann hast du alles Störende beiseite geschoben,
den Stuhl von der Tenne, die schwere Schabracke
die dem Zimmer das Licht nimmt,
dann leuchtest du, du bist du selbst
deine Stube bist du

Ich lege meine Hand in deine Seele
fühle mich gut dabei
Wir machen beide eine Ausnahme
sie gefällt uns gut
Einmal
den Schwarm hochfliegen lassen der nistenden Vögel
die alle ihr Heim hatten ihr Nest und ihre Beköstigung
ihr zieht fort, Vögel und Schwärmer
und mir fällt das Aufsegeln zu
wo von Küsten weg alles ins Blau, ins stürmische Meer
in die Weite strebt
Zu deinem Traum fährst du
zum Nordkap
Annäherung und Ferne, wer denn weiß, wann wir treulos
frank und frei uns hingeben, alles fahren lassen
was uns bindet, uns hält
mit geschlossenen Augen
das Schönste sehen
darüber still zu sein
wenn dich Unheimliches berührt
wie ein Mund, der nicht da ist

amanfang 2 270

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